auf den Weg nach Salta

28. Juni 2009

So mache ich mich auf den Weg nach Salta, das ich am Nachmittag erreiche, da ich nicht weiß wo die 3 stecken und das Wetter auch sehr düster aussieht, beschließe ich nach San Salvador de Jujuy weiter zu fahren. Laut meiner Karte führt die Straße Nr. 9 ziemlich gerade nach San Salvador. In Wirklichkeit steigt sie in Serpentinen den Berg hinauf und hier ändert sich die Vegetation plötzlich, ich fahre durch einen Regenwald. Eine schöne Kurve folgt der anderen, tolle Motorradstraße, wenn nicht der Wald seinem Namen gerecht würde, es regnet leicht. Da ist Vorsicht angebracht, denn es gibt hier keine Leitschienen und die Abgründe hier sind tief. In San Salvador de Jujuy regnet es weiter, so beschließe ich bis nach Tilcara zu fahren. Die Straße führt hier durch die Quebra de Humahuaca, faszinierend an dieser Schlucht die Farben der Felsen in allen möglichen Braun – und Rot Schattierungen in Schichten übereinander liegend. Erst am nächsten Tag als ich aufbreche um über den Paso de Jama nach San Pedro de Atacama zu fahren, bessert sich das Wetter. Kehre um Kehre schraubt sich die Asphaltstraße den Pass hinauf wo ich innerhalb kurzer Zeit wieder eine Höhe von über 4000 Metern erreiche. Immer wieder treffe ich auf kleine Gruppen scheuer Guanacos, die unmittelbar neben der Straße grasen. Die Tiere sind aufgrund ihres braunen Felles in dieser Landschaft immer sehr spät zu erkennen und so muss ich immer voll konzentriert fahren, um eine eventuelle Kollision zu vermeiden. Denn die Tiere wechseln manchmal abrupt die Straßenseite. Auf der Hochebene tauchen neben der Straße immer wieder vereinzelt Gehöfte aus Adobe der Indigenen Bevölkerung dieser Region auf. Über Serpentinen führt die Straße in ein weites Tal und ich quere einen Salzsee, mit den Salinas Grande. Faszinierend diese riesige Salzfläche, wie gewaltig muss dann erst der Salar de Uyuni in Bolivien sein. Endlos zieht sich die Puna durch dieses Hochtal. Wieder überquere ich eine Bergkette und im nächsten Tal  liegt der Salar de Olaroz vor mir. Am Nachmittag erreiche ich den argentinischen Grenzposten auf über 4000 Metern. Kurz vorm Grenzposten gibt es noch eine Tankstelle wo ich zwei Brasilianer mit einer BMW und einer TDM treffe, nach einem Kaffee und einer kurzen Plauderei trennen sich unsere Wege wieder, die beiden sind am Heimweg in den Süden Brasiliens und mir steht wieder der übliche Papierkram mit den Zöllnern bevor. Überraschender Weise arbeiten die Argentinier relativ flott, man soll es nicht glauben! Kurz nach der Grenze ist der Paso de Jama mit 4400 Metern erreicht. Auf der chilenischen Seite stehen etwas Abseits der Straße einige riesige Felszapfen und verschiedenste Formationen im Sand, Überreste jahrtausender Erosion. All zu lange kann ich mich leider hier nicht aufhalten, denn es ist schon später Nachmittag und San Pedro de Atacama ist noch an die 150 Kilometer entfernt. Weiter geht es von einem Hochtal ins andere und das GPS zeigt schon über 4800 Meter an, am Horizont verdunkeln sich die Wolken und sie kommen rasend schnell näher, hoffentlich beginnt es nicht zu regnen, das fehlt mir noch in dieser Höhe. Ich hatte wieder mal Glück, statt Regen kam ein Schneesturm auf. Gott sei Dank schneite es sehr trocken, so blieb die Straße frei. Das Hochplateau will und will nicht enden, endlich nach über 60 Kilometern geht es abwärts, am Horizont zucken Blitze aus den dunklen Wolken und erzeugen eine gespenstische Stimmung. Die niedrigen Häuser von San Pedro mit ihren braunen Lehmwänden erinnern mich im ersten Moment an afrikanische Dörfer. In den Gassen herrscht reges touristisches Treiben, jede Menge Agenturen bieten Touren zu den Lagunen in Bolivien oder den Geysiren in der Umgebung an. Hier wechsle ich auch meine Reifen, ab nun bin ich auf groben Pirelli Stollen (Dank an Reifen Pfaffenwimmer www.reifen-pfaffenwimmer.at ) unterwegs. Nach getaner Arbeit nütze ich die touristische Infrastruktur und gönne mir ein saftiges Steak begleitet von einem herrlichen Chilenischen Roten! Am nächsten Tag breche ich erst gegen Mittag auf, denn die Strecke zur Laguna Verde in Bolivien beträgt nur etwa 90 Kilometer. Vorher erfolgt am Ortsrand von San Pedro wieder der Papierkram am Grenzposten.

BOLIVIEN

Nach etwa 60 Kilometern verlasse ich den Asphalt und eine schmierige Schotter-Erdpiste bringt mich zum bolivianischen Posten. Hier kann ich allerdings nur die Polizei Formalitäten erledigen, denn der Zoll liegt an die 80 Kilometer im Landesinneren bei Apacheta. Kurz vor der Laguna Verde liegt ein kleines Gästehaus wo ich die Nacht verbringe. Fast vor der Haustüre steht ein erloschener Vulkan mit über 5000 Metern. Hier lerne ich auch gleich Obert kennen, es stellt sich heraus dass er der Guide der Neuseeländer ist, die er am nächsten Tag erwartet. Es ist Mittag als die „Kiwis“ auftauchen, alle sind sofort einverstanden, dass ich mich ihnen anschließe. Faszinierend die Farbenspiele der Laguna Colorado, Flamingos in ihrem rosa Gefieder stolzieren im Wasser. Die Pistenverhältnisse wechseln von schönen Sandpisten über steiniges Terrain bis Wellblech. An einer Lagune gibt es eine heiße Quelle deren Wasser in einem Becken aufgefangen wird. Wir entspannen eine halbe Stunde lang unsere durchgerüttelten Knochen. Frisch gebadet starten wir unsere Bikes um dann gleich wieder mal in die Staubwolke des Vordermannes zu geraten. Immer wieder tauchen interessante Formationen in den verschiedensten braun- und rot Tönen auf. Am späten Nachmittag erreichen wir das Geysirfeld des

Sol de Mánáná, aber außer einigen Schwefelwolken ist es relativ ruhig hier, denn der Geysir stößt seine Dampf-Fontainen schon in den frühen Morgenstunden aus. Das Gebiet ist aber trotzdem interessant, denn aus allen Löchern blubbert und zischt es. Zum Abschied treibt der Wind vereinzelte Schneeflocken über das Geysirfeld. Wenig später erreichen wir die „Aduana Apacheta“ eine der höchstgelegenen Zollstationen der Erde auf 5020 Metern. Obwohl wir hier mitten in den Bergen sind, sind die Zöllner schon mit Computer ausgestattet. Nur das Eingeben der Daten bei 8 Motorrädern dauert, denn so fix (Einfinger System) ist der junge Zöllner noch nicht am PC. So fasst sich der Zollchef ein Herz und füllt persönlich einige unserer Formulare mit der Hand aus. Kurz vor Sonnenuntergang erreichen wir das nächste Camp, die letzten Kilometer noch eine „Sonderprüfung“, extremes Wellblech schlägt uns fast den Lenker aus der Hand. Irgendwie tut mir meine alte BMW etwas leid, was mute ich ihr da mit über 170 000 Kilometern noch zu, hoffentlich fällt sie mir nicht auseinander!

Die Zimmer sind einfach, aber doch gemütlicher als draußen im Zelt zu schlafen. Im Auto von Obert ist auch eine Köchin dabei, die uns in der einfachen Küche ein schmackhaftes Abendessen zubereitet. Für unsere Bikes war es eine frostige Nacht,  die Sitzbänke sind mit Eis überzogen. Obwohl es noch ziemlich kühl ist beim Start, sorgt das Wellblech gleich wieder für die richtige Erwärmung der Muskeln. Zu Mittag erreichen wir die Laguna Honda (Honda, die legen auch Lagunen an?) Zuvor schmeißt Russel noch seine 1200 er Adventure ins Gebüsch (Steine) war doch etwas zuviel am Gas! Obwohl er mit seinen 1,90 Metern auf der 1200er wie auf einem Moped sitzt, ist er heilfroh als ich ihm helfe die schwere Fuhre aus dem Graben zu wuchten. Die Piste zieht sich durch weite Täler, wo wir nicht unbedingt die Hauptpiste nehmen müssen. Mit den Bikes weichen wir auf den für uns festen Sand aus und lassen es fliegen, da kommt gleich etwas „Dakar Feeling“ auf. Ein markanter Punkt auf der Strecke ist der „Arbol de Piedra“ eine Steinformation einem Baum ähnlich. Auch die umliegenden, von Wind und Sand geformten Felsbrocken bieten interessante Fotomotive. Obert kennt einen „Abschneider“ über die Berge, der hat es aber in sich, grobe Steinplatten, spitze Steine, Wellblech und als Draufgabe eine Bachdurchquerung (der einzige übrigens in der Umgebung). Von Platten blieben wir zum Glück alle verschont. Kurz vor Villa Alota verlassen wir die Piste und erreichen eine von Japanern gebaute Strasse, die zu einigen Minen führen. Über 20 Kilometer ist die Straße gesäumt von riesigen Felsbrocken mit bizarren Formen, es scheint als habe sie ein Riese wahllos in der Umgebung verstreut. Nach Villa Alota gibt es am nächsten Tag erst bei San Cristobal wieder die Möglichkeit zu tanken. Für mich mit meinem  40 L Tank kein Problem, ich komme noch bis Uyuni, die Neuseeländer müssen aber auf alle Fälle tanken. Wir erreichen kurz nach Mittag Uyuni und genießen nach Tagen  wieder einmal den Komfort einer heißen Dusche. Uyuni ist ein verstaubtes Nest, in den Straßen nehmen die Schlaglöcher manchmal Kratern ähnliche Dimensionen an, aber die Stadt ist voll von Touristen. Denn alle wollen eine Tour über den großen Salzsee unternehmen. Hier treffe ich wieder mal einige andere Motorradfahrer. Die Französin mit ihrem rumänischen Freund, die in Kanada leben und auch von dort mit ihren KLR’s gestartet sind, drei mit braunem Schlamm verkrustete Suzuki V Strom aus Texas.

Am Abend mache ich einen Abstecher zum etwas außerhalb von Uyuni gelegenen Eisenbahnfriedhof. Im herrlichen Abendlicht beginnen die alten verrosteten Loks förmlich zu glühen und geben eine perfekte Fotokulisse ab. Am nächsten Tag geht es hinaus auf den Salar de Uyuni, dem größten Salzsee unserer Erde, mit einer Fläche von 12 000 Quadratkilometern. Meine neuseeländischen Motorradfreunde wollen ihre Bikes lieber nicht „versalzen“, so beschließen sie eine Jeeptour zu buchen. Meine BMW hat schon soviel ausgehalten, wird sie auch etwas Salz überstehen. Am „Ufer des Salars angekommen zögere ich vorerst etwas, denn vor 2 Tagen hatte es in der Region geregnet und der Uferstreifen steht unter Wasser. Das kanadisch/rumänische Paar erzählte mir, dass nur die ersten zweihundert Meter unter Wasser stehen, alles andere ist trocken. Ich sehe mir an welche Spuren die Jeeps der Tourorganisatoren nehmen und folge ihnen mit etwas mulmigem Gefühl. Teilweise steht das Wasser zwischen 20 und 40 Zentimetern, im Slalom geht es durchs Wasser zu einigen „kleineren Inseln“. Nur nicht ausrutschen, ich wage es gar nicht mir auszumalen was passiert, wenn die Alukiste unter Wasser kommt, das wäre der „Salztod“ des Laptops, Filmkamera ….! Endlich erreiche ich den trockenen Teil des Salars und die BMW ist bis zur Scheibe mit den weißen Salzkristallen überzogen. Ganz trocken ist es allerdings die nächsten Kilometer auch noch nicht, eine leicht schmierige Schicht überzieht die Oberfläche. Nach einigen weiteren Kilometer ist der See völlig trocken und die Salzkruste hart wie Beton. Salz soweit das Auge schaut, über „10 Milliarden“ Tonnen, drei bis fünf Meter dick und fest genug, um von Jeeps und sogar von LKW’s befahren zu werden. Im Uferbereich schlagen vermummte Männer mit Äxten Salzblöcke aus dem Boden. Dieses Salz wird in einer alten Mühle im Dörfchen Colchani verarbeitet. So werden über 20 000 Tonnen Salz jährlich für den nationalen Markt gewonnen. Der erste Stopp führt mich zum Salzhotel, wie schon der Name sagt wurde dieses Hotel aus Salzblöcken erbaut, wie auch die Inneneinrichtung. Das Hotel ist mittlerweile nicht mehr in Betrieb und fungiert als Museum. Es macht Riesenspaß über diese Salzfläche zu brettern.

VALLE del ELQUI

14. April 2009

Es dämmert bereits und Valle del Elqui ist noch 80 Kilometer entfernt. Die Italiener meinen wir könnten ja gemeinsam fahren, da sie das gleiche Ziel haben. Nur die beiden brettern gleich voll los, als wäre es taghell, kann und will da nicht mithalten, denn teilweise ist hier Baustelle und es ist schwer auszumachen wo Löcher und weicher Schotter sind. Endlich ist die Asphaltstraße erreicht und ich kann von der Hauptstraße ins Valle del Elqui abzweigen, in der Ortschaft Pisco Elqui bekomme ich ein Zimmer im von Ossi empfohlenen Hostal.

Pisco Elqui ein netter kleiner Weinort, wie der Name schon sagt, dreht sich hier alles um Pisco, dem traditionellen chilenischen Traubenschnaps. Das ganze Tal hinauf zieht sich der grüne Streifen der Weinberge, sieht aus wie ein bisschen Südtirol mit den Dörfern zwischen den Weinbergen, nur dass hier die einzige Vegetation die Weingärten im Tal sind. In der Nähe von Pisco Elqui besichtige ich ein kleines Weingut, noch ein richtiger Familienbetrieb. Großteils wird hier noch vieles in Handarbeit verrichtet, wie befüllen und etikettieren der Pisco Flaschen. Die Tochter des Hauses führt selbst durch den Weinkeller. Das lustigste allerdings ist das Gewölbe, wo sich in früheren Jahren eine Gruppe von Freunden zu manch einem Trinkgelage getroffen hatten. Sobald einer der Zechkumpane gestorben war, wurde er in diesem Gewölbe bestattet. In einer Nische seiner Gruft wurde dem Verstorbenen ein Teil seiner Lieblingsweinsorte hinterlegt, falls er im Jenseits mal durstig wird. Über jeder Nische ein Schild mit Namen und so manchem Detail wie: „Gran consumidor de piscos“!

Nach einigen Tagen verlasse ich das Valle del Elqui in Richtung La Serena. Immer wieder komme ich an großen Flächen vorbei, wo auf über 100 Meter langen Plastikplanen Weintrauben zum Trocknen ausgelegt sind. Von der Straße aus fotografiere ich wie eine Gruppe von Frauen die getrockneten Trauben in Säcke verpacken. Ein Mann winkt mir zu ich solle doch hereinkommen, dort erklärt er mir, dass die Rosinen bis nach Amerika und Kanada exportiert werden. Zum Abschied schenkt er mir noch ein kleines Säckchen mit frischen Rosinen.

PASO SAN FRANCISCO

Von La Serena geht es in den Norden über Vallenar nach Copiapo und hier wird es richtig heiß, der Beginn der Atacama Wüste. Endlos gerade zieht sich die Straße dahin, keine Abwechslung in der Landschaft, nur hin und wieder einige kleine Büsche. Unterwegs treffe ich zwei australische Motorräder, Al mit seiner Schweizer Freundin Leonie und Pat. Da wir die gleiche Route haben fahren wir gemeinsam nach Copiapo. Die drei wollen auch über den Paso San Francisco, als ich ihnen sage, dass da auf über 450 keine Tankstelle sei, waren sie etwas erstaunt. Denn mit ihren KLR’s hatten sie nur 20 Liter dabei. Am nächsten Tag besorgten sie sich Kanister, da war nur die Frage wie montieren. Aber nach alter australischer Schaftreiber Manier fand Pat schließlich die „Lösung“. In der Garage unserer Motorräder fand er diverse Latten und Rohre, mit einem Strick wurden diese am Heck befestigt und schon war die Halterung  fertig. Links und rechts vom Topcase ein Kanister festgebunden und Leonis Rucksack noch oben drauf! Bin neugierig wie die mit dieser hecklastigen Fuhre auf der Piste zurecht kommen. Irgendwie sind die beiden etwas chaotisch veranlagt. Pat zum Beispiel fuhr mit einem Motorradstiefel und einem normalen Schuh, dachte dass er irgendeine Verletzung hätte und nicht in den Stiefel konnte. Die Antwort war viel einfacher, Pat hatte die Stiefel neu gekauft und sie erst hier in Chile das erste Mal angezogen. Das Problem war, dass der Stiefel nicht unter den Schalhebel passte, so fuhr er mit einem Schuh. Auf meine Frage hin warum er nicht den Schalthebel verstellte war er erstaunt, das geht auch? Er murkste eine Zeit lang am Schalhebel herum ohne in herunter zu bekommen, als ich genauer hinschaute sah ich, dass er versuchte die Schraube verkehrt auf zu machen! Nach meinem Tipp die Schraube doch nach links zu öffnen lies sich der Schalthebel demontieren. Nach der Korrektur war er erstaunt, dass er jetzt mit beiden Stiefel fahren konnte! Mit welchen Chaoten habe ich mich da eingelassen? Es ist schon Nachmittag als wir zum Pass aufbrechen, die ersten Pistenkilometer sind perfekt, kaum ein Schlagloch. Da es hier einige Minen gibt ist die Piste tadellos in Schuss, bin nur gespannt wie lange das so bleibt. Pat und Al sind auch erleichtert, gerade am Anfang mit voller Last ist die Fuhre nicht leicht zu steuern. Anfangs führt die Piste durch ein breites Tal, über einen Pass wo wir eine kleine mit Gras bewachsene und von kleinen Bächen durchzogene Hochebene erreichen. In Serpentinen schraubt sich die Piste auf fast 4000 Meter, die Berge in wunderschönen Brauntönen, die Gipfel am Horizont mit Schnee bedeckt. Am frühen Abend erreichen wir auf 4000 Metern einen Salzsee und dahinter die chilenische Zollstation, ein Riesengebäude in dieser Einöde, als wären da täglich tausende Reisende abzufertigen! Die Formalitäten sind schnell erledigt, da fragt einer der Zöllner wo wir heute schlafen werden, im Zelt natürlich. Da meint er, dass die Temperatur auf Minus 15°C sinken kann. Für mich kein Problem, ich habe ja gute Ausrüstung mit dabei. Als Leoni das hört zuckt sie zusammen, denn ihr Schlafsack ist sehr dünn. Da meint der Zöllner bleibt doch hier, ab 19:00 ist die Grenze eh geschlossen, nur um 09:00 müsst ihr weg sein, denn da wird die Grenze wieder geöffnet. So nächtigen wir in der Abfertigungshalle, mit allem Komfort, wie Strom, Wasser, Toilette und sogar Matratzen bringen uns die Zöllner. Im Eingansbereich werfen wir unsere Benzinkocher an und kochen uns ein warmes Süppchen. Als wir am nächsten Morgen starten ist es noch sehr frostig, aber die Sonne wärmt zusehends. Auch am nächsten Tag bleiben die Pistenverhältnisse tadellos. Die Landschaft mit ihrem grandiosen Farbenspiel in allen rot und braun Tönen begeistert immer wieder. Wir kommen am Ojos del Salado vorbei mit 6879 Metern der höchste Vulkan unserer Erde. Bevor wir die Passhöhe erreichen passieren wir eine Lagune, in der sich die schneebedeckten Gipfel spiegeln.

Wir passieren die Passhöhe bei 4726 Meter und hier beginnt auf der argentinischen Seite wieder der Asphalt. Wir rollen gemütlich die Serpentinen zum argentinischen Grenzposten hinunter, wo wieder der übliche Papierkram auf uns wartet. Wie immer wird alles sehr genau genommen, sicherheitshalber werden die Daten von den Zetteln auch noch in den Computer eingegeben, sicher ist sicher! Mit  Benzin sparen für die Australier wird es nichts, denn nur sehr langsam verlieren wir an Höhe und so ist es nicht möglich die Bikes im Leerlauf ins Tal rollen zu lassen. Endlich ist Fiamabala erreicht, ein Wüstenkaff, hier sagen sich Lama und Guanaco gute Nacht! Wir tanken hier auf, auch für die beiden Aussies ist es sich aufgrund der guten Piste leicht ausgegangen. Die Nacht verbringen wir in Tinogasta, auch so ein Wüstenkaff. Die Unterkunft sehr einfach, ist ja nur für eine Nacht. Zwei „Restaurants“ ansonsten  hat der Ort nicht viel zu bieten. Die dörfliche Jugend zieht mit ihren lauten Mopeds unentwegt ihre Runden um den Dorfplatz, ohne Licht und Helm, hier ist alles erlaubt!

Weiter geht es von Tinogasta nach Cerro Negro, wo wir nördlich nach Belen abzweigen. In Belen treffen wir an der Tankstelle eine Gruppe Neuseeländer mit 7 Motorrädern und einem Begleitfahrzeug, sie sind unterwegs über Bolivien und Peru wieder zurück nach Santiago. Wir sind überrascht über die gute Asphaltstraße, auf der Karte ist hier für die ganze Strecke Piste verzeichnet, nur etwa 30 Kilometer sind Schotter, gespickt mit einigen Bachdurchfahrten. In einiger Entfernung begleitet uns die Sierra Aconouija mit ihren schneebedeckten Gipfeln. In Aimacha del Valle machen wir Pause zu einem verspäteten Mittagessen, es gibt Pfeffersteak  mit einer exzellenten Pfeffersauce. Obwohl es schon spät ist möchte Leonie unbedingt die Ruinen von Quilmes sehen, diese Anlage entstammt der Prä-Inka-Zeit. Die Anlage erstreckt sich am Fuße eines Hügels terrassenförmig, zu sehen sind nur mehr die Grundmauern. Dazwischen stehen immer wieder über 5 Meter hohe Kakteen. Es ist schon sehr spät als wir Quilmes verlassen, so erreichen wir Cafayate erst bei Dunkelheit. Wir finden aber trotzdem in der Nähe des Hauptplatzes schnell ein Quartier. „Hospedaje Familiar“, (S 26 04.277 W 65 58.400) wie der Name schon sagt, sehr familiär. Unsere Motorräder können wir gleich im Eingangsbereich parken, ist zugleich eine Art Wohn-, Eß- und Bügelzimmer. Die Zimmer einfach – sauber, das Bad ganz neu, eine nette Atmosphäre! Cafayate ist ein netter Weinort mit alter Kolonialarchitektur, gemütlichen Lokalen und mit gutem Wein. Die Australier und Leonie wollen am nächsten Tag schon weiter fahren, mir gefällt es hier und ich hänge noch einen Tag an. Wir verabreden uns, dass sie mir ein Mail senden wo sie in Salta wohnen. Etwas außerhalb von Cafayate, liegt die Quebrada Cafayate, eine Schlucht mit faszinierenden Felsformationen. Nicht nur die Formationen können begeistern, sondern auch die Farben in den verschiedensten Rot- und Brauntönen. Die Stadt ist umgeben von riesigen Weingütern, mit einem kleinen Unterschied zu unseren Weingärten stehen hier teilweise riesige Kakteen zwischen den Weinreben. Bevor ich am nächsten Tag aufbreche rufe ich noch mal meine Mails ab, keine Antwort von den Australiern wo sie stecken, na dann eben nicht. Als ich aus dem Internetkaffee komme treffe ich einen der Neuseeländer wieder, wir plaudern eine Weile und es stellt sich heraus, dass sie dieselbe Route vorhaben wie ich, über die Lagunen in Bolivien nach Uyuni. Wir verabreden uns an der Grenze wieder zu treffen.

SAN CARLOS de BARILOCHE

02. April 2009

Die Stadt wird aber meist nur Bariloche genannt. Bariloche der Urlaubsort der Region schlechthin, fast alles ist hier möglich. Im Sommer Trekking, Raften, Kanu, Reiten, Montainbiken uvm. und im Winter ein Nobel Schiort. Viele Häuser der Stadt auf Alpenländisch mit viel Holz getrimmt und dazu natürlich allerhand an Touristenkitsch.

Bariloche ist auch als die Schokoladen Hauptstadt Argentiniens bekannt. Man stolpert hier von einem Schokoladen in den nächsten, alle Variationen von Schokolade wird hier angeboten: Ein Paradies für Schleckermäuler, wenn nur nicht die Kalorien wären und natürlich hat hier auch alles seinen Preis! Preis hin, Kalorien her, einige Kostproben können ja nicht schaden, wenn ich nur aufhören könnt………!

Bariloche liegt am Lago Nahuel Huapi im gleichnamigen Nationalpark. Starte am Vormittag die obligate Seerundfahrt nach Llao Llao zum Aussichtspunkt auf das Hotel auf der Halbinsel, das Postkartenmotiv schlechthin. Hier spricht mich ein älterer Mann an, ah ein Oberösterreicher. Er erzählt mir, dass er in Brasilien wohnt und in den fünfziger Jahren ausgewandert ist, seine Jugend hat er allerdings in der Nähe von Wels verbracht, was ich immer sage „die Welt ist ein Dorf“! Auf der Rückfahrt nach Bariloche mache ich einen Halt an einer windstillen Bucht und lege mich in die Sonne und schon kommt wieder eine Wolke, es reicht aber doch, dass ich mir im Gesicht einen Sonnenbrand hole. Bei einem Fotostopp treffe ich zufällig Darren wieder, der nur einen Tag vor mir hier eingetroffen ist, auch ihn hat es fürchterlich „abgewaschelt“. Zurück im Hostel steht eine Transalp mit deutschem Kennzeichen vor der Tür, es sind Silke und Oliver. Beim Abendessen erzählt Oliver, dass er erst im vorigen Jahr den Motorradführerschein gemacht hat und sie sich auf einer sieben monatigen Südamerika Tour befinden! Nach einigen Tagen reicht mir der Rummel hier und ich breche auf Richtung San Martin los Andes. Keine zwanzig Kilometer hinter Bariloche treffe ich ein deutsches Paar mit seinen Motorrädern, sie sind schon seit über eineinhalb Jahren unterwegs. Nach dieser langen Zeit sind sie daher auch schon etwas reisemüde und wollen in den nächsten Wochen ihre Heimreise vorbereiten.

SAN MARTIN los ANDES

Bei La Lipela verlasse ich die Hauptstraße und nehme die Piste durch den Nationalpark Lanin, um nach San Martin los Andes zu gelangen. Die Piste windet sich durch ein Tal mit interessanten Felsstrukturen, mal mit einzeln stehenden Felstürmen mit über fünfzig Metern Höhe, dann wieder von Erosion zerfurchte Felswände. Serpentinen winden sich den Berg hinauf und von einer Passhöhe mit über 1200 Metern habe ich einen herrlichen Ausblick über einen Teil des Nationalparks. Nach der Passabfahrt  führt die Piste entlang eines Wildbaches, das Tal weitet sich und am Ende liegt ein See. Hier wurde die Piste in den Hang hineingeschlagen, teilweise senkrechte Wände zum See hinunter. Hier gibt es keine Absicherung mit Leitschienen oder dergleichen, da sollte jeder auf Sicht fahren. Was natürlich von den Argentiniern nicht wirklich praktiziert wird. Die donnern mit ihren Geländewägen um die Ecken. eine riesige Staubwolke aufwirbelnd, als wären sie alleine auf der Piste. Da muss ich mit dem Motorrad gehörig aufpassen, denn hier bin ich der letzte in der Hierarchie. Beim Lago Hermoso erreiche ich wieder den Asphalt, die Wolken ziehen wieder zu und es wird empfindlich kühl. Entlang des Lago Lacar erreiche ich in einem Talkessel eingebettet San Martin los Andes. Hier quartiere ich mich im Puma Hostel ein, nettes Hostel und auch nette Leute hier anzutreffen.

In San Martin reiht sich ein Outdoor Shop an den anderen, dazwischen jede Menge Agenturen die Rafting, Kanutouren, Reiten und viele andere Freizeitaktivitäten anbieten, im Winter auch Schifahren! So hat es in dieses abgelegene Gebiet vor etwa 20 Jahren einen Österreicher verschlagen, der hier ein Geschäft mit Namen „Austria Ski Ranch“ gründete. Leider ist der Mann vor 10 Jahren schon verstorben, das Geschäft wird allerdings von seinen Kindern weiter geführt.

Von San Martin mache ich einen Tagesausflug zum Lago Huechulafquen, schon bevor ich den See erreiche sehe ich ihn schon markant aus der Ebene aufragen, den Vukan Lanin. Majestätisch steht er hier an der Grenze Argentinien/Chile, nur hin und wieder umkreisen kleine Wolkenfetzen seinen Gipfel.

Nach einigen Ruhetagen in San Martin bin ich wieder unterwegs in Richtung Chile.

Über Lolog führt die Piste durch Farmland und mitten im Nichts plötzlich die argentinische Grenzstation eine kleine Hütte, sieht eher mehr nach einem kleinen Wochenendhäuschen aus. Kann es gar nicht glauben, der Zöllner kommt im Laufschritt vom dahinter liegenden Wohnhaus, was ist in den gefahren, die Abfertigung ist in fünf Minuten erledigt, so schnell kann es in Argentinien auch schon mal gehen!

Zur Grenze sind es von hier noch über fünfzig Kilometer. Nach der Grenzhütte zweigt die Piste ab und führt mitten durch den Nationalpark Lanin. Immer wieder durchschneidet die Piste kleine Araukarien Wälder und führt entlang zweier Seen mit wunderschönen Lagunen. Nach einer Kurve steigt die Piste plötzlich an, ich habe einen zu niedrigen Gang, mir verreißt es den Lenker an einem großem Stein und schon liegt die ganze Fuhre im Straßengraben. Wie bringe ich die schwere Maschine hier wieder raus? Beginne mit dem Abpacken und versuche sie heraus zu ziehen, ist aber etwas problematisch, denn der Straßengraben ist ziemlich weich, hier wurde vor kurzem gebaggert. Immer wieder rutscht die Maschine in den Straßengraben zurück und heiß ist es außerdem. Zuerst einmal verschnaufen, das nächste Auto wird ja eh bald kommen, auf den letzten Kilometern sind mir immer wieder Autos begegnet! Nur in dieser Situation kommt natürlich keiner! So beginne ich mit den Händen eine Rinne zu graben um die Maschine heraus zu hieven. Nach über eine dreiviertel Stunde schweißtreibender Arbeit ist es geschafft. Fahre die Maschine auf eine flache Stelle, hole das Gepäck und kaum bin ich fertig kommt ein Auto um die Kurve, wie soll es anders sein! Je weiter es den Berg hoch geht desto heftiger wird der Zustand der Piste, immer wieder rutschige Passagen mit tiefen Furchen. Auf einer kleinen Lichtung ein großes Holzgestell, der Paso Carirrine, die Grenze Chile Argentinien. Von hier führt die Piste steil bergab, übersät mit großen Steinen wo ich dann den chilenischen Grenzposten, idyllisch am Waldrand gelegen erreiche.

Es folgt wie immer der übliche Papierkram und auch die Fragen des Veterinärs ob ich Fleisch oder Milchprodukte mit führe. Immer wieder überquere ich Brücken mit den verschiedenen Gewichtslimits, mal 9 Tonnen, mal 3 Tonnen, das wechselt sich immer wieder ab. Was macht nun jener der über 3 Tonnen wiegt und vorher schon die 9 Tonnen Brücke passiert hat? Ja die chilenischen Bürokraten haben hier scheinbar wieder zugeschlagen. Langsam komme ich aus den Bergen heraus und es wird flacher, der Nachteil, die Autos brettern mit Höllentempo über die Schotterstraße und ich schlucke gewaltig viel Staub. Bevor ich den Lago Calafquen erreiche muss ich noch mal über eine Bergstraße und von hier habe ich einen wunderschönen Ausblick auf den Vulkan Villarica. Conaripe ist ein kleiner chilenischer Urlaubsort, ich schlage mein Zelt auf einem kleinen Campingplatz auf, alles sehr einfach, aber für eine Nacht reicht es. Am See fühle ich mich sofort wie zu Hause, es sieht fast aus wie am Attersee, mit dem einen Unterschied, der Sand ist schwarz, feinster Lavasand.

PUCON

Am nächsten Tag fahre ich weiter nach Pucon, die Stadt mit viel Holz auf etwas Alpenländisch getrimmt. Eine Hochburg für Trekking, Montainbiken, Rafting und Reiten. Beziehe hier ein Zimmer bei Franz Sums einem gebürtigem Niederösterreicher aus St. Peter/Au www.southern-sky-chile.cl, Franz ist derzeit in Österreich als Schilehrer tätig. Das Hostal führt seine Frau Franziska, eine gebürtige Chilenin, die perfekt Deutsch spricht. Ein gemütliches nettes Haus und zum Frühstück gibt es von Franziska selbst gebackenes Schwarzbrot, welch ein Leckerbissen nach dem vielen Weißbrot. Am selben Abend kommen auch Ossi und Jörg aus Santiago an, die beiden wollen in den Süden nach Patagonien. Ossi kennt hier ein ausgezeichnetes Parilla Lokal, die Fleischplatte wird mit erlesenem chilenischem Rotwein kombiniert und es wird eine lange Nacht. So mache ich es mir am nächsten Tag gemütlich um für die Besteigung des Vulkans Villarica fit zu sein. Die Ausrüstung dazu bekomme ich von Franziska, denn am Eingang vom Nationalpark wird kontrolliert ob man Steigeisen, Pickel, Helm dabei hat. Komme leider erst um sieben weg, da mich mein Wecker im Stich gelassen hat. Nach 25 Kilometern habe ich den Parkeingang erreicht, der Ranger sieht mich etwas schief an, mit dem Motorrad auf den Vulkan? Als ich ihm meine Ausrüstung zeige ist er beruhigt. Vom Parkeingang sind es noch 8 Kilometer zur Schistation und von dort geht der Aufstieg los. Man kann den ersten Teil auch mit dem Lift zurücklegen, ich will aber alles zu Fuß machen, so erreiche ich erst um 09:00 die Bergstation. Hier wird noch mal alles kontrolliert, vom Ticket bis zur Ausrüstung. Der erste Teil führt eine Stunde durch Geröll, dann ist der Gletscher erreicht. Es sind zwar Tritte im Gletscher, ziehe aber trotzdem die Steigeisen an um einen sicheren Halt zu haben. Es sind schon einige geführte Touren vor mir unterwegs und einige habe ich am Gletscher eingeholt. Die Führer gehen mit diesen Gruppen ohne Steigeisen, denn sie sparen so Zeit fürs Anlegen, „Time is Money“, wie mir später Franziska bestätigt. Ein etwas riskantes Unterfangen, denn die wenigsten, wenn man sie beobachtet haben Berg- oder Gletschererfahrung. Von hier oben bietet sich mir ein herrlichen Ausblick über die Seenregion, mit dem Lago Villarica, Lago Coligo und den Lago Calafquen. In einigen Tälern der Umgebung liegen noch die Morgennebel. Ich habe den Gletscher hinter mir, nun heißt es die Steigeisen ablegen denn das letzte Stück zum Kraterrand führt wieder über Fels. Nach 5 Stunden habe ich es geschafft, ich stehe am Kraterrand des noch immer aktiven Vulkans. Immer wieder stößt er mit einem dumpfen Rumoren und Grollen Rauchwolken aus, schon irgendwie ein eigenartiges Gefühl, hier am Schlund zum Erdinneren zu stehen. Faszinierend auch die Farben des Kraterrandes, ein Teil der Kratersenke ist noch von einem Gletscherrest bedeckt, der teilweise wie geschmolzener Käse in den Krater hinein reicht.

Bei der Umrundung des Kraters trifft mich eine Schwefelwolke, ich kann die Luft nicht rechtzeitig anhalten, sofort spüre ich den beißenden Gestank des Schwefels in meinen Lungen! Am Horizont erkenne ich noch weitere Vulkane, unter ihnen der Lanin an der Grenze zu Argentinien. Der Abstieg macht richtig Spaß, sobald ich den Gletscher wieder erreicht habe. Denn ich habe wie alle anderen auch eine „Windelhose“ dabei. Diese Kunststoffmatte schnallt man sich wie eben eine Windelhose um und rutscht so den Gletscher hinunter. Es gibt schon richtige Bahnen, ähnlich einer Bobbahn, aber Vorsicht es gibt einige Abgründe, um rechtzeitig zum Stehen zu kommen nimmt man den Pickel zum Bremsen. Mit dieser Methode spare ich mir einige Stunden Abstieg. Auch das letzte Stück durch den weichen Lavasand bringe ich schnell hinter mich. Zur Belohnung gönne ich mir am Abend ein schönes Steak mit einem ausgezeichneten chilenischen Roten und zur Abrundung darf ein „Helado“ nicht fehlen.

Nach einigen Tagen in Pucon fahre ich in Richtung Süden nach Osorno, wo etwa 90 Kilometer südlich der gleichnamige Vulkan steht. Am Lago Llanquihue schlage ich mein Zelt am Ufer gelegenen Campingplatz auf. Der riesige See hat eine Brandung, dass ich glaube am Meer zu sein. Am nächsten Morgen, alles grau in grau, die Nebeldecke hängt tief über dem See und es ist kalt. So breche ich mein Zelt ab um schnell wieder in den Norden zu kommen, denn Kälte habe ich im Süden genug gehabt.

Von Osorno nach Temuco nehme ich die Autobahn, hier ist allerhand los. Da derzeit Getreideernte ist fahren auch die Mähdrescher auf der Autobahn um schneller zum nächsten Feld zu kommen. Auch ein alter Mann ist am Pannenstreifen mit seinem Ochsengespann unterwegs um Holz nach Hause zu bringen, kurz links, rechts geschaut und schon überquert er beide Fahrbahnen um über die Böschung zu seinem Haus zu gelangen. Apropos Autobahn, Chile ist ein sehr Radfahrer freundliches Land, denn am Sonntag ist eine Spur gesperrt für Radfahrer!

Nach Temuco zweige ich nach Curacautin ab um mir am Lago Gualletue einen der letzten großen Araucarien Wälder anzusehen. Am Weg dorthin finde ich immer wieder Deutsche Spuren, wie ein Schild zum „Cafe Aleman Augsburg“ wo es neben Chocolate Caliente auch Kuchen gibt. Um zum Wald zu gelangen muss ich noch durch den 4 Kilometer langen Tunnel Las Raices, da er einspurig ist, gibt es hier Ampelregelung und Maut wird eingehoben! Nach dem Tunnel führt eine relativ gute Piste über 20 Kilometer  teilweise in Serpentinen den Berg hinauf. Und hier stehen sie die riesigen Araucarien mit ihren spitzen, harten Blättern, sie sehen aus wie riesige Staubwedel. Am Ende des Sommers werfen die Bäume riesige Zapfen ab, deren Samen nur von von den Mapuche, (die Ureinwohner dieser Region) gesammelt werden dürfen. Diese Samen waren früher Hauptbestandteil ihrer Nahrung. Frühere Rodungen haben tiefe Wunden in diese Wälder geschlagen, diese freien Flächen werden jetzt von Bambus überwuchert, der alle anderen Gewächse verdrängt. Am Ufer des Lago Gualletue, schlage ich mein Zelt auf  einem kleinen Campingplatz auf, der von einigen Mapuche Familien betrieben wird. Die Einrichtungen sehr einfach, eine Toilette und einige Wasserhähne die im Gelände verstreut stehen, ansonsten Natur pur.

Am nächsten Tag nehme ich ab Victoria die Autobahn über Los Angeles, Chillan und erreiche am Abend die Weinregion bei San Javier. An der Ortseinfahrt stehen einige große Weingüter, der Ort wirkt mit seinem Baustil ganz nett. Im Gegensatz zur Besitzerin des Hotels, eine grießgrämige Alte. Habe aber keine andere Wahl, es dämmert bereits und scheinbar gibt es nur diese eine Unterkunft!

Da ich in einer Weinregion bin sollte es hier auch Wein geben, glaube ich. In sämtlichen Lokalen war kein Glas Wein zu bekommen! Heurigen Lokale wie bei uns in der Wachau oder der Südsteiermark sind hier unbekannt, hier wäre „Entwicklungshilfe“ notwendig!

SANTIAGO II

Je weiter ich nach Santiago komme desto fruchtbarer wird die Region, riesige Weingärten wechseln mit Pfirsich-, Äpfel- und Orangenplantagen ab. Die Bauern haben gleich am Pannenstreifen ihre Obststände aufgebaut, völlig normal hier.

Am frühen Nachmittag erreiche ich Santiago und finde auch schnell wieder zum Haus von Ossi. Da Ossi derzeit in Patagonien auf Urlaub ist, habe ich ein ganzes Haus mit einem herrlichem Garten und Pool für mich alleine, (danke Ossi)!

Nachdem es am Abend kühler geworden ist beginne ich mit dem Service am Motorrad. Der erste Zylinder ist fertig ist, beim Abnehmen des zweiten Ventildeckels mache ich eine „fürchterliche“ Entdeckung, die Ventilfeder des Einlassventils ist gebrochen. Die beiden Teile haben sich aber so verklemmt, dass sie klaglos funktionierten, scheinbar schon über tausend oder mehr Kilometer! Mir ist zwar schon unterwegs einige Male aufgefallen, dass der rechte Zylinder etwas lauter ist, die alte BMW klappert halt, ist ja normal! Endlich wieder ein neues Problem, hatte bisher eh kaum welche. Mit viel Glück bin ich einem kapitalen Motorschaden entgangen. Am Montag Vormittag fahre ich zu BMW Chile, komme aber nur ca. 1 Kilometer, denn der Motor läuft nur auf einem Zylinder, zurück zum Haus. Muss mir einen Anhänger besorgen, denn die Werkstätte ist etwa 35 Kilometer entfernt. Hilfe erhalte ich von Günter Bauer, einem gebürtigen Vorchdorfer, dem Besitzer der Sommerrodelbahn www.rodelbahn.cl, (übrigens die einzige Sommerrodelbahn in ganz Südamerika). Außerdem besitzt er einen Hubschrauber, mit dem man Rundflüge unternehmen kann. www.helichile.cl

Er bringt mir die BMW in die Werkstätte. Der Werkstattmeister von BMW Chile sagt mir, dass die Feder nicht auf Lager ist, er muss sie in München bestellen und wird erst die Woche darauf am Mittwoch hier sein! Es bleibt mir nichts anderes übrig als das hinzunehmen. Zum Feder einbauen müsse er auch den Zylinderkopf abnehmen, ich erkläre ihm über Günter als Dolmetscher, dass das nicht notwendig ist, er lässt aber nicht ab davon. Ganz klar, mehr Arbeit, mehr Kohle! Glück im Unglück, von Peter (einem weiteren Oberösterreicher) der in Santiago lebt erfahre ich, dass am Freitag seine Schwiegereltern zu Besuch kommen. Wenn die Teile rechtzeitig, bis Donnerstag in Linz sind bekomme ich sie am Freitag. Sofort ein Mail zum BMW Händler in Steyr, der Antwortet mir dass die Teile um Donnerstag früh abholbereit sind. Anruf bei BMW Chile, dass die Teile Freitag in Santiago sind und er sie nicht in München bestellen braucht.  Der Werkstattmeister sagt mir zu wenn er die Teile bis 13:00 hat, kann er sie mir noch am Freitag einbauen, ein Lichtblick! Alles funktioniert „just in time“, Marika holt die Teile und bringt sie rechtzeitig nach Linz, ich bekomme die Teile um 11:00 sofort zu BMW, wo ich sie um 11:30 dem Werkstatmeister voller guter Hoffnung übergebe. Er meint aber, dass etwas Dringenderes dazwischen gekommen ist und erst am Montag mit der Reparatur begonnen werden kann! Rufe sofort Günter an, der dolmetscht und erklärt ihm, dass ich auf Weltreise bin und eh schon eine Woche verloren habe und erinnert ihn an sein Versprechen, es bleibt bei Montag. Am Montag bin ich mit Ossi um 08:00 bei BMW Chile wie vereinbart, aber der Werkstattmeister erscheint erst um 09:00. Nehme meine G/S mit, denn am Wochenende habe ich beim Österreicher Stammtisch erfahren, dass es hier einen Mechaniker gibt der dies auch kann, ohne Zylinderkopf abnehmen. Die Ventilfeder wurde gewechselt und seit Montag Nachmittag läuft die BMW wieder. Übrigens mit BMW Chile hatte ich von Anfang an ein ungutes Gefühl, denn vor meiner Abreise hatte ich schon mit BMW Chile (Motorrad) Kontakt aufgenommen ob sie nicht einen Kontakt in Südchile hätten, denn ich würde gerne einen Satz Reifen dort deponieren. Diese Anfrage habe ich an 3 verschiedene Herren im Bereich Motorrad gesendet. Leider BMW typisch, habe ich keine einzige Antwort erhalten. Dieselbe Anfrage habe ich über Ossi an KTM in Punta Arenas gerichtet, wo ich noch am selben Tag eine positive Antwort bekam!

PASO AQUA NEGRA

Nachdem nun doch alles gut ausgegangen ist packe ich meine Sachen und breche auf in den Norden über Los Andes nach Argentinien, diesmal gleich durch den Tunnel nach Uspallata und über Mendoza nach San Juan, das ich am frühen Abend erreiche. Bei der Suche nach einem Hostal hilft mir ein argentinischer Motorradfahrer, der mich durch die Stadt zum Hostal lotst. Am nächsten Tag zweige ich nach San Juan bei Talacasto nach Las Flores ab, die kaum befahrene Straße führt durch wunderschönes Bergland, bin mir gar nicht bewusst wie hoch ich hier bin, mein GPS zeigt schon wieder über 2500 Meter an. Bei Las Flores zweige ich ab zum Paso Agua Negra, vorher tanke ich noch mal voll, denn die nächste Tankstelle ist über 350 Km entfernt in Chile. Die Piste schraubt sich durch Täler mit faszinierenden Farben immer höher hinauf, das GPS zeigt schon über 4000 Meter an. Von der Ferne kann ich schon die ersten Eisfelder erkennen. Kurz unter der Passhöhe tauchen die ersten Büssereisfelder auf. Beeindruckend die spitzen Türme die der Wind aus dem Eis geformt hat. Auf der chilenischen Seite wird das Farbenspiel am späten Nachmittag immer grandioser, da gibt es kein halten mehr, immer und immer wieder bleibe ich stehen um zu fotografieren. Die Sonne sinkt immer tiefer und die Grenzstelle im Tal ist noch weit. Plötzlich überholen mich zwei GS 1200 mit italienischem Kennzeichen. An der Grenzstelle treffe ich sie wieder, Vater und Sohn aus Mailand. Die Grenzabfertigung dauert endlos lange, scheinbar gibt es keine Standards, denn an jeder Grenze gibt es trotz gleicher Formulare immer wieder eigene Vorgangsweisen.

CARETERRA AUSTRAL

05. März 2009

Die nächste Siedlung ist Cochrane, ein etwas verschlafen wirkendes Dorf laut Transparenten soll es hier Tourismus geben, na ja sieht eher mehr nach „toter Hose aus“! Wir bekommen in einem Hostal ein sehr einfaches Zimmer, mit Stockbetten, ist ja eh nur für eine Nacht.

Am nächsten Morgen hatte sich der Wettergott wieder einmal gegen uns verschworen, Bewölkung und leichter Nieselregen. Zwischen den dichten Wäldern schimmern immer wieder türkis farbene Seen und Flüsse durch, ein Paradies für Angler. Wir erreichen den Lago General Carrera, diesen See teilen sich Chile und Argentinien, auf der argentinischen Seite heißt er allerdings Lago Buenos Aires. An solchen Dingen merkt man noch, dass es zwischen den beiden Ländern schon immer diverse Unstimmigkeiten gegeben hat. Jeder kocht sein eigenes Süppchen und sagt von sich aus, dass er der bessere ist, würden die beiden Länder etwas mehr zusammen halten, könnten sie sich gegen den großen Bruder im Norden, den USA weit besser behaupten. In Puerto Tranquilo legen wir einen Stopp ein, denn von hier fahren die Boote zur Catedral de Marmol. Es hat zwar zu regnen aufgehört, doch der Wind peitscht die Wellen ganz schön hoch, bin gespannt ob die überhaupt bei dem Wetter hinaus fahren. Sie fahren, nur dauert es eine ganze Weile bis es mit dem Preis passt, dann ist wieder kein Kapitän fürs Boote da, naja hier braucht man eben Geduld. Endlich ist es soweit, wir können fahren, es sind kleine offene Boote für max. 8 Personen und bei den Wellen schaukeln die ganz gehörig! Wir sind über eine halbe Stunde unterwegs zu den Felsen an der Küste. Im Laufe der Jahrtausende hat das Wasser diese Felsen ausgehöhlt und es entstanden kleine Arkaden und Grotten. Der schönste dieser haushohen Felsklötze steht im See etwa hundert Meter vom Ufer entfernt, die Catedral de Marmol. Sieht beeindruckend aus dieser Felsen, wir fahren in eine dieser Grotten hinein, faszinierend was hier durch die Kraft des Wassers entstanden ist, vor allem die Farben und Schattierungen an den Aushöhlungen. Am Rückweg wird mir etwas mulmig zumute, denn die Wellen werden höher und das Boot wird ganz schön hin und her geworfen. Der Kapitän hat ganz schön zu tun um das Boot mit dem kleinen Außenborder auf Kurs zu halten. Bin ich froh als wir das Ufer erreichen, Seemann das wäre nichts für mich, mir reichen die kleinen Wellen hier am See schon!

Wir verlassen den See und die Schotterpiste der Careterra Austral windet sich durch ein wildromantisches Tal, überall saftiges Grün, kein Wunder bei dem vielen Regen hier. Kilometer lang stehen hier Baumleichen im Wasser und auch die Hügel hinauf, die abgestorbenen Stämme von der Sonne ausgebleicht, ragen gespenstisch in den Himmel. Farmer hatten hier in den vierziger Jahren Waldbrände entfacht die dann außer Kontrolle geraten waren. Denn Maschinen hatten die Farmer damals zur Rodung der Bäume nicht.

Wolken und Sonne wechseln sich in kurzem Intervall ab und lassen dramatische Stimmungen entstehen. Wir erreichen am Abend Villa Cerro Castillo eines dieser kleinen Dörfer an der Careterra, man muss hier wirklich geboren sein um hier leben zu können, am A….. der Welt! Die Hostals werden immer einfacher, aber immer noch besser als draußen bei dem unbeständigen Wetter zu zelten. Die Besitzerin gibt uns zur Antwort als wir nach einem Lokal wegen Essen fragen, dass derzeit die wenigen Lokale im Ort geschlossen sind. Aber wenn wir wollen, es gibt noch etwas aus ihrer Privatküche, Reis Huhn und etwas Gemüse, passt genau für zwei ausgehungerte Motorradfahrer. Am nächsten Morgen, wir können es kaum glauben, die Sonne scheint. So machen wir uns auf den Weg nach Coihaique, welch ein Genuss endlich wieder Asphalt unter den Rädern zu haben. Das bewaldete Tal weitet sich und geht in Farmland über und somit fehlt uns der Schutz durch die hohen Berge und so sind wir wieder dem stürmischen Wind ausgesetzt. Um fotografieren zu können lehne ich mein Motorrad an einen Strommasten, denn am Hauptständer hätte es der böige Wind sofort umgeworfen. Coihaique, eine Stadt für Abenteuertouristen, alles über Rafting, Kanu, Reiten, Bergtouren u.s.w. wird hier angeboten. Jede Menge an Agenturen und Trekkinggeschäften sind hier in der Stadt angesiedelt. Nach dem Mittagessen fahren wir allerdings weiter und erreichen am späten Nachmittag Villa Manihuales, es ist Samstag und hier findet eines der sommerlichen Rodeos statt. Die Huasos, so heißen die Gauchos in Chile, sind gerade dabei die Wildpferde zu bändigen. Zwei Männer bereiten die Wildpferde für den Reiter vor, an einem langen Pfosten wird es festgebunden und dann versuchen sie das Zaumzeug anzulegen. Wenn der Reiter bereit ist lassen die beiden Männer das Pferd los und unter lautem Gejohle der Zuschauer geht der wilde Ritt los, einige können sich bis zum Läuten einer Glocke, die das Ende der Mindestzeit angibt auf dem Pferd halten.

So, der erste Teil des Rodeos ist beendet, weiter geht es in einer Stunde. Darren will unbedingt noch weiter fahren, so spät am Abend die wenigen Kilometer bringen auch nichts mehr und außerdem möchte ich noch sehen wie das Rodeo weiter geht. So trennen wir uns, ich suche mir ein Quartier und werde gleich in der Nähe des Rodeoplatzes fündig. Das Motorrad darf ich in so einer Art Scheune/Werkstätte unterstellen. Zurück am Rodeoplatz ist das Publikum in die kleine Arena übersiedelt. Hier machen sich die Huasos fertig zum Bullenreiten. Nachdem der Reiter von dem Bullen abgeworfen wird versuchen die anderen ihn mit dem Lasso einzufangen, nur so richtig drauf haben das die Jungs noch nicht, sieht im Fernsehen viel einfacher aus. Kurz vor der Dämmerung ist das Rodeo für den heutigen Tag beendet, morgen gibt es das Finale. Zurück im Hotel hole ich mir noch etwas aus dem Motorrad, ich traue meinen Augen kaum. Da sitzt der Besitzer mit Freunden in dieser Scheune, um ein offenes Feuer und bereiten in einer großen Pfanne eine Parrilla (Würste, Steaks, Huhn) daneben Sägespäne und die ganze Hütte natürlich aus Holz. Als ich später noch mal etwas aus dem Motorrad hole, war kein Mensch mehr in der Scheune (alle schon beim Essen), aber die Glut war nicht gelöscht. Na hoffentlich entzündet sich hier nichts, sonst kann ich am nächsten Tag zu Fuß weiter gehen!

Die Scheune ist nicht abgebrannt, also brauche ich am nächsten Tag auch nicht zu Fuß gehen. Während ich beim Frühstück sitze beginnt es wieder leicht zu regnen. Also gleich wieder rein in die Regenhose, aber zum Glück hört es kurze Zeit später wieder auf. Die Vegetation wird immer vielfältiger, neben den üblichen Waldbäumen, Bambus und dazwischen immer wieder die riesigen Pangue (Rharbarber ähnliche) Pflanzen, deren Blätter über einen Quadratmeter groß werden können. Von den Bergen leuchten die Gletscher, eine faszinierende Landschaft. Die Sonne sticht immer mehr durch und so beschließe ich die Regenhose auszuziehen. In den Fjorden sehe ich immer wieder riesige Käfiganlagen im Wasser, hier wird Lachszucht betrieben. Um schnelles Wachstum zu erzielen wird hier zu allen Mitteln gegriffen. Beim Genuss solcher Lachse bekommt man gleich eine gehörige Portion Antibiotika und wer weiß was noch alles inklusive!

Kurz vor Puyuguapi gibt es den „Ventisquero Colgante“ den hängenden Gletscher, leider wird es nichts mit der Besichtigung, denn es beginnt wieder heftig zu regnen.

Nach Puyuguapi kamen 1935 vier sudentendeutsche Familien, sie waren nur die Vorhut um zu sondieren wie hier die Lebensmöglichkeiten sind, um dann andere nachkommen zu lassen. Der zweite Weltkrieg kam dazwischen und Auswanderungen wurden verboten. Die vier Familien blieben trotzdem und rodeten den Urwald. So gibt es heute noch eine Brücke im Ort, mit Namen „Puente Walter Hopperdiezel“ und das Kaffee Rossbach.

Aufgrund des strömenden Regens beschließe ich weiter zu fahren. Motorradfahren bei diesem Wetter ist nicht wirklich lustig, aber wie viele Radfahrer hier unterwegs sind ist kaum zu glauben. Aufgrund der schlechten Straßen und den Entfernungen zwischen den Orten ist es den Radlern manchmal nicht möglich den nächsten Ort vor Einbruch der Dunkelheit zu erreichen und Zelt aufstellen ist wegen der dichten Vegetation manchmal auch sehr schwierig. Der Regen wird immer heftiger, in La Junta beschließe ich mir ein Quartier zu suchen. In der Nacht werde ich immer wieder wach, es gießt ununterbrochen weiter. Auch am nächsten Morgen, fahre aber trotzdem weiter, was soll ich hier in dem Kaff machen? Zum Glück ist die Careterra in einem einigermaßen guten Zustand. Landschaftlich wäre es hier gewaltig, bei diesem Sauwetter kann ich es nur erahnen. Bei Villa Santa Lucia zweige ich nach Futaleufu ab, Richtung argentinische Grenze. Ich hoffe, dass das Wetter östlich der Anden besser wird. Die beiden Grenzen sind schnell geschafft und wirklich kurz nach dem argentinischen Posten hört der Regen auf und vereinzelt zeigt sich am Himmel so ein „großes gelbes Ding“ namens Sonne, welche Wohltat. Genüsslich rolle ich auf Asphalt über Trevelin nach Esquel und hier wird es endlich wieder warm!

Von Esquel fahre ich wieder auf der Ruta 40, diesmal aber auf Asphalt Richtung Bariloche. Keine zwanzig Kilometer nach Esquel hat er mich wieder, der Patagonische Wind und mit welcher Stärke, brauche teilweise die ganze Straße. Hier muss ich echt aufpassen, denn es sind viele LKW und Busse unterwegs und die sind nicht langsam. Um nicht vom böigen Sturm von der Straße geweht zu werden traue ich mich kaum schneller als 40 – 50 Km/h zu fahren. Einmal erfasst mich eine gewaltige Böe und drückt mich runter in den Straßengraben, dort stehe ich zwanzig Minuten mit Herzklopfen und vor allem weht der Sturm so heftig, dass ich die Maschine kaum am Stand halten kann. Aber irgendwie schaffe ich es doch wieder zurück auf die Straße und kämpfe mich weiter. Bei Leleque rücken die Berge näher zur Straße und so bin ich dem Sturm nicht mehr so ausgesetzt. Geschlaucht erreiche ich am Abend El Bolson. Von El Bolson nach Bariloche verläuft die Straße durch die Berge, hier macht Motorradfahren wieder richtig Spaß, Kurven und herrliche Landschaft. Zwischen den Bergen eingebettet immer wieder Seen die zum Verweilen einladen.

Nachtrag Torres del Paine

03. März 2009

Am nächsten Morgen sitze ich am Campingplatz in der Sonne beim Kaffee, über den Torres leichter Nieselregen, der reicht aus um einen riesigen Regenbogen über das Massiv zu spannen. Am nächsten Tag stand eigentlich der Grey Gletscher am Programm, das wäre eine Tagestour gewesen, beim Gletscher zelten und am nächsten Tag wieder zurück wandern. Aber wie sooft spielt das Wetter nicht mit und so beschließe ich, das Torres Massiv zu verlassen. Am Weg aus dem Nationalpark sind wieder einige Radfahrer unterwegs, für die ist es hier ganz schön hart, nicht nur wegen der Wetterbedingungen, auch der Wind macht denen ganz schön zu schaffen. Selbst mir oder besser gesagt meinem Bike wird er zum Verhängnis, während ich an einem Aussichtspunkt fotografiere schmeißt mir doch glatt der Wind das Bike um. Ganz schöner Kraftakt die vollbeladene Fuhre wieder auf zu stellen. Am Weg zur Grenze tauchen immer wieder in unmittelbarer Nähe der Straße ohne Scheu größere Gruppen von Guanocos auf.

Die Grenzposten, wie üblich einige Kilometer von einander entfernt, so ganz können die Chilenen und die Argentinier noch immer nicht mit einander. Der argentinische Posten sieht nur von außen nach einem Grenzposten aus. Denn im Inneren dominiert die Tischtennisplatte und dazwischen werden von den „Grenzbeamten“ in Jogginghosen die Formalitäten erledigt, sieht echt gemütlich aus. Obwohl auf der Karte anders eingezeichnet, beginnt urplötzlich Asphalt, habe gar nichts dagegen. Dieser Genuss wärt aber nicht allzu lange und schon beginnt wieder das bekannte Ripio (Wellblechpiste). Dazu kommt auch nun der Wind, der an manchen Stellen sehr böig  und kalt bläst. Als ich endlich das Ripio hinter mir habe erreiche ich ein Strassenbaucamp, stelle mich hinter einem Container um windgeschütz etwas Pause zu machen und einige Kekse zu verdrücken. Da öffnet ein einsamer Bauarbeiter die Türe und meint ich solle doch reinkommen. Ein netter Kerl, er bietet mir sofort Tee an, der hat etwas übrig für ausgefrorene Motorradfahrer. Der Mann hat hier einen ruhigen Job, in wenigen Tagen kommen seine Kollegen wieder vorbei, bis dahin vertreibt er sich die Zeit mit Fernsehen. Da kommt plötzlich Leben in die Pampa, einige Gauchos treiben eine Schafherde über die Straße um sie auf eine andere Weide zu bringen. Sofort schnappe ich mir die Kamera um mit dabei zu sein, kaum aus der schützenden Hütte heraußen, habe ich gegen den Wind an zu kämpfen. Für die Gauchos ist das Stress pur, denn die Herde muss über die Straße bevor die nächsten Autos kommen. Auch die Gauchos in der Pampa gehen mit der Zeit, zum Zusammentreiben der Tiere werden nicht nur mehr Pferde benützt. Der moderne Gaucho fährt schon mit der Motocross Maschine.

PERITO MORENO Gletscher

Bevor es richtig kalt wird erreiche ich El Calafate, den Ausgangspunkt zum Gletscher Perito Moreno. El Calafate, Tourismus pur, jede Menge Agenturen und natürlich Souvenirgeschäfte ohne Ende. Von El Calafate sind es noch über 70 Kilometer bis zum Gletscher, ich breche zeitig auf, es ist noch etwas kühl obwohl die Sonne scheint. Die Straße schlängelt sich am Abfluss des Gletschers entlang, am Tor zum Nationalpark sind natürlich die üblichen Gebühren zu entrichten. Ein faszinierender Anblick wie sich der Gletscher in den Fluss schiebt, übrigens einer der letzten Gletscher unserer Erde, die noch wachsen. Es sind erst wenige Autos am Parkplatz, so habe ich die Aussichtsterrasse fast für mich alleine. Immer wieder ist ein Knacken und Knarren im Gletscher zu hören, fast gespenstisch. Der Himmel verzieht sich, leichter Regen und Wind kommen auf, nicht all zu gemütlich um darauf zu warten, dass ein großer Brocken Eis in den See stürzt. Dann kommt wieder kurz die Sonne zum Vorschein, aus den Eisspalten schimmert es blau und laufend ändert sich die Stimmung.  Hin und wieder stürzt ein kleineres Stück Eis ins Wasser, aber der große Brocken, auf den alle warten, mittlerweile sind die ersten Busse angekommen, will heute einfach nicht. Zum Wind gesellt sich leichter Nieselregen, die Kälte dringt durch die warme Jacke. Nach über eineinhalb Stunden mache ich einen Positionswechsel zur Südseite des Gletschers. Plötzlich ein lauter Knall, ich kann noch durch die Bäume sehen wie ein riesiger Zapfen mit lautem Getöse ins Wasser eintaucht. Das darf ja nicht wahr sein, aber was soll es, ist einfach die Natur, die lässt nicht mit sich bestimmen. Vom Südgletscher steige ich auf zur mittleren Plattform, versuche zum Schluss hier noch mein Glück. Mir wird immer kälter, es reicht, bin schon dabei das Stativ abzubauen, da ein fürchterlicher Knall. Ein riesiger Eisbrocken löst sich aus der Eiswand, ich kann noch rechtzeitig den Auslöser drücken und der Motor rattert ein Bild nach dem anderen durch. Herrlich, eine schöne Serie, wie der Zapfen stufenweise mit lautem Getöse ins Wasser eintaucht. Das Warten hat sich also doch noch gelohnt. Am Nachmittag unternehme ich eine Bootstour zur Gletscherwand. Obwohl das Boot einen Sicherheitsabstand von etwa hundert Metern hält, ist der Anblick gewaltig, über fünfzig Meter hoch ragt die Gletscherwand aus dem Wasser.

Da es schon später Nachmittag ist mache ich mich auf den Weg zurück nach El Calafate. Packe zusammen und versuche noch El Chalten, den Ausgangspunkt für Wanderungen zum Fitz Roy zu erreichen. Kaum habe ich El Calafate hinter mir gelassen bläst mir schon wieder der Wind um die Nase. Entlang des Lago Viedma mit seinem tiefblauem Wasser, wird der Wind immer heftiger und peitscht die Wellen hoch. Teilweise kommt der Wind sehr böig von der Seite und die letzten hundert Kilometer bläst er mir direkt ins Gesicht, das lässt natürlich auch den Verbrauch um einiges steigen. Die Temperaturen am Abend in El Chalten sind alles andere als freundlich. Bekomme hier auch leider die Info, dass für die nächsten Tage Regen angesagt ist! Nein kein Regen mir reicht die Kälte, auf in den (hoffentlich) wärmeren Norden.

RUTA 40

Nach Norden nehme ich die berühmt-berüchtigte Ruta 40, von der man alle möglich Horror Geschichten hört. Bis Tres Lagos gibt es Asphalt, dann beginnt das Ripio. Die Piste eigentlich ganz in Ordnung, ja, wenn da nicht der Wind dazu kommen würde. Manchmal mehr – mal weniger, heftig bläst er von der Seite und versucht mich von der Piste zu drängen. Die fahrbare Rinne ist relativ schmal und sobald mich der Wind in den Schotterhaufen daneben drängt, muss ich aus der Schräglage aufmachen ansonsten würde ich sofort wegrutschen. Um nicht in den Strassengraben gedrängt zu werden, fahre ich immer auf der linken Seite, so habe ich genug Platz um bei einer heftigen Böe auf der Straße zu bleiben. Was natürlich nicht immer gelingt, einmal kann ich einen kleinen Ausrutscher (zum Glück bei niedriger Geschwindigkeit) nicht mehr verhindern. Die ganze Fuhre wieder aufzustellen ist dann natürlich eine andere Sache. Jetzt weiß ich was Wind in Patagonien bedeutet, denn der Wind in den Süden nach Ushuaia war im Vergleich dazu ein laues „Lüfterl“. Und ich habe mich schon gewundert, was die immer mit dem Wind in Patagonien haben, ist ja eh nicht schlimm! Teilweise versuche ich irgendwo, wenn möglich stehen zu bleiben um etwas zu verschnaufen und einige Auflockerungsübungen zu machen und die Schultern zu entspannen. Fotografieren ist auch kaum möglich, der Wind bläst überall den Sand und Staub rein und die Kamera möchte ich auch nicht unbedingt ruinieren. Ganz banale Dinge werden hier zur Schwerstarbeit, eine gewisse Menge an Flüssigkeit braucht man auch hier. Das Problem für mich bei dem Wind ist, das „Abwasser“ zu entsorgen. Sobald der Drang zu groß wird, muss ich erst einmal versuchen einen halbwegs sicheren Standplatz für mein Bike zu finden, was kaum möglich ist. So versuche ich irgendwie mein Bike zu stützen, obwohl es am Hauptständer steht  und gleichzeitig mein „Geschäft“ zu verrichten! Zum Glück dreht kurz vor Tamel Aike die Piste gegen Nordwest, da bläst mir dann der Wind ins Gesicht, ist dann richtig „entspannendes“ fahren. Aber das dauert natürlich nicht allzu lange und Richtung Norden bekomme ich wieder die volle Breitseite ab. Plötzlich mitten in der Pampa, feinster Asphalt, geschafft denke ich mir. Keine 80 Kilometer später war es das auch schon wieder, wäre ja zu schön gewesen. Landschaftlich hält sich die Ruta 40 auch in Grenzen, einige wenige Stellen wären es wert gewesen ein Foto zu machen, nur der Wind ließ es nicht zu. Der Tag zieht sich dahin und Bajo Caracoles scheint nicht näher zu kommen, aber dann habe ich es doch geschafft und selbst bin ich das auch! Bei einem kleinen Hotel steht schon eine BMW 650 mit chilenischem Kennzeichen, stelle meine gleich daneben ab. Nach der heißen Dusche wäre noch eine Massage ein Traum, nur einen Wellness Bereich hat diese Kategorie von Hotel leider nicht zu bieten. Beim Essen, (es gibt Einheitsmenü, Lamm mit Gemüse, schmeckt aber gut) lerne ich den BMW Fahrer kennen, es ist Darren aus Perth. Darren hat sich die BMW in Santiago gemietet und ist damit auch schon 3 Monate unterwegs. Es stellt sich heraus, dass wir am Morgen dieselbe Route über den Passo Rodolfo Roballos haben. Wir verlassen Bajo Caracoles nach einem gemütlichen Frühstück, die Piste führt anfangs durch welliges Gelände. Zwei Seen tauchen auf, deren Wasser tiefblau zu uns herauf schimmern. Umrahmt wird die Landschaft von einem Gebirgszug, der die Grenze zu Chile darstellt. Langsam lassen wir das trockene Gebiet hinter uns, die ersten grünen Weiden tauchen auf. Über dem Grenzgebirge tauchen erste Regenwolken auf, die uns aber nur leicht streifen, von irgendwo muss ja auch das saftige Grün kommen. Eigentlich hatten wir vor am Gebirge entlang auf der argentinischen Seite weiter zu fahren. Ein Argentinier kommt uns mit seinem Geländewagen entgegen und meint wir hätten keine Chance , denn auch er ist schon stecken geblieben. Oben in den Bergen hatte es heftig geregnet, also nichts mit der Panorama Tour. So nehmen wir die beiden kleinen Grenzübergänge, hier mitten in den Bergen geht die Abfertigung zügig voran, denn hier gibt es keine LKW und Busse, die speziell die argentinischen Zöllner „überfordern“.

Nach der Grenze schlängelt sich die Piste durch ein nettes Tal, eingerahmt von Gebirgszügen mit faszinierenden Farben, alle möglichen braun und grün Töne zeigen diese Felsen. Plötzlich ziehen wieder dunkle Wolken auf und sogleich sticht wieder die Sonne vom Himmel, faszinierende Stimmungen entstehen dadurch.

Immer wieder stehen einzelne Gehöfte (Estanzias) im Tal, Estanzia (wie schon einmal erwähnt) das klingt sehr hochtrabend, meist sind es einfache Häuser mit Wellblechdach.

PUNTA TOMBA

18. Februar 2009

Die ersten Kilometer der kurzen Schotterpiste nehme ich mit Respekt in Angriff, nur nicht stürzen. Aber zu langsam ist auch nichts, im weichen Schotter kommt die Fuhre sonst ins schlingern, langsam kommt das Selbstvertrauen wieder.

Über eine halbe Million Pinguine gibt es hier in Punta Tombo, sie liegen so nahe am Wegesrand. Da muss man sehr aufpassen, um diesen drolligen Tieren nicht auf die Flossen zu steigen. Unter jedem Strauch nisten die Tiere, die Hügel sind dicht bevölkert und das ergibt eine gewaltige Geräuschkulisse.  Denn die Jungen betteln lautstark um Futter, wenn die Eltern aus dem Meer zurückkehren. Auch der „Duftwolke“ die die vielen Tiere hinterlassen entgehe ich nicht….!

Ich verlasse diese duftende Kolonie und es geht weiter in den Süden, endlos zieht sich das Asphaltband durch die Pampa. Da es in die nächste Ortschaft zum Übernachten noch über 150 km wären und ich nicht in der Finsternis fahre, frage ich an einer Tankstelle, kein Problem ich kann das Zelt hier aufstellen. Ein Argentinier der unser Gespräch mit anhört fragt nach meiner Herkunft, ah Österreich so weit. Er kaufte für seine Kinder Süßigkeiten ein, begeistert schenkt er mir auch gleich 2 Schokokuchen, warum weiß der, dass ich auf Süßigkeiten stehe?

Am Morgen sind die ersten Stunden auf der Straße noch sehr kühl, erst gegen Mittag wird die Temperatur angenehmer und am frühen Nachmittag wird es wieder heiß. An einer Tankstelle treffe ich Simone und Tamara aus Italien, die beiden sind mit einer Moto Guzzi unterwegs. Die sind richtige Kilometer Fresser, vor 2 Monaten sind sie in Kolumbien gestartet und nach dieser kurzen Zeit schon in Patagonien. Gemeinsam fahren wir nach Puerto S. Julian um uns dort ein Quartier zu suchen. Es ist gar nicht einfach ein einigermaßen preiswertes Zimmer zu bekommen. Es scheint hier ein Ort mit Tourismus zu sein, nur die Suche nach einem Lokal gestaltet sich schwierig, die einheimischen Touristen essen scheinbar am Zimmer? Simone und Tamara brechen schon um 05:00 auf um noch Ushuaia zu erreichen, denn Tamara hat in einer Woche den Rücklfug von Buenos Aires, das ist mir eindeutig zu früh. Erst nach einem gemütlichen Frühstück mit den üblichen Medialunas (Kipferl) breche ich auf, ist aber noch sehr kühl. Immer häufiger stehen ganze Gruppen Guanacos neben der Straße, die sind mir nicht geheuer, sobald sich aber ein Fahrzeug nähert, springen sie über die Weidezäune und laufen in die Pampa hinein. Sie sind scheinbar cleverer als unsere Rehe, denn sie laufen nicht über die Straße, trotzdem bremse ich rechtzeitig.

Also wird es nichts mit einer entspannten Fahrt, denn neben den Guanacos tauchen auch immer wieder Nandus mit ihren Jungen unmittelbar am Straßenrand auf. Hin  und wieder wechselt die Vegetation von hohen Büschen zu kleinen Büschen, welche interessante Abwechslung! Nach dem Tankstopp in Rio Gallegos sehe ich bei einem Restaurant eine Gruppe BMW’S stehen, mit argentinischen Kennzeichen. Wenn die einheimischen Biker hier essen wird schon alles passen. Ein relativ feiner Laden, wie sich herausstellt handelt sich um eine Gruppe Amis, die die Bikes in Buenos Aires gemietet haben. Sie sind mit großem Tross unterwegs, eigenem Gepäckwagen, am Anhänger einige Reservebikes (halten die neuen BMW’S lange Touren nicht mehr durch)? Gestärkt fahre ich weiter südwärts, mitten in der Pampa taucht plötzlich ein einsamer Motorradfahrer auf, ein Kölner. Er ist schon etwas länger unterwegs, über 20 Monate. Auch ihn hat es hingelegt, auf der Ruta 40, er musste auch einige Wochen hier Pause machen. Bekomme auch einige gute Tipps über die Pistenverhältnisse auf Feuerland in Chile. Erreiche die argentinische Grenze, wie soll es anders sein, ein Autobus ist vor mir, im Zollgebäude eine schier endlose Schlange, ob ich da noch vor der Finsternis wieder Argentinien erreiche? Endlich bin ich an der Reihe. So, schnell zu den Chilenen rüber bevor der Bus kommt, hier geht alles viel flotter als bei den Nachbarn. Die Chilenen sind auf Zack!

So, nun bin ich in Tierra del Fuegeo angekommen!

TIERRA del FUEGO

Etwa dreißig Kilometer nach der Grenze muss ich eine Fähre über die Magellanstraße nehmen, sie ist etwa zwanzig Minuten unterwegs. Von der Fähre weg nehme ich nicht die normale Piste Richtung San  Sebastian (Argentinien), sondern wie vom Kölner empfohlen die nach Onaisen, er hat recht, sie ist wirklich in gutem Zustand. Der „Ort“ Onaisen ist erreicht, laut Karte und Reiseführer ein Ort, eigentlich nur eine unbewohnte Estanzia, also hier ist nichts mit schlafen. Neben der Straße kann ich auch nirgends mein Zelt aufbauen, denn alles ist eingezäunt, so fahre ich erst einmal zur Grenze, welch ein Glück hier gibt es ein kleines, einfaches Hotel. Welch ein Genuss, eine heiße Dusche und dann gibt es zur Belohnung ein schmackhaftes Lamm vom Grill und dazu erstklassigen chilenischen Roten.

Am nächsten Morgen klappt die Abfertigung bei den Chilenen flott, der Zollbeamte gibt mir gleich ein Formular mit, das ich dann bei der Wiedereinreise brauche. So kann ich es in Ruhe schon vorher ausfüllen und erspare mir Zeit am Grenzposten. Die Chilenen sind fix drauf, dagegen die Argentinier, bei denen braucht alles etwas länger!

Wie gewohnt, die Argentinier brauchen etwas länger, bis die Zettel durch gesehen sind, der richtige Stempel am richtigen Ort, typische Argentinische Gelassenheit. Von San Sebastian nach Rio Grande geht es teilweise am Meer entlang, wo der Wind die Wellen des Atlantiks mit gehöriger Wucht ans Ufer donnern lässt. Wie sich später herausstellen soll, verpasse ich die Abzweigung nach Ushuaia und lande nach dem Tanken am Südende der Stadt, in einem Barackenviertel mt windschiefen Hütten. Ein Polizist erklärt mir wie ich wieder auf die richtige Straße komme und das mit meinen wenigen spanisch Kenntnissen.

Hier ändert sich auch plötzlich die Vegetation, die ersten Bäume, wenn auch etwas verkrüppelt tauchen auf. Es handelt sich hier um so genannte Südbuchen die mit Flechten bewachsen sind. Auch die Temperatur ändert sich, es wird zunehmend kühler. Lange Zeit dachte ich, dass ich mir die neuen warmen RACER Handschuhe umsonst mit genommen habe, hier sind sie aber bitter notwendig. Schön langsam komme ich mir wie ein „Michelin Männchen“ vor, so dick angezogen bin ich! Dann beginnt es noch zu allem Übel leicht zu regnen.

USHUAIA

Am späten Nachmittag erreiche ich Ushuaia, rufe meine emails ab um zu sehen ,wo die beiden Italiener wohnen. Das Hostal ist gleich 2 Blocks weiter vom Internetcaffee. Beim Spaziergang am Hafen treffe ich die beiden als sie vom Nationalpark kommen. Simone sucht eine Agentur, denn sein Freund aus Kolumbien hat ihnen eine Bootstour am Beagle Kanal geschenkt und die wollen sie morgen einlösen. Diese Tour ist eigentlich für drei Personen, so laden sie mich spontan ein mit zu kommen, finde ich total nett von den beiden. Da die Tour erst am Nachmittag startet habe ich noch Zeit den Nationalpark „Tierra del Fuego“ zu besuchen. Hier gibt es schöne Fjordlandschaften, kleine Seen und das „Fin del Mundo“, das Ende der Welt, hier endet die Ruta 3 nach über 3000 km. Natürlich stelle ich mich zur Holztafel, wie alle andern auch fürs obligate Foto.

Zurück in Ushuaia starten wir unsere Bootstour, zum Glück ist es ein kleines Boot mit nur 8 Personen an Bord. Wir steuern verschiedene Inseln an, wo wir Seelöwen und Kormoran Kolonien beobachten können.

Muss man in Ushuaia gewesen sein? Jein, erstens ist es teuer, zweitens kalt, aber wenn man schon einmal in der „Nähe“ ist kann man ja vorbei schauen am Ende der Welt!

Simone und Tamara fahren am nächsten Tag noch schnell zum Perito Moreno Gletscher! Den wollen sie unbedingt noch sehen, bevor Tamara nach Hause fliegt, übrigens diese Tour ist eigentlich ihre „Hochzeitsreise“, geheiratet wird allerdings erst im Sommer in Italien. Das ist sozusagen die letzte „Testtour“ bevor es Ernst wird!

Am letzten Tag in Ushuaia mache ich noch einen Ausflug zur Estanzia Haberton, soll die größte Estanzia auf Feuerland sein. Die Landschaft führt durch Regionen mit den typischen Südbuchen Wäldern, erst ziemlich spät weitet sich die Landschaft und die Weiden tauchen auf. Vereinzelt sind Schafe und Kühe zu sehen. Dann stehe ich vor der Estanzia Haberton, welch eine Enttäuschung unter der größten Estanzia stelle ich mir etwas anderes vor. Einige Schuppen, Stallungen und schließlich die Estanzia selbst, auch nur ein einfaches Holzhaus mit Wellblechdach. Im Reiseführer lässt sich so manches sehr hochtrabend beschreiben, die Realität sieht dann etwas anders aus.

Bei blauem Himmel und Sonnenschein verlasse ich Ushuaia. Das schöne Wetter ist allerdings nur von kurzer Dauer, denn vor Rio Grande beginnt es wieder zu regnen, das müsste aber nicht sein, also packe ich mich wieder wasserfest ein.

Erst kurz vor der Grenze hört der Regen endlich auf. Die beiden Grenzabfertigungen gehen schnell vor sich.

PUNTA ARENAS

Erreiche die Hafenstadt Porvenir um 15:00, die Fähre nach Punta Artenas geht erst um 18:00, also habe ich noch genügend Zeit. Am Hafen angekommen traue ich meinen Augen kaum, da steht doch der gleiche MAN wie der vom Mr. Hans, es sind Ernst und Christine aus Tirol, Freunde von Hans u. Heidi. Die beiden sind erstaunt, dass ich die beiden kenne, wie ich immer sage, die Welt ist ein Dorf!

Bei der Überfahrt nach Punta Arenas begleiten uns einige Delphine, faszinierend zu beobachten wie sie graziös ins Wasser eintauchen. In Punta Arenas bin ich auf der Suche nach dem Hospedaje Magellanes www.aonikenk.com ein kleines aber sehr nettes Gästehaus, das von einem deutsch/chilenisch Paar geführt wird. Am nächsten Tag hilft mir Sebastian das Motorradgeschäft zu finden, an das Ossi mir die Reifen geschickt hat. Welch ein Glück, das Geschäft liegt nur einige Straßen weiter vom Gästehaus. Nehme dort die Reifen von Alexandro in Empfang, muss sie allerdings die nächste Zeit mitschleppen, da die Reifen noch gut in Schuss sind, war schwer abzuschätzen wie der Verschleiß hier sein wird.

In Punta Arenas ist es endlich warm geworden, welch ein Genuss nach der Kälte in Ushuaia. Kaufe im Supermarkt Vorräte für die Bergtour im Torres del Paine Nationalpark ein. Die Landschaft Richtung Torres, ist wieder geprägt von den Estanzias mit Kuh- und Schafherden. Trotzdem die Sonne scheint wird es wieder kälter, dazu trägt der böige Wind bei.

TORRES del PAINE

Am späten Nachmittag erreiche ich Puerto Natales, beschließe aber gleich zum Nationalpark weiter zu fahren. Teilweise besteht die Straße aus Schotter gemixt mit Asphalt, der Wind nimmt zu und ich muss gehörig aufpassen, dass der Wind mich nicht von der Straße drängt. Dann endlich zeigt sich die Gruppe der Torres, brauche aber dann noch eine Stunde um auf der Schotterpiste den Campingplatz zu erreichen. Der Platz ist ganz nett, überall gibt es kleine Feuerstellen und auch Bänke. Da ich erst um 21:00 mit dem Aufstellen des Zeltes fertig bin, habe ich keine Lust mir noch etwas zu kochen. Gehe ins Restaurant, des in der Nähe liegenden Hotels. Dort gibt es Essen allerdings nur bis 21:00 und das auch nur mit Voranmeldung. Also zurück zum Zelt, für diesen Abend müssen einige Kekse reichen. Ein herrlicher Morgen, die Torres Spitzen zeigen sich vom Campingplatz aus, überspannt mit einem Regenbogen, genieße diesen Anblick in der Sonne beim Kaffee. Nach dem Frühstück packe ich einige Sachen in den Rucksack für die Tagestour zu den Torres. Bin gespannt wie ich den Rucksack auf meiner lädierten rechten Schulter aushalten werde. Denn obendrauf liegt auch noch der Fotorucksack. Der Weg zieht sich anfangs um eine Schlucht die umgangen werden muss, dann steigt der Weg ständig an und gibt den Blick über das ganze Tal frei. Ständig auf  und ab, vorbei an zerzausten Südbuchen, deren Stämme mit Flechten bewachsen sind. Über eine kleine Hängebrücke erreiche ich das Campo Chile, die erste Hütte auf der Strecke. Unmittelbar am reißenden Bach, führt der Weg jetzt durch dichteren Wald hinauf zur Weggabelung, wo es weiter zur nächsten Hütte geht, für diejenigen, die die Umrundung des Massivs machen. Ich nehme den linken Weg zum „Mirrador“, dem Aussichtspunkt auf die Torres. Der Weg, eher mehr ein steigen zwischen groben Geröll, dauert an die 40 Minuten bis ich den Aussichtspunkt erreiche. Gewaltig, vor mir ein Kessel mit dem Gletschersee, dahinter thronen die drei Zähne der Torres. Leider ist es etwas diesig, genieße aber trotzdem diesen kleinen „Gipfelsieg“. Wenn ich mich so umblicke, komme ich mir extremst ausgerüstet vor. Viele Einheimische sind hier nur mit ausgelatschten Turn – und Straßenschuhen unterwegs, also richtige Halbschuhtouristen! Nach eineinhalb Stunden mache ich mich auf den Rückweg. Nachdem ich das Geröllfeld hinter mir habe, mache ich einen letzten Blick hinauf und wie zum Hohn zeigen sich die Torres jetzt vor strahlend blauem Himmel.

06. Februar 2009

Eigentlich wollten wir noch das Wochenende in Gr. Belgrano verbringen, denn ein großes Motorradtreffen ist überall angekündigt. Nur spielt leider das Wetter nicht mit, es gießt wie aus Kübeln und unser Hausherr meint, dass auch kaum eine Chance auf  Besserung besteht. Da es nichts bringt hier zu bleiben nützen wir gleich einmal die Gelegenheit, die neue RACER Regenbekleidung zu testen. Über 180 Kilometer regnet es teilweise in Strömen, endlich am späten Nachmittag hat das „Sauwetter“ ein Ende und sogleich knallt die Sonne wieder vom Himmel, als ob nie ein Wölkchen gewesen wäre.

Am Abend erreichen wir ein kleines Städtchen, hier nehmen wir uns in einem Hotel ein sehr einfaches Zimmer, aber für eine Nacht reicht es. Am nächsten Tag wollen wir so bis ca. 30 Kilometer vor Buenos Aires fahren, um dann sehr früh – bevor der Verkehr so richtig los geht, Dakar Motos zu erreichen.

Etwa 100 Kilometer vor Buenos Aires hängt ein Transparent neben der Straße „Moto“, im letzten Moment sehen wir dass neben einem Freizeitzentrum, ein Motorradtreffen stattfindet. Da die Anlage nett aussieht und der riesige Pool bei ca. 30°C auch nicht zu verachten ist, bleiben wir. Am Eingang werden wir gleich neugierig befragt woher wir kommen, als die Motorradkollegen von unserer Tour hören werden wir sofort fotografiert und gefilmt. Unter riesigen Bäumen schlagen wir unser Zelt auf und von allen Seiten werden wir mit einem netten „Hola“ begrüßt, manchmal auch mit einigen deutschen Worten. Ein Biker, Martin lebt derzeit nördlich von Salta, er meint wenn wir da rauf kommen müssen wir ihn unbedingt besuchen. Das Treffen hat einen sehr familiären Charakter, denn manche Frauen sind mit dem Auto mitgekommen und das gleich mit Kind und Kegel. Auch die Jugend mit ihren 125ern mischt sich unter die großen Motorräder. Auf der Bühne wird fürs abendliche Rockkonzert aufgebaut, während die Jungen mit ihren 125ern  auf der Liegewiese ihr Können zeigen, Wheelys, Stoppis usw., natürlich in kurzen Hosen und ohne Helm. Diese Dinge stören ja bei den akrobatischen Vorführungen und heiß ist es ja auch. Bei uns würde so ein Treffen nur einmal stattfinden, denn die Dauercamper würden sofort alle verjagen. Nicht so hier, der Lärm scheint hier niemanden zu stören, seelenruhig wird am „Zwerge Vorgarten“ weiter gearbeitet. Neben uns hat sich eine Gruppe Biker von der freiwilligen Feuerwehr Buenos Aires niedergelassen. Sofort wird sich um das Wichtigste gekümmert, das Feuer wird entzündet um eine schöne Glut fürs abendliche Asado (Grillen) zu haben. Zu so einer Grillerei wird gleich ein ganzes Schaf aufgespannt und das dauert dann aber Stunden bis es fertig ist. Mit unseren Nachbarn entsteht eine nette Unterhaltung, über das übliche, woher, wohin und wir werden sofort integriert. Stunde um Stunde vergeht, immer wieder wird die Glut um das Schaf neu aufgeschichtet und so gegen Mitternacht ist es endlich soweit, Stück um Stück wird das Schaf zerlegt und verteilt. Schmeckt ausgezeichnet, wenn man es solange aushält, für Argentinier kein Problem, für die ist es normal so gegen Mitternacht erst zu essen.

Nach dieser kurzen Nacht brechen wir erst vor Mittag auf nach Buenos Aires.

BUENOS AIRES

Mit den GPS Koordinaten finden wir schnell das Haus von Javier (Dakar Motos), nur ist leider niemand zu Hause, er wird sicher das Wochenende weg sein und wir hoffen, dass er am Abend wieder zurück ist. Denn bei ihm möchte ich, falls er ihn auftreiben kann, den Gabeldichtring wechseln.

Indessen suchen wir uns ein Lokal und werden einige Straßen weiter fündig, wie üblich gibt es auch hier wieder die ziemlich großen Steaks. Am frühen Abend ein weiterer Versuch ob Javier schon zu Hause ist, wir klopfen am Garagentor, es öffnet ein älter Mann. Joe aus Texas, er ist mit seinem Freund Fred unterwegs auf zwei Suzukis V Strom. Die beiden sind sicher über sechzig und kommen von den USA, über Panama und wollen bis Ushuaia. Wobei Fred nicht gerade sportlich aussieht, hoffentlich schafft er mit seine „Leibesfülle“ diese Tour. Die beiden sind schon über 10 Tage hier, denn in Bolivien haben sie die Kupplung von beiden Motorrädern ruiniert. Sie hoffen, dass Javier alles richten kann. Von Buenos Aires haben sie noch nichts gesehen, sie liegen nur rum und surfen im Internet! Wir erfahren, dass Javier erst, wenn überhaupt am Montag kommt, er nimmt es mit der Arbeitszeit in seiner Werkstätte sehr „südamerikanisch“ gelassen. Im Internet hatten wir gelesen, dass man hier auch wohnen kann, naja sieht ja alles ziemlich chaotisch aus. Die beiden Amis schlafen in Stockbetten in einem Teil der Werkstätte. Wir bevorzugen lieber im genauso chaotisch wirkenden Garten unser Zelt aufzustellen, hier haben wir wenigstens frische Luft. Dafür plärrt die halbe Nacht über ein Kleinkind in der Wohnung darüber und in der Nachbarschaft kläffen die Hunde um die Wette! Das Wahre ist es zwar nicht, die Begeisterung von Marika hält sich in Grenzen, meine übrigens auch! Wir brauchen nun mal die Hilfe von Javier, so bleibt kaum eine andere Wahl. Auch im Garten liegen überall Motorradteile, Kisten, leere Flaschen und alles andere Gerümpel herum.

Am  Montag, im Laufe des Vormittags erscheint dann Javier, er meint  er müsse mal schauen wo er meinen Dichtring auftreiben kann. Wir fahren mit der Schnellbahn ins Zentrum. Besichtigen die Plaza del Majo und schlendern durch das Zentrum Buenos Aires. Erkundigen uns wegen eines Bus-Tickets nach Iguazu, ja kein Problem, Morgen um 13:30 sind noch genug Plätze frei, so wären wir am nächsten Tag um 07:00 schon in Puerto Iguazu. Bevor wir am späten Nachmittag zu unserem Quartier fahren gehen wir doch sicherheitshalber noch zur Busstation und buchen lieber schon heute unser Ticket. Die Plätze für Nachmittag sind weg, es gibt nur mehr Abendtickets, welch ein Glück, dass wir es jetzt noch versucht haben.

Bevor unser Bus nach Iguazu geht haben wir noch jede Menge Zeit um uns in Buenos Aires umzusehen.

Ein unbedingtes Muss, klingt zwar etwas Makaber, ist der Friedhof Recoleta. Der Friedhof wird auch als so eine Art als Freiluftmuseum geführt. Die Reichen von Buenos Aires haben sich hier teilweise pompöse Grabmäler errichten lassen. Der Friedhof ist nicht nur wegen der Gruften ein Anziehungspunkt sondern auch wegen eines Grabes der Familie Duarte. Hier liegt die in Argentinien so verehrte Eva (Evita) Peron. An ihrem Grabmahl werden jeden Tag von unbekannten Verehrern frische Blumen niedergelegt.

IGUAZU

Am Abend startet dann unser Bus nach Iguazu, ist bequemer als die öde Strecke von beinahe 800 km mit dem Bus zurück zu legen und vor allem dieselbe Strecke wieder zurück zu fahren. Noch dazu soll es auf dieser Strecke jede Menge Polizeikontrollen geben. Mit dem Bus ist es etwas komfortabler, schlafen auf den Liegesitzen ist jedenfalls besser als im Flugzeug.

Kurz vor Mittag erreichen wir Puerto Iguazu, das Zimmer im gebuchten Hostel ist leider noch nicht bezugsfertig, so fahren wir gleich mit dem nächsten Bus zu den Wasserfällen. Der Parkeingang ist von der Stadt über sieben Kilometer entfernt. Vom Parkeingang führt ein Weg durch den „Dschungel“ zu den Fällen. Wirklich imposant, wie sich hier die Wassermassen in die Tiefe stürzen. Mit einem Boot können wir auf die Insel St. Martin übersetzen, wo es zu einem Aussichtspunkt geht, der äußerst nahe an den Fällen liegt. Hier werden wir von einem Sprühregen überrascht, den wir allerdings bei dieser Hitze als sehr angenehm empfinden. Auf Stegen und Wegen wandern wir zwischen den Fällen entlang, hin und wieder bewegt sich plötzlich neben uns etwas, ein ca. 70 cm langer Leguan, gut getarnt mit seiner gefleckten Haut, ist er erst beim Weglaufen zu erkennen. Mit einer kleinen Bahn fahren wir zur Hauptattraktion, dem Diabolo Wasserfall. Von der Bahnstation führt ein Steg über einen Kilometer zum Diabolo Fall, unter uns im Wasser lauert an einer Stelle ein ca. 2 Meter langer Kaiman auf Beute, gut dass der 3 Meter unter uns liegt. Dann erreichen wir endlich den Teufelsschlund, gigantisch wie hier unter lautem Getöse die Wassermassen in die Tiefe stürzen, beeindruckend diese Naturgewalten die hier herrschen.

Am nächsten Tag fahren wir mit dem Bus auf die Brasilianische Seite um hier wegen des Panoramas uns die Wasserfälle anzusehen. Der Grenzübertritt klappt problemlos ohne längerer Formalitäten. An der Grenze müssen wir den Bus wechseln und überhören an der richtigen Stelle auszusteigen, so fahren wir bis in die Innenstadt von Foz de Iguazu. Am Busterminal finden wir den richtigen Bus zu den Wasserfällen, der allerdings am Weg aus der Stadt Natürlich an jeder Ecke stehen bleibt. Endlich haben wir das riesige Besucherzentrum erreicht, wo es mit einem Shuttlebus 7 Kilometer zu den Wasserfällern geht. Das wird knapp für uns, denn um 17:00 geht unser Bus zurück nach Buenos Aires. Die Panorama Ansicht der Fälle von Brasilien aus ist es wirklich Wert diese Seite auch zu besuchen. Zeitlich geht es sich aus, sodass wir auch den Anblick genießen können. Nur der Bus zur Grenze vom Besucherzentrum kommt und kommt nicht, so nehmen wir bis zur Grenze ein Taxi für € 4,-, denn den Bus nach Buenos Aires zu versäumen wäre echt blöd.

Die Rückfahrt ist schlimm, denn der Chaffeur dreht die Klimaanlage ziemlich kalt auf, der spinnt ja! An den Haltestellen sitzen die Menschen mit kurzen Hosen und wir im Bus frieren, obwohl wir den Chaffeur mehrmals ersuchen die Anlage etwas wär mer zu stellen bleibt unser Ansinnen ungehört. Auch die Einheimischen frieren und sitzen mit Decken im Bus, die nehmen das scheinbar letargisch hin. Die spinnen die Argentinischen Bus Chaffeure!!

BUENOS AIRES

Endlich erreichen wir mittags Buenos Aires und tauen am Busbahnhof wieder auf.

Wir suchen uns in San Telmo ein Zimmer in einem Hostel, denn auf den Garten und das Gerümpel von Javier haben wir keine Lust mehr. Mit der Stadtbahn kommen wir zu Javier, der gerade am wegfahren ist, er zeigt mir die Dichtringe die er inzwischen aufgetrieben hat. Sofort frage ich ihn ob es noch möglich ist den Dichtring am Nachmittag zu wechseln, Javier zieht vor „Freude“ die Augenbrauen hoch und meint das sei schwer. Also ist warten angesagt bis er wieder kommt, inzwischen ist das Paar aus Estland wieder eingetroffen, die beiden warten für ihre 1150 GS auf ein neues Federbein. Als gegen 18:00 Javier noch nicht zurück ist beschließen wir in die Stadt ins Quartier zu fahren, am Weg zum Zug treffen wir auf Javier, sein Freund habe ihn aufgehalten! Wir vereinbaren uns am Montag Vormittag in der Werkstätte zu treffen und dann gemeinsam den Dichtring zu wechseln, hoffentlich wird Javier rechtzeitig wach!

Wir treffen kurz nach neun Uhr bei Dakar Motos ein, Javier ist schon an der Arbeit, man glaubt es kaum und meine Gabeldichtringe sind auch schon hier. Inzwischen sind 3 weitere Motorradfahrer aus Deutschland eingetroffen. Einer fuhr von Alaska über Ushuaia nach Buenos Aires, zwei sind erst vor wenigen Tagen hier angekommen und hatten vier Tage benötigt um ihre Motorräder aus dem Zoll zu bekommen. Die beiden Estländer warten noch immer auf ihr Federbein. Nachdem ich das Standrohr ausgebaut habe, denke ich dass der Wechsel des Dichtringes in etwa einer halben Stunde vorbei ist, nicht so bei Javier. Denn nun kommt ein Freund, da wird erst einmal gemütlich Mate getrunken, dazwischen wieder ausführlich telefoniert, emails abgerufen und beantwortet, dazwischen das Standrohr geöffnet, Mate getrunken, mit den anderen geplaudert….usw. Kurz nach Mittag meine ich ob es denn heute noch fertig wird, denn wir wollen heute noch weiter fahren, das überrascht Javier, ihr wollt noch weiter. Das ist aber noch lange kein Grund die Arbeit zu beschleunigen. So gegen 14:00 ist endlich alles fertig, ich baue wieder alles zusammen, wir können endlich aufpacken. Dann frage ich Javier um die Rechnung, da muss er erst mal telefonieren, denn er weis den Preis für die Dichtringe nicht mehr. Aus dieser kurzen Anfrage wird eine gemütlich Plauderei von über einer halben Stunde. Endlich ist Javier fertig und macht mir die Rechnung. Um 15:30 kommen wir endlich weg, wir wollen heute noch Azul die Moto Post von „Pollo“ erreichen.

AZUL

Trotz des heftigen Nachmittagsverkehrs haben wir rasch die Ausfahrt in den Süden gefunden. Wir erreichen am frühen Abend Azul und sind auf der Suche nach der Moto Post von Pollo der eigentlich Jorge heist, was gar nicht einfach ist denn die Stadt ist ziemlich groß. Zum Glück steht an der Stadteinfahrt ein Freund und Helfer ich frage ihn nach der Calle Mendoza, er weis nicht genau wo die ist, zum Glück kommen gerade seine Kollegen mit dem Streifenwagen und die lotsen uns durch die Stadt zur Moto Post. Leider ist niemand zu Hause, die Polizisten greifen zum Handy und aus dem Haus neben der Moto Post kommt Jorge, genannt „Pollo“. Er ist so eine Art Institution hier, viele Motorradreisende aus aller Welt haben ihn schon besucht. Wir werden sehr herzlich begrüßt, auch das gemeinsame Foto mit den Polizisten darf nicht fehlen. Zur Verabschiedung bekommt Marika natürlich, ganz argentinisch, von jedem Polizisten einen Kuss.

Auf den Wänden der Räum haben sich in den letzen Jahren, eine Menge von Motorradfahren aus der ganzen Welt verewigt, manche haben sich künstlerisch mit netten Malereien in Szene gesetzt. Hier finde ich auch eine nette Karte von Rosa und Tommy die sie für Pollo gebastelt haben. Die beiden hatte ich 2005 in der Ukraine getroffen wo sie am Beginn ihrer 2 jährige Weltreise waren. Das Unikat steht aber in einem kleinen Lagerraum eine  „Putsch“, wie mir Pollo erklärt! Der ganze Stolz von Pollo eine Puch TF 250 Baujahr 1950, interessant wie die hier herkam, noch dazu mit der originalen Semperit Bereifung. Mit der Restaurierung wird es aber noch etwas dauern, denn Teile dafür bekommt er hier nicht so leicht. Vielleicht kann ich ihm helfen, der Speichensatz vom Vorderrad fehlt ihm noch. Wir beschließen im kleinen Aufenthaltsraum unsere Schlafsäcke auszurollen, denn so brauchen wir am Morgen nicht das Zelt zusammen packen und können zeitig aufbrechen.

Das ganze hier ist allerdings noch etwas einfacher als bei Javier, aber für eine Nacht geht es!

Von Azul nehmen wir die Routa 3 Richtung Bahia Blanca um dort Weihnachten zu verbringen. Bei einem Tankstopp lernen wir Ana und ihren Mann …..kennen, die beiden sind mit ihrem Motorrad unterwegs nach Buenos Aires um Weihnachten mit der Familie zu verbringen. Die beiden geben uns den Tipp nach Monte Hermoso zu fahren das sei kleiner und schöner (muy lindo) als Bahia Blanca. Solche Tipps von Einheimischen sind immer gut. Unbarmherzig knallt die Sonne vom Himmel mit fast 30°C, die Hitze flimmert über der Strasse die an fast bis zum Horizont reichenden Getreidefeldern vorbeiführt. Der heiße Wind trocknet uns zusätzlich aus, wir kommen kaum mit dem trinken nach. Die beiden kalten Wasserflaschen die wir an der letzten Tankstelle gekauft hatten, haben schon wieder eine Temperatur erreicht dass wir nur mehr einen Beutel hineinhängen bräuchten und der Tee wäre fertig.

Wie weit dieses Land wirklich ist verdeutlicht ein einsamer Wegweiser, bis nach Ushuaia sind es noch 2724 Kilometer! Das bedeutet noch ein langer,  harter Ritt bis zum südlichen Wendepunkt unserer Tour.

WEIHNACHTEN

Am späten Nachmittag erreichen wir Monte Hermoso, eigentlich nichts aufregendes, sieht fast ein bisschen wie Jesolo aus. Da es noch sehr ruhig im Ort ist finden wir schnell ein gemütliches Hotel, zwei Tage lässt es sich hier schon einmal aushalten. Endlose Sandstrände, starke Brandung, gewöhnungsbedürftig allerdings der starke Wind und schon haben wir uns einen kleinen Sonnenbrand eingefangen. Für den Heiligen Abend suchen wir uns eine schöne „Parilla“. Hier wird ganz argentinisch auf riesigen Grillern (kein Vergleich zu unseren „Puppenküchen“ Griller zu Hause) das Fleisch zubereitet, ganze Schafe und halbe Schweine werden im Restaurant gegrillt. Gewöhnungsbedürftig für uns hier die späten Essenszeiten, vor 22:00 bekommt man in kaum einem Restaurant etwas zu Essen. Als Vorspeise ein riesiges, leckeres Salatbuffet und dann kommt die Parilla, da bekommt man einen kleinen Ofen mit Holzkohle auf den Tisch gestellt wo das Fleisch und die Würste weiter bruzzeln. Das ganze wird noch mit einem trockenen roten Malbec abgerundet. Um Schlag Mitternacht wird die Pop Musik im Lokal von einigen Takten „Stille Nacht heilige Nacht“ unterbrochen. Dann springen alle auf gehen zu den Nachbartischen und wünschen sich gegenseitig frohe Weihnachten, natürlich darf auch hierbei nicht, ganz argentinisch, der gehauchte Kuss auf die Wange fehlen. Irgendwie kurz doch berührend und schon geht es wieder mit Popmusik weiter. Zum Abschied bekommen wir auch noch von der Chefin des Hauses und der Kellnerin den obligaten Kuss.

PENINSULA VALDES

Am Weihnachtstag starten wir sehr früh um so vor Beginn der Tageshitze eine große Strecke zurückzulegen. Die heißen Mittagsstunden wollen wir, wie hier am Land üblich eine Siesta abhalten. Südlich von Bahia Blanca der erste Kontrollpunkt der Agrarbehörde, hier wird kontrolliert ob man Fleisch oder Obst mitführt. Überall im Land gibt es an den Regionalgrenzen diese Kontrollpunkte, man möchte verhindern dass Schädlinge in eine andere Region eingeschleppt werden. Schnurgerade wie in den Tagen zuvor zieht sich die Straße durch die Pampa. Hin – und wider weiden  vereinzelt Schafe und Kühe zwischen den Büschen, die einzige Abwechslung! Je weiter wir nach Süden kommen desto angenehmer wird das Klima, es weht ein kühler Wind, perfekte Temperaturen zum Motorradfahren. Eigentlich wollten wir nur bis Las Grutas, da wir aber Aufgrund der angenehmen Temperaturen schon am frühen Nachmittag in Las Grutas eintreffen beschließen wir doch noch bis zur Halbinsel Valdes weiter zu fahren.

Valdez bekannt für seine Seeelefanten – Seelöwen und Pinguinkolonien. Für eines der größten Tiere die man hier sehen kann sind wir leider schon etwas zu spät, Wale. Valdes ist auch bekannt für die Orcas die sich an einigen Strandabschnitten ihr Mittagessen unter den Jungen Seeelefanten holen. Die Orca Saison ist von Oktober bis Anfang Dezember, wenn man Glück hat ist der eine – oder andere Orca auch noch Ende Dezember anzutreffen. Da Valdes ein Naturschutzgebiet ist wird hier eine Gebühr von 45,- Peso fällig. Der Ausgangspunkt für Tierbeobachtungen ist Pt. Piramides, wo es einige Hotels, Privatquartiere und auch einen Campingplatz gibt.

Zum Zelten haben wir hier nicht wirklich Lust, denn der permanente Wind wirbelt ununterbrochen Staub und Sand über den Campingplatz. Man merkt hier schon, dass es  touristischer ist, die Preise für Cabanas sind um einiges höher als auf der bisherigen Strecke. Wir finden bei einer netten Familie ein günstiges Zimmer, Frühstück können wir uns selbst machen, der Laden mit allem was wir dazu benötigen ist gleich um die Ecke. Bevor wir uns auf eine Inselrundfahrt machen wechsle ich nun den Vorderreifen, der ist nun endgültig herunter und auf diesen sandigen Pisten ist Profil gefragt. An der Tankstelle werden wir von einigen brasilianischen Motorradfahrern auf Deutsch angesprochen, sie sind auch nach Ushuaia unterwegs. Die meisten Brasilianer die wir bisher unterwegs trafen hatten Deutsche Vorfahren und einige sprachen noch diesen typischen Altdeutschen Dialekt. Wir brechen auf nach Pt. Norte zu den Seelöwen, eine über siebzig Kilometer lange, sehr gute Schotterpiste quert die Halbinsel. Auf eines muss man hier aufpassen, immer wieder kreuzen Schafe und Guanakos die Piste. Im übrigen Land sind die Straßen von den Weiden durch endlos lange Zäune getrennt.

An langen Sandstränden liegen hier zahlreiche Seelöwen, getrennt von den Besuchern durch einen Zaun. Schade dass wir nicht doch noch etwas näher können, denn auch für mein Tele sind die Tiere doch noch relativ weit weg. Kann aber verstehen, dass die Tiere durch die vielen Besucher so wenig als möglich gestört werden sollen. Die Aktivitäten der Tiere halten sich in Grenzen, meist liegen sie faul im Sand und lassen sich die Sonne auf ihre Haut brennen. Nur hin und wieder richtet sich ein Bulle auf um lautstark einen Eindringling zu warnen, dass dies sein Harem ist. Es folgen einige Scheinangriffe und wenn der Eindringling den Rückzug antritt wird sofort wieder weiter gedöst. Der dortige Ranger erzählt uns, dass er gestern am frühen Morgen noch einen einzelnen Orca gesehen hat. Nach einigen Stunden haben wir genug von diesem „Spektakel“ und fahren die Küste entlang zum nächsten Punkt. Vereinzelt liegen hier einige Estanzias, die Menschen hier müssen schon ein besonderer Schlag sein um in dieser Einöde, umgeben nur von Schafen, zu leben.

Kurz vor Pt. Cantor ein Hinweisschild zur Pinguinkolonie, der ganze Hang ist voll mit Nisthöhlen dieser drolligen Tiere. Lustig anzusehen ist wenn die Pinguine vom Fischen aus dem Meer zurückkehren und den Hang hinauf watscheln, wo schon die Jungen aus den Höhlen Ausschau halten wo denn ihr Futter bleibt. Bei Pt. Cantor gibt es eine Seeelefanten Kolonie, hier lernen wir einen argentinischen Studenten kennen, der in den Sommerferien für Touristen als Dolmetscher arbeitet. Wir klagen ihm unser Leid ,dass wir zum Fotografieren nicht doch etwas näher an die Tiere heran können. Er gibt uns einen Tipp, südlich von Valdes gibt es eine Stelle an der Steilküste bei Pta. Ninfas, dorthin verirren sich kaum Touristen und da gibt es keine Zäune.

So brechen wir am nächsten Morgen auf nach Punta Ninfas, die Piste ist nicht so einfach zu finden, sogar ein Polizist den wir um den Weg fragen schickt uns in die Irre. Endlich haben wir die Piste gefunden, vorbei an einigen abgelegen Estanzias erreichen wir den Leuchtturm, der aber schon lange nicht mehr leuchtet. Tief unter uns am Ufer liegen sie aufgereiht wie Sardinen, die Seeelefanten. Zum Glück hat schon jemand einen Zugang geschaffen, denn vorerst geht es 3 Meter senkrecht und die sind mit einem Seil gesichert. Über 150 Meter klettern wir hinunter, vorerst schrecken die Tiere etwas auf, um sich gleich darauf wieder zu beruhigen. Wir verbringen einige Stunden mit deren Beobachtung und kommen bis auf wenige Meter an die Tiere heran, ein faszinierendes Erlebnis, bevor wir uns wieder auf machen um nach oben zu klettern.

Unser nächstes Ziel Punta Tombo, die größte Pinguin Kolonie in Argentinien.

Es soll aber plötzlich ganz anders kommen. Auf einer Kuppe plötzlich etwas weißes auf meiner Seite, zu spät kann ich ein langegezogenes Loch erkennen, das mit Staub gefüllt ist. Als wir aus dem Loch herauskommen hebt es das Hinterteil des Motorrades, wir  setzten auf, die ganze Fuhre schaukelt auf. Die ersten Pendler kann ich noch abfangen, wir kommen auf der linken Seite auf, da wir noch im Rutschen sind hakt die Kiste und der Sturzbügel ein und kippt uns auf die rechte Seite.

Aus der Traum von Südamerika, mir schmerzt die rechte Schulter, Marika der Arm.

Um es kurz zu machen, ich habe mir 2 Rippen gebrochen und das Schlüsselbein ausgerenkt. Marika hat es leider schlimmer erwischt, der Unterarm ist gebrochen.

Wir fliegen zurück in die Heimat, um zu Hause alles richten zu lassen.

Großen Dank den Menschen die uns vor Ort geholfen haben, wie Carina, Carola, und Cristian.

DER NEUSTART

Es ist Ende Jänner, ich bin wieder soweit fit um die Reise fortzusetzen, leider alleine, denn Marikas Arm braucht noch ein bisschen Zeit. Mit dem Bus erreiche ich von Buenos Aires Rawson, wo das Motorrad steht. Carola bringt mich zur Polizei, leider ist Cristian der Chef nicht da, aber seine Mitarbeiter kümmern sich sofort darum, dass ich mein Gepäck und das Motorrad bekomme. Habe keine Chance mir ein Hotel zu nehmen, für Carola ist es selbstverständlich dass ich im Haus ihrer Eltern schlafen werde. Raul, Carolas Vater ist sofort begeistert mir beim Auswechseln der Sturzteile zu helfen. Samstag Mittag ist es soweit ich kann aufbrechen, begleitet von den besten Wünschen der ganzen Familie.

Es geht wie geplant nach Punta Tombo zu den Pinguinen. Während ich so gegen Süden tuckere kommt ein noch nie vorher gekanntes Gefühl auf, ich bin alleine unterwegs. Es ist für mich so unwirklich, jetzt alleine weiter zu machen, wo wir uns doch beide so lange auf diese Tour vorbereitet hatten! Eine Träne zerdrückend starre ich gegen den Horizont, der mich fast wie einen Magnet Richtung Süden zieht.

Argentinien

12. Dezember 2008

ARGENTINIEN

 

Auf argentinischer Seite bekommen wir vorerst nur einen Zettel wo das Kennzeichen und das Einreisedatum steht. Der eigentliche Zoll kommt erst 18 Kilometer später. Hier sitzen Chilenen und Argentinier in einem Terminal, die Abfertigung geht überraschend schnell vor sich.

Wir kommen am Aconcagua vorbei, dessen Gipfel sich leider in eine Wolkendecke hüllt. Vorbei an Puente del Inka führt die Strasse durch ein Tal dessen Felswände mit den verschiedensten Farbschattierungen uns immer wieder stoppen lassen. Eigentlich könnte ich alle hundert Meter stehen bleiben um zu fotografieren, hier kann das  Marika verstehen, wenn es heißt Helm ab, Tankrucksack auf, Kamera heraus, Foto, Kamera einpacken, Helm auf und weiter zum nächsten Fotostopp.

Am Abend erreichen wir Uspallata, wo wir uns am Campingplatz eine Cabana, ein kleines Holzhäuschen mieten.

Von Uspallata nehmen wir nicht die Hauptstraße nach Mendoza sondern eine Schotterpiste durch die Berge. Die Piste führt durch kleinere Schluchten immer höher auf über 2800 Meter, hier wird es ziemlich kühl und auch die ersten Regentropfen zeichnen sich auf der Brille ab, zum Glück bleibt es nur bei einigen Tropfen. Hier sehen wir eine kleine Gruppe Guanacos, sie sind sehr neugierig und warten geradezu darauf, um von mir fotografiert zu werden.

Je tiefer wir kommen desto mehr nimmt die Vegetation zu, wie von Samt überzogen scheinen die mit unzähligen Kakteen durchsetzten steilen Hänge. Über Serpentinen geht es hinunter in die heiße Ebene nach Mendoza.

 

MENDOZA

In Mendoza sind wir auf der Suche nach einem Quartier, was sich als nicht so einfach herausstellt. Wir fahren die erste Adresse in unserem Reiseführer an, sieht gut aus, hat sogar einen Innenhof für das Motorrad, nur leider voll. Beim nächsten Gästehaus wird es schwierig für das Motorrad den Stellplatz im Hof zu erreichen, denn dazu müsste ich durch das Wohnzimmer des Besitzers fahren! Im dritten werden wir endlich fündig, nach der intensiven Auseinandersetzung mit der Einbahnregelung Mendozas. Wir verbringen den Nachmittag in der Fußgängerzone und der weiteren Umgebung und sind auf der Suche nach den schönen, versteckten Plätzen (laut Reiseführer) von Mendoza. Die aber so gut versteckt sind, dass wir sie einfach unmöglich finden können! Geschmäcker sind halt verschieden!

Da wir hier in einem der bekanntesten Weingebiet Argentiniens sind unternehmen wir eine gebuchte Tour zu zwei Bodegas.

Die erste Bodega ist eine der größten der Region, zu Beginn wird die Verarbeitung, die Lagerung usw. erklärt. Dann eine ausführliche Tour durch den riesigen Keller. Endlich kommen wir zum interessantesten Teil der Führung, die Verkostung. Das erste Schluckerl, ein Weiswein kredenzt von einer sehr hübschen schwarzhaarigen, glutäugigen Argentinierin, soll das etwa ein Ablenkungsmanöver sein, schmeckt nicht schlecht. Den Roten würde ich  eher als etwas einfach im Ausbau und Geschmack bezeichnen. So eingestimmt, bringt uns der Bus zur nächsten Bodega. Bei dieser handelt es sich um eine besondere Bodega, denn hier wird nur natürlicher Wein ohne künstliche Zusätze gekeltert. Nach der Führung durch die Kellerräume, erfolgt die mit Spannung erwartete Verkostung. Der Gaumen und die Leber haben hiermit überhaupt keine Freude, diesen einfachen Geschmack haben die beiden sofort wieder vergessen. Das Ergebnis war nicht wie erwartet, aber was will man von so einer Tour wohl erwarten, denn die meisten kaufen ja sowieso nichts und dafür den besten Wein zur Verkostung zu kredenzen zahlt sich scheinbar nicht aus. Da lob ich mir unsere Weinbauern, da gibt es immer ein gutes „Tröpferl“ zu verkosten.

Die nächste Station ein Olivenbauer, nach der üblichen Erklärung der Ölherstellung erfolgte die Verkostung von selbst gemachtem Brot und Oliven. Hier ist unser Gaumen und auch der Magen sofort zu überzeugen. Der Tupfen aufs i ist der Besuch einer kleinen Schokoladenmanufaktur, wäre besser gewesen wir hätten die Bodegas ausgelassen und uns intensiver mit der Schokolade auseinander gesetzt.   

Wir haben genug von der Stadt und fahren in den Norden zum NP von Ischigualasto.

Bei einer Pause stelle ich mit Schrecken fest, das der Simmerring wieder undicht ist.

Muss wohl oder Übel so bis nach Buenos Aires halten, denn dort kann ich hoffentlich bei BMW einen neuen bekommen.

In Vallecito machen wir Mittagspause, das Dorf ist im ganzen Land als Wallfahrtsort bekannt. Hier steht der Schrein der Volksheiligen Difunta Correa. Difunta wollte ihrem Mann, der im Krieg war folgen und ist in der Wüste verdurstet. Als man sie verdurstet fand hing ihr Baby lebend an der Brust. Seitdem wird dieser Ort speziell von Fernfahrern besucht. Auch überall am Land sieht man kleine Gedenkstätten der Difunta, wo man als Zeichen eine Flasche mit Wasser opfert.

Ein Problem gibt es hier beim tanken, der Tankwart meint sein Chef erlaube nur für 20 Pesos ( 6 Liter) Benzin herzugeben. Irgendwie bin ich mir nicht sicher ob das reicht bis zur nächsten Station. Nach der öden Landschaft nimmt die Vegetation bei San Augustin del Valle Fertil zu, wo ich dann endlich wieder voll tanken kann.

 

NP – ISCHIGUALASTO

Am Abend erreichen wir das Nationalparkzentrum von Ischigualasto. Der Campingplatz ist schattenlos und hat außer einer Beleuchtung und den Sanitäranlagen nichts zu bieten. Dafür malt die untergehende Sonne ein grandioses Farbenspiel auf die umliegenden Berge. Den Park darf man nur in Begleitung eines Rangers besuchen, so schließen wir uns am Morgen einigen Autos an. Der Ranger erklärt die verschiedensten geologischen Formationen. Die Formationen haben Namen wie U Boot usw., leider scheint die Sonne am späten Vormittag schon sehr hart und so sind die Farben nicht so ausgeprägt wie am Abend. Zurück geht es zum Ausgangspunkt, entlang einer über hundert Meter hohen roten Wand. Wir beschließen am Abend eine zweite Tour zu unternehmen. Vorher sehen wir uns im Museum die Saurierskelette und Fossilien, die in der Umgebung hier gefunden wurden, an. Als ich das Motorrad zur zweiten Tour starte, beginnt es plötzlich fürchterlich zu stinken und aus dem Scheinwerfer dringt Rauch, oh Gott was ist jetzt passiert. Die Kabel der Griffheizung sind verschmort, ich kann noch rechtzeitig die Zündung abschalten bevor es zu einem Kabelbrand kommt! Die Defekthexe scheint mich nicht in Ruhe lassen zu wollen. Welch ein Glück dass es hier passiert und nicht irgendwo unterwegs. Das mit den schönen Farben am Abend im Park wird eh nichts, denn plötzlich zieht ein Gewitter, begleitet von einem starken Sturm auf. Der Chefranger gibt uns den Tipp wir sollen das Zelt zusammenpacken und uns in die Garage legen, denn der Sturm könne heftig werden. In letzter Minute, bei einsetzendem Regen, schaffen wir unser Gepäck unter das Dach und schon gießt es wie aus Kübeln.

 

NP – TALAMPAYA

Am nächsten Morgen wollen wir gerade starten, da kommt ein Schweizer Motorrad in den Park, Adrian mit seiner Ténéré. Adrian ist schon das vierte Mal in Südamerika. Er würde sich auch gerne den Park ansehen, nur ist er aufgrund der gestrigen Regenfälle die nächsten Tage unpassierbar. So beschließt er uns zum NP Talampaya zu begleiten. Hier gibt es am Campingplatz wenigstens Schatten, den wir bei der Hitze ganz notwendig haben. Wir haben Glück, den kleinen Bus für die Tour haben wir nur für uns allein, es sind keine anderen Besucher hier. Adrian spricht perfekt spanisch und hat gleich eine Mordshetz mit unserem Guide. Beim ersten Stopp erklärt er uns einige Petroglyphen, die von früheren Bewohnern der Schlucht in die Felsen gemeißelt wurden. Beim nächsten Stopp stehen wir an einer roten über hundert Meter hohen Felswand, gigantisch welche Formen Wasser in Jahrtausenden hier aus der Felswand geformt hat.

Über dreißig Kilometer führt die Schlucht hinein und bietet uns  immer wieder die interessantesten Formationen. Die letzten fünfhundert Meter marschieren wir zu Fuß und entdecken dabei zwei Chinchillas in den Felsen sitzend.

 

CORDOBA

Wir verlassen Talampaya Richtung Cordoba, anfangs noch abwechslungsreiche Landschaft. Die riesigen Kandelaber Kakteen sind übersät mit Büscheln von weißen Blüten. Das ist allerdings nur bei den ersten siebenundzwanzig Kakteen interessant, bei den nächsten „zweitausendeinhundertdrei“ wird das aber dann auch schnell fade.

Die Straße zieht sich endlos gerade durch die Pampa, das ist schon einmal ein Vorgeschmack auf Patagonien. Man kann das vergleichen mit der Strecke Steyr – Innsbruck und in Salzburg ist dann einmal eine Kurve, natürlich mit Hinweisschild und dazu noch über 35°C. An einer Ortsausfahrt eine Polizeikontrolle, der Polizist faselt irgendetwas daher, wir können natürlich sofort noch weniger spanisch. Dann schreibt er auf einen Zettel, fünf Peso sollen wir spenden um das Wachhäuschen neu anzustreichen. Da wir den Anstreichfond der Polizei nicht unterstützen winkt er uns weiter. Mitten im Nirgendwo noch eine Polizeikontrolle, der kontrolliert nur die Fahrzeugpapiere, die haben anscheinend schon fertig gestrichen.

Etwa hundert Kilometer vor Cordoba wird die Landschaft wieder abwechslungsreicher, die Vegetation nimmt zu. Wir beschließen in Cosquin im Petit Hotel zu übernachten, ein nettes kleines Hotel, wo ich auch das Motorrad einstellen kann. Der Ort sieht aus wie ein kleines Westernstädtchen, Das Leben pulsiert am Abend, an der Hauptstraße stehen auf den Gehsteigen Tische und Sessel und die Menschen lassen sich ihr Parilla schmecken. Unaufhörlich fahren lärmende Autos und Mopeds auf – und ab, das scheint die argentinos aber nicht zu stören. Für uns ist diese Geräuschkulisse äußerst gewöhnungsbedürftig, man glaubt sich fast an eine Rennstrecke versetzt!

Wir wollen sehr früh aufbrechen um nach Cordoba zu kommen, nur starker Regen vereitelt unseren Plan, nachdem der Regen schwächer wird fahren wir. Inzwischen hat in Cordoba der Frühverkehr eingesetzt, hier musst du die Augen überall haben, denn kaum einer nimmt auf einen Motorradfahrer Rücksicht. Wir kurven durch die Strassen um zu dem im Reiseführer beschriebenen Hostel zu finden, wie erwartet voll!

Endlich im Palenque Hostel werden wir fündig und bekommen ein Zweibettzimmer. Zum Glück gibt es gegenüber eine Garage, wo die BMW einen sicheren Platz für die Nacht bekommt. Wir stürzen uns auf Besichtigungstour, denn im Reiseführer ist die Stadt als die mit den besterhaltenen Kolonialbauten Argentiniens beschrieben.

An der Plaza St. Martin steht eine von den Spaniern erbaute Kirche, einige Straße weiter eine Jesuitenmission und zwischen den modernen Häusern vereinzelt Häuser mit historischen Fassaden. Während des ganzen Nachmittags finden wir nicht wirklich Sehenswertes, scheint gleich wie in Mendoza zu sein. Man solle ja nicht gleich aufgeben. Am Sonntag probieren wir es noch mal, herrlich ruhig in der Stadt, denn die meisten fahren übers Wochenende aufs Land. Wir werden nicht wirklich fündig, erst am Abend im Künstlerviertel Güemes tut sich einiges. Verschiedenste Stände mit Kunsthandwerk, Antiquitäten, verschiedenster Ramsch, Trödel und viele Stände mit selbst gemachten Kuchen. Das künstlerische Highlight war in einem Hof eine gelungene Flamenco Vorführung.

In Zukunft nehmen wir Stadtbeschreibungen nicht mehr so ernst, es ist wie vieles im Leben relativ!

Von Cordoba nehmen wir die Straße nach Alta Gracia, um die gut erhaltene Jesuitenmission zu besichtigen. Wie wir in den Räumlichkeiten sehen, dürften die Mönche hier scheinbar gut gelebt haben. Während die Indios und Sklaven draußen in der Hitze schuften mussten. Ein unbedingtes Muss in der Stadt ist das Museo Casa de Ernesto Che Guevara, der große Held der kubanischen Revolution. Seine Eltern zogen mit dem asthmakranken Ernesto in das Bergdorf mit dem angenehmen Klima. Che, wie er später von den Argentiniern genannt wurde, verbrachte hier seine Kinder – und Jugendjahre. Neben den vielen Bildern über den Werdegang des großen Revolutionärs, steht auch die alte Norton, mit der er mit seinem Freund ein halbes Jahr durch Südamerika reiste, bekannt auch der Film

„Die Reise des jungen Che“.

Von Alta Gracia führt eine kurvenreiche Straße über die Berge, bei den ersten Kurven habe ich etwas Schwierigkeiten nach den langen Geraden eine Schräglage zu fahren. Auf über 2300 Metern geht es über eine Pampa Hochebene, wo uns der argentinische Wind versucht von der Straße zu blasen. Immer wieder haben Hirten kleine Stände an der Straße aufgebaut, wo wir ein Schaffell erstehen, um unserem Sitzfleisch etwas mehr Komfort zu gönnen. Daneben holt die Frau aus dem traditionellen Lehmofen frisches Brot, davon lassen wir uns auch sofort einen Fladen einpacken.

Am Westabhang der Berge erreichen wir das Dorf Mina Clavero, ein argentinisches Urlaubsdorf, wo derzeit noch nicht viel los ist, erst um Weihnachten, zu Beginn der Urlaubssaison, wird dort die Hölle los sein. Wir beziehen bei einer netten, aber etwas schrulligen, alten Dame ein Zimmer und nützen den heißen Nachmittag, um am Fluss wie die Einheimischen zu baden.

Da der Ort nichts Aufregendes zu bieten hat sind wir wieder auf Achse und möchten uns die Kondore im wichtigsten Brutgebiet im NP Quebrada del Condorito ansehen. Leider spielt der Wettergott nicht mit. Wir müssen leider wegen dichtestem Nebel – ohne die Kondore beobachtet zu haben – ins Tal fahren.

Durch grünes Hügelland schlängelt sich die  kurvenreiche Straße nach Villa General Belgrano. Dieser Erholungsort hat eine interessante Entstehungsgeschichte. Die heimatlosen Überlebenden des deutschen Kriegsschiffs Graf Spee waren hier interniert. Der Kapitän hatte das schwer beschädigte Schiff im Dezember 1939 im Hafen von Montevideo versenkt.

Im Hotel Samay Huasi werden wir vom Besitzer Luis sehr herzlich und umsichtig betreut. Er dürfte ein großes Herz für Motorradfahrer haben, denn als es in der Nacht zu regnen beginnt, deckt er meine BMW mit einer Plane ab.

Die deutsche Kultur ist überall ersichtlich, angefangen vom Münchner Brauhaus, Oktoberfest, Gulasch mit Spätzle und allerlei schmackhaften Mehlspeisen. Die vielen Souvenierläden (Haus Krems, Haus Salzburg, Kärntnerstube etc.) quellen über vor lauter Kitsch, man kann hier auch Bierkrüge mit österreichischem Wappen kaufen. „Leider haben wir dafür keinen Platz auf dem Motorrad!“

Den Tipp mit Villa General Belgrano verdanken wir unserem „Bierexperten“

Mr. Hans, noch mal Danke für den „heißen Insidertipp“. Haben auch auch schon ein Seiterl getrunken und den „Schober“ gekostet.

 

Chile

12. Dezember 2008

Start 23.11.2008 in Santiago

 

 

Nach einem langen Flug von München nach Sao Paulo gibt es am dortigen Flughafen gleich mal Action, ich darf das Stativ nicht mehr als Handgepäck mitnehmen. Obwohl ich in München bei 2 Stellen der Lufthansa nachfragte. Die Sicherheitsleute sagen mir ich müsste jemanden von der Lufthansa holen um das zu klären. Oh das wird eng, denn wir hatten einen verspäteten Start in München da das Enteisen des Flugzeuges dauerte. So standen uns nur knappe 35 Minuten zur Verfügung um den Anschlussflug zu bekommen. Marika bleibt bei den Sicherheitsleuten, ich haste zum Lufthansa Schalter bin ganz aufgeregt. Die Dame am Schalter sagt mir (gelassen) sie werde jemanden holen, hoffentlich bald. Endlich kommt einer und gibt mir zu verstehen, dass ich mir keine Sorgen bezüglich des Anschlusses machen soll. Denn unser Weiterflug mit der Swissair hat sich um eine Stunde verzögert, da die auch Verspätung hat. Gott sei dank, Marika wird sicher schon nervös sein, denn sie ist ca. 200 Meter von mir entfernt im anderen Terminal. Gelöst komme ich zurück, wo bereits ein anderes Pärchen mit demselben Problem wartet. Unsere beiden Stative werden zusammen gepackt und als Gepäck eingecheckt, die erste Lektion, hier gehen die Uhren anders. 

In Santiago angekommen, winkt uns Ossi schon durch die Scheiben des Besucherdecks zu, super das mit der Abholung klappt perfekt. Raus aus dem Flughafengebäude schlägt uns gleich die volle Hitze entgegen, gefühlsmäßig so um die 30° C, angenehme Novembertemperatur!

Ossi wohnt etwas außerhalb von Santiago, in einer netten Siedlung. Zu unserer Überraschung findet am Nachmittag gleich seine Geburtstagsparty statt. Zur Party kommen lauter nette Leute, vorwiegend Österreicher,  wie Bernhard aus Seitenstetten, der schon seit sieben Jahren hier lebt. Es wird ein gemütlicher Nachmittag, zu einer leckeren Paella gibt es einige „exzellente“ Flaschen Chilenischen Sauvignon. Der gemütliche Nachmittag wird zu einer, lustigen und seehr langen Nacht!

Am Montag bringt uns Ossi zuerst zur Spedition bevor er ins Büro fährt. Lektion zwei, wir sind hier im Land der Küsser (alle und jeder wird hier geküsst), wir werden sofort von der hübschen Speditionsangestellten geküsst, das fängt ja nett an (das sollten sie bei Jet Trans in Hörsching auch einführen). Wir erfahren, dass wir am Dienstag in Valparaiso das Motorrad aus dem Zoll bekommen. Das mit dem Transport von Valparaiso mit einem LKW klappt leider nicht, so meint Ossi kein Problem, dann fahren wir halt mit dem Anhänger zum Hafen und holen es selbst ab. Während Ossi ins Büro fährt schlendern wir durch das Zentrum von Santiago. Im Mercado bummeln wir zwischen den Fischständen und gönnen  uns das erste chilenische Essen.

Als Verdauungsspaziergang wandern wir auf den Cerro San Christobaldo wo es einen schönen Ausblick über Santiago gibt. Am späten Nachmittag holt uns dort Ossi wieder ab, um von Günter den Anhänger zu holen. Er kommt aus Vorchdorf und ist der Besitzer der einzigen Sommerrodelbahn von ganz Chile.

Am Dienstag wird es ernst, wir fahren zum Hafen, bin gespannt ob es wirklich so problemlos klappt am Zoll, wie die Jet Trans zu Hause meinte. In Santiago ist es um diese Zeit schon sehr trocken, da der letzte Regen schon Wochen zurück liegt. Je weiter wir zur Küste kommen desto grüner wird das Land, die ersten Weingüter tauchen auf, hier handelt es sich um andere Dimensionen als wir von unseren Weinbauern gewohnt sind.

Endlich haben wir Valparaiso erreicht, wo uns am Zoll schon der Mann von der Spedition erwartet (er küsst uns nicht, wir sind darüber nicht böse). Überraschender Weise sind die Formalitäten in etwa 30 Minuten erledigt, das habe ich nicht erwartet, denn die letzte Woche waren die Zöllner in Streik und ich konnte mir nicht vorstellen, dass die gleich mit voller Energie loslegen.

Wir fahren zum Lagerhaus am Hafen, wo wir uns in die Schlange der wartenden LKW’s einreihen, zum Glück können wir mit unserem Anhänger vorfahren. Uns wird ein Warteplatz in Respektabstand zum Lagerhaus zugewiesen. Von hier aus können wir in Ruhe die Ladevorgänge der diversen Güter verfolgen. Der Mann von der Spedition ist indessen unterwegs um meine Kiste zu finden. Stunde um Stunde vergeht, bis er endlich wieder auftaucht und uns informiert, dass die Jungs erst mal Mittagspause machen, die bis 14:00 dauert! Das mit 14:00 wird nicht wirklich so ernst genommen, natürlich dauert es etwas länger. Inzwischen werden wir vom Warenhaus Oberaufseher angemozzt warum  wir keine Sicherheitsweste und keinen Helm tragen, hat ja keiner etwas davon gesagt. Eigentlich sollten wir diese Ausrüstungsgegenstände gleich am Eingang zum Hafengelände bekommen, davon sagte uns aber „Herr Wichtig“ auch nichts. Wir fahren zurück zum Eingang um uns diese wichtige Ausrüstung zu besorgen. So gegen 15:00 kommt unser Mann von der Spedition und meint die Kiste sei gefunden, jetzt müssen erst mal die Nummern am Fahrzeug kontrolliert werden. Nach einer weitern Stunde kommt der Spediteur und meint es könne nicht mehr lange dauern, es müsse nur mehr ein Stapler gefunden werden um die Kiste heraus zu bringen.  Es ist kurz vor 17:00 und ich traue meinen Augen kaum, als endlich der Stapler mit meiner Kiste kommt. Sie ist unversehrt, wie konnten die die Fahrgestellnummer ablesen wenn die Kiste nicht geöffnet wurde, die haben wahrscheinlich Röntgenaugen! Eigentlich sollte Ossi um 17:00 wieder in Santiago sein um seinen Zahnarzttermin wahr zunehmen!

 

DANKE Ossi für deine unendliche Geduld!

 

Am Mittwoch morgens beginnen Marika und ich mit dem Zusammenbau des Bikes. Wobei ich gleich eine schreckliche Entdeckung mache, ein Gabeldichtring leckt. Wie gibt es das, denn zu Hause hatte ich alles noch überprüft. Zufällig habe ich einen Simmerring dabei. Nur kann ich den Gabelholm nicht so ohne weiteres aufschrauben, dazu brauche ich einen Schlagschrauber. Wiederum erklärt sich Ossi bereit, am nächsten Tag bevor er ins Büro fährt mich zu einer in der Nähe gelegenen Werkstätte zu bringen. Hierbei handelt es sich nicht um eine Werkstatt in unserem Sinne, sondern eher um eine „Open Air“ Werkstätte. Einer Überdachung, wo gleich hinter der Werkbank der Hühnerstall steht. Aber man soll nicht gleich Vorurteile haben, denn hier gibt es sogar den für mich so wichtigen Schlagschrauber. In kurzer Zeit ist der Gabeldichtring gewechselt und Ossi bringt mich zurück in sein Haus, wo dann die BMW komplettiert wird.

Am Donnerstag packen wir unsere komplette Ausrüstung ein, irgendwie hat sich da so einiges dazu geschlichen. Denn bei unserer Probetour ins Rauris konnten wir alles problemlos unterkriegen, endlich passt doch alles in die Alukisten und den Seesack.

Am Freitag geht es los, unsere Südamerika Tour kann beginnen. 

Von Santiago fahren wir über Los Andes zur Argentinischen Grenze. Die Strasse führt uns immer höher und höher, in Serpentinen geht es hinauf zum Passo  Bermejo auf 3189 Metern, vorher erreichen wir noch den Schiort Portillo, wo ja unsere Schi Nationalmannschaft schon des öfteren ihr Sommertraining absolviert hatte. Durch einen Tunnel ginge es nach Argentinien, das wäre aber zu einfach. Denn es gibt den alten Passübergang auf einer Schotterpiste hinauf zum Christo Redentor, der reizt mich natürlich besonders. Diese Begeisterung teilt Marika natürlich nicht so wirklich, ob wir denn da unbedingt rauf müssen, natürlich müssen wir, alles andere wäre ja zu einfach, durch den Tunnel fahren ja eh alle anderen!

Kehre um Kehre windet sich die Schotterpiste in die Höhe. Es ist nicht wirklich eine Spazierfahrt mit dem vollen Gepäck, vorbei an Büssereisfeldern. Nach fast zehn Kilometern ist die Passhöhe auf 3840 Metern erreicht, ein grandioses Panorama bietet sich uns, vergessen ist die schwierige Auffahrt. Auf der Passhöhe steht eine riesige Christusstatue in Gedenken an den Friedensschluss zwischen Chile und Argentinien. Die beiden Grenzstationen sind nicht besetzt, das hat auch seinen Grund, denn am Gipfel ist die Argentinische Seite noch nicht geräumt. Die Argentinier hatten scheinbar noch keine Lust dazu, die lassen lieber die Sonne für sich arbeiten. Also den gleichen Weg zurück, zum Glück kann ich Marikas Gedanken nicht lesen!

 

 

 

 

 

 

 

Das ist der erste Eintrag

06. November 2008


Die BMW wird wieder einmal versandfertig gemacht.
Jet Trans bringt sie nach Chile wo sie hoffentlich am 23.11.08 für uns bereit steht.