auf den Weg nach Salta

So mache ich mich auf den Weg nach Salta, das ich am Nachmittag erreiche, da ich nicht weiß wo die 3 stecken und das Wetter auch sehr düster aussieht, beschließe ich nach San Salvador de Jujuy weiter zu fahren. Laut meiner Karte führt die Straße Nr. 9 ziemlich gerade nach San Salvador. In Wirklichkeit steigt sie in Serpentinen den Berg hinauf und hier ändert sich die Vegetation plötzlich, ich fahre durch einen Regenwald. Eine schöne Kurve folgt der anderen, tolle Motorradstraße, wenn nicht der Wald seinem Namen gerecht würde, es regnet leicht. Da ist Vorsicht angebracht, denn es gibt hier keine Leitschienen und die Abgründe hier sind tief. In San Salvador de Jujuy regnet es weiter, so beschließe ich bis nach Tilcara zu fahren. Die Straße führt hier durch die Quebra de Humahuaca, faszinierend an dieser Schlucht die Farben der Felsen in allen möglichen Braun – und Rot Schattierungen in Schichten übereinander liegend. Erst am nächsten Tag als ich aufbreche um über den Paso de Jama nach San Pedro de Atacama zu fahren, bessert sich das Wetter. Kehre um Kehre schraubt sich die Asphaltstraße den Pass hinauf wo ich innerhalb kurzer Zeit wieder eine Höhe von über 4000 Metern erreiche. Immer wieder treffe ich auf kleine Gruppen scheuer Guanacos, die unmittelbar neben der Straße grasen. Die Tiere sind aufgrund ihres braunen Felles in dieser Landschaft immer sehr spät zu erkennen und so muss ich immer voll konzentriert fahren, um eine eventuelle Kollision zu vermeiden. Denn die Tiere wechseln manchmal abrupt die Straßenseite. Auf der Hochebene tauchen neben der Straße immer wieder vereinzelt Gehöfte aus Adobe der Indigenen Bevölkerung dieser Region auf. Über Serpentinen führt die Straße in ein weites Tal und ich quere einen Salzsee, mit den Salinas Grande. Faszinierend diese riesige Salzfläche, wie gewaltig muss dann erst der Salar de Uyuni in Bolivien sein. Endlos zieht sich die Puna durch dieses Hochtal. Wieder überquere ich eine Bergkette und im nächsten Tal  liegt der Salar de Olaroz vor mir. Am Nachmittag erreiche ich den argentinischen Grenzposten auf über 4000 Metern. Kurz vorm Grenzposten gibt es noch eine Tankstelle wo ich zwei Brasilianer mit einer BMW und einer TDM treffe, nach einem Kaffee und einer kurzen Plauderei trennen sich unsere Wege wieder, die beiden sind am Heimweg in den Süden Brasiliens und mir steht wieder der übliche Papierkram mit den Zöllnern bevor. Überraschender Weise arbeiten die Argentinier relativ flott, man soll es nicht glauben! Kurz nach der Grenze ist der Paso de Jama mit 4400 Metern erreicht. Auf der chilenischen Seite stehen etwas Abseits der Straße einige riesige Felszapfen und verschiedenste Formationen im Sand, Überreste jahrtausender Erosion. All zu lange kann ich mich leider hier nicht aufhalten, denn es ist schon später Nachmittag und San Pedro de Atacama ist noch an die 150 Kilometer entfernt. Weiter geht es von einem Hochtal ins andere und das GPS zeigt schon über 4800 Meter an, am Horizont verdunkeln sich die Wolken und sie kommen rasend schnell näher, hoffentlich beginnt es nicht zu regnen, das fehlt mir noch in dieser Höhe. Ich hatte wieder mal Glück, statt Regen kam ein Schneesturm auf. Gott sei Dank schneite es sehr trocken, so blieb die Straße frei. Das Hochplateau will und will nicht enden, endlich nach über 60 Kilometern geht es abwärts, am Horizont zucken Blitze aus den dunklen Wolken und erzeugen eine gespenstische Stimmung. Die niedrigen Häuser von San Pedro mit ihren braunen Lehmwänden erinnern mich im ersten Moment an afrikanische Dörfer. In den Gassen herrscht reges touristisches Treiben, jede Menge Agenturen bieten Touren zu den Lagunen in Bolivien oder den Geysiren in der Umgebung an. Hier wechsle ich auch meine Reifen, ab nun bin ich auf groben Pirelli Stollen (Dank an Reifen Pfaffenwimmer www.reifen-pfaffenwimmer.at ) unterwegs. Nach getaner Arbeit nütze ich die touristische Infrastruktur und gönne mir ein saftiges Steak begleitet von einem herrlichen Chilenischen Roten! Am nächsten Tag breche ich erst gegen Mittag auf, denn die Strecke zur Laguna Verde in Bolivien beträgt nur etwa 90 Kilometer. Vorher erfolgt am Ortsrand von San Pedro wieder der Papierkram am Grenzposten.

BOLIVIEN

Nach etwa 60 Kilometern verlasse ich den Asphalt und eine schmierige Schotter-Erdpiste bringt mich zum bolivianischen Posten. Hier kann ich allerdings nur die Polizei Formalitäten erledigen, denn der Zoll liegt an die 80 Kilometer im Landesinneren bei Apacheta. Kurz vor der Laguna Verde liegt ein kleines Gästehaus wo ich die Nacht verbringe. Fast vor der Haustüre steht ein erloschener Vulkan mit über 5000 Metern. Hier lerne ich auch gleich Obert kennen, es stellt sich heraus dass er der Guide der Neuseeländer ist, die er am nächsten Tag erwartet. Es ist Mittag als die „Kiwis“ auftauchen, alle sind sofort einverstanden, dass ich mich ihnen anschließe. Faszinierend die Farbenspiele der Laguna Colorado, Flamingos in ihrem rosa Gefieder stolzieren im Wasser. Die Pistenverhältnisse wechseln von schönen Sandpisten über steiniges Terrain bis Wellblech. An einer Lagune gibt es eine heiße Quelle deren Wasser in einem Becken aufgefangen wird. Wir entspannen eine halbe Stunde lang unsere durchgerüttelten Knochen. Frisch gebadet starten wir unsere Bikes um dann gleich wieder mal in die Staubwolke des Vordermannes zu geraten. Immer wieder tauchen interessante Formationen in den verschiedensten braun- und rot Tönen auf. Am späten Nachmittag erreichen wir das Geysirfeld des

Sol de Mánáná, aber außer einigen Schwefelwolken ist es relativ ruhig hier, denn der Geysir stößt seine Dampf-Fontainen schon in den frühen Morgenstunden aus. Das Gebiet ist aber trotzdem interessant, denn aus allen Löchern blubbert und zischt es. Zum Abschied treibt der Wind vereinzelte Schneeflocken über das Geysirfeld. Wenig später erreichen wir die „Aduana Apacheta“ eine der höchstgelegenen Zollstationen der Erde auf 5020 Metern. Obwohl wir hier mitten in den Bergen sind, sind die Zöllner schon mit Computer ausgestattet. Nur das Eingeben der Daten bei 8 Motorrädern dauert, denn so fix (Einfinger System) ist der junge Zöllner noch nicht am PC. So fasst sich der Zollchef ein Herz und füllt persönlich einige unserer Formulare mit der Hand aus. Kurz vor Sonnenuntergang erreichen wir das nächste Camp, die letzten Kilometer noch eine „Sonderprüfung“, extremes Wellblech schlägt uns fast den Lenker aus der Hand. Irgendwie tut mir meine alte BMW etwas leid, was mute ich ihr da mit über 170 000 Kilometern noch zu, hoffentlich fällt sie mir nicht auseinander!

Die Zimmer sind einfach, aber doch gemütlicher als draußen im Zelt zu schlafen. Im Auto von Obert ist auch eine Köchin dabei, die uns in der einfachen Küche ein schmackhaftes Abendessen zubereitet. Für unsere Bikes war es eine frostige Nacht,  die Sitzbänke sind mit Eis überzogen. Obwohl es noch ziemlich kühl ist beim Start, sorgt das Wellblech gleich wieder für die richtige Erwärmung der Muskeln. Zu Mittag erreichen wir die Laguna Honda (Honda, die legen auch Lagunen an?) Zuvor schmeißt Russel noch seine 1200 er Adventure ins Gebüsch (Steine) war doch etwas zuviel am Gas! Obwohl er mit seinen 1,90 Metern auf der 1200er wie auf einem Moped sitzt, ist er heilfroh als ich ihm helfe die schwere Fuhre aus dem Graben zu wuchten. Die Piste zieht sich durch weite Täler, wo wir nicht unbedingt die Hauptpiste nehmen müssen. Mit den Bikes weichen wir auf den für uns festen Sand aus und lassen es fliegen, da kommt gleich etwas „Dakar Feeling“ auf. Ein markanter Punkt auf der Strecke ist der „Arbol de Piedra“ eine Steinformation einem Baum ähnlich. Auch die umliegenden, von Wind und Sand geformten Felsbrocken bieten interessante Fotomotive. Obert kennt einen „Abschneider“ über die Berge, der hat es aber in sich, grobe Steinplatten, spitze Steine, Wellblech und als Draufgabe eine Bachdurchquerung (der einzige übrigens in der Umgebung). Von Platten blieben wir zum Glück alle verschont. Kurz vor Villa Alota verlassen wir die Piste und erreichen eine von Japanern gebaute Strasse, die zu einigen Minen führen. Über 20 Kilometer ist die Straße gesäumt von riesigen Felsbrocken mit bizarren Formen, es scheint als habe sie ein Riese wahllos in der Umgebung verstreut. Nach Villa Alota gibt es am nächsten Tag erst bei San Cristobal wieder die Möglichkeit zu tanken. Für mich mit meinem  40 L Tank kein Problem, ich komme noch bis Uyuni, die Neuseeländer müssen aber auf alle Fälle tanken. Wir erreichen kurz nach Mittag Uyuni und genießen nach Tagen  wieder einmal den Komfort einer heißen Dusche. Uyuni ist ein verstaubtes Nest, in den Straßen nehmen die Schlaglöcher manchmal Kratern ähnliche Dimensionen an, aber die Stadt ist voll von Touristen. Denn alle wollen eine Tour über den großen Salzsee unternehmen. Hier treffe ich wieder mal einige andere Motorradfahrer. Die Französin mit ihrem rumänischen Freund, die in Kanada leben und auch von dort mit ihren KLR’s gestartet sind, drei mit braunem Schlamm verkrustete Suzuki V Strom aus Texas.

Am Abend mache ich einen Abstecher zum etwas außerhalb von Uyuni gelegenen Eisenbahnfriedhof. Im herrlichen Abendlicht beginnen die alten verrosteten Loks förmlich zu glühen und geben eine perfekte Fotokulisse ab. Am nächsten Tag geht es hinaus auf den Salar de Uyuni, dem größten Salzsee unserer Erde, mit einer Fläche von 12 000 Quadratkilometern. Meine neuseeländischen Motorradfreunde wollen ihre Bikes lieber nicht „versalzen“, so beschließen sie eine Jeeptour zu buchen. Meine BMW hat schon soviel ausgehalten, wird sie auch etwas Salz überstehen. Am „Ufer des Salars angekommen zögere ich vorerst etwas, denn vor 2 Tagen hatte es in der Region geregnet und der Uferstreifen steht unter Wasser. Das kanadisch/rumänische Paar erzählte mir, dass nur die ersten zweihundert Meter unter Wasser stehen, alles andere ist trocken. Ich sehe mir an welche Spuren die Jeeps der Tourorganisatoren nehmen und folge ihnen mit etwas mulmigem Gefühl. Teilweise steht das Wasser zwischen 20 und 40 Zentimetern, im Slalom geht es durchs Wasser zu einigen „kleineren Inseln“. Nur nicht ausrutschen, ich wage es gar nicht mir auszumalen was passiert, wenn die Alukiste unter Wasser kommt, das wäre der „Salztod“ des Laptops, Filmkamera ….! Endlich erreiche ich den trockenen Teil des Salars und die BMW ist bis zur Scheibe mit den weißen Salzkristallen überzogen. Ganz trocken ist es allerdings die nächsten Kilometer auch noch nicht, eine leicht schmierige Schicht überzieht die Oberfläche. Nach einigen weiteren Kilometer ist der See völlig trocken und die Salzkruste hart wie Beton. Salz soweit das Auge schaut, über „10 Milliarden“ Tonnen, drei bis fünf Meter dick und fest genug, um von Jeeps und sogar von LKW’s befahren zu werden. Im Uferbereich schlagen vermummte Männer mit Äxten Salzblöcke aus dem Boden. Dieses Salz wird in einer alten Mühle im Dörfchen Colchani verarbeitet. So werden über 20 000 Tonnen Salz jährlich für den nationalen Markt gewonnen. Der erste Stopp führt mich zum Salzhotel, wie schon der Name sagt wurde dieses Hotel aus Salzblöcken erbaut, wie auch die Inneneinrichtung. Das Hotel ist mittlerweile nicht mehr in Betrieb und fungiert als Museum. Es macht Riesenspaß über diese Salzfläche zu brettern.

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