VALLE del ELQUI

Es dämmert bereits und Valle del Elqui ist noch 80 Kilometer entfernt. Die Italiener meinen wir könnten ja gemeinsam fahren, da sie das gleiche Ziel haben. Nur die beiden brettern gleich voll los, als wäre es taghell, kann und will da nicht mithalten, denn teilweise ist hier Baustelle und es ist schwer auszumachen wo Löcher und weicher Schotter sind. Endlich ist die Asphaltstraße erreicht und ich kann von der Hauptstraße ins Valle del Elqui abzweigen, in der Ortschaft Pisco Elqui bekomme ich ein Zimmer im von Ossi empfohlenen Hostal.

Pisco Elqui ein netter kleiner Weinort, wie der Name schon sagt, dreht sich hier alles um Pisco, dem traditionellen chilenischen Traubenschnaps. Das ganze Tal hinauf zieht sich der grüne Streifen der Weinberge, sieht aus wie ein bisschen Südtirol mit den Dörfern zwischen den Weinbergen, nur dass hier die einzige Vegetation die Weingärten im Tal sind. In der Nähe von Pisco Elqui besichtige ich ein kleines Weingut, noch ein richtiger Familienbetrieb. Großteils wird hier noch vieles in Handarbeit verrichtet, wie befüllen und etikettieren der Pisco Flaschen. Die Tochter des Hauses führt selbst durch den Weinkeller. Das lustigste allerdings ist das Gewölbe, wo sich in früheren Jahren eine Gruppe von Freunden zu manch einem Trinkgelage getroffen hatten. Sobald einer der Zechkumpane gestorben war, wurde er in diesem Gewölbe bestattet. In einer Nische seiner Gruft wurde dem Verstorbenen ein Teil seiner Lieblingsweinsorte hinterlegt, falls er im Jenseits mal durstig wird. Über jeder Nische ein Schild mit Namen und so manchem Detail wie: „Gran consumidor de piscos“!

Nach einigen Tagen verlasse ich das Valle del Elqui in Richtung La Serena. Immer wieder komme ich an großen Flächen vorbei, wo auf über 100 Meter langen Plastikplanen Weintrauben zum Trocknen ausgelegt sind. Von der Straße aus fotografiere ich wie eine Gruppe von Frauen die getrockneten Trauben in Säcke verpacken. Ein Mann winkt mir zu ich solle doch hereinkommen, dort erklärt er mir, dass die Rosinen bis nach Amerika und Kanada exportiert werden. Zum Abschied schenkt er mir noch ein kleines Säckchen mit frischen Rosinen.

PASO SAN FRANCISCO

Von La Serena geht es in den Norden über Vallenar nach Copiapo und hier wird es richtig heiß, der Beginn der Atacama Wüste. Endlos gerade zieht sich die Straße dahin, keine Abwechslung in der Landschaft, nur hin und wieder einige kleine Büsche. Unterwegs treffe ich zwei australische Motorräder, Al mit seiner Schweizer Freundin Leonie und Pat. Da wir die gleiche Route haben fahren wir gemeinsam nach Copiapo. Die drei wollen auch über den Paso San Francisco, als ich ihnen sage, dass da auf über 450 keine Tankstelle sei, waren sie etwas erstaunt. Denn mit ihren KLR’s hatten sie nur 20 Liter dabei. Am nächsten Tag besorgten sie sich Kanister, da war nur die Frage wie montieren. Aber nach alter australischer Schaftreiber Manier fand Pat schließlich die „Lösung“. In der Garage unserer Motorräder fand er diverse Latten und Rohre, mit einem Strick wurden diese am Heck befestigt und schon war die Halterung  fertig. Links und rechts vom Topcase ein Kanister festgebunden und Leonis Rucksack noch oben drauf! Bin neugierig wie die mit dieser hecklastigen Fuhre auf der Piste zurecht kommen. Irgendwie sind die beiden etwas chaotisch veranlagt. Pat zum Beispiel fuhr mit einem Motorradstiefel und einem normalen Schuh, dachte dass er irgendeine Verletzung hätte und nicht in den Stiefel konnte. Die Antwort war viel einfacher, Pat hatte die Stiefel neu gekauft und sie erst hier in Chile das erste Mal angezogen. Das Problem war, dass der Stiefel nicht unter den Schalhebel passte, so fuhr er mit einem Schuh. Auf meine Frage hin warum er nicht den Schalthebel verstellte war er erstaunt, das geht auch? Er murkste eine Zeit lang am Schalhebel herum ohne in herunter zu bekommen, als ich genauer hinschaute sah ich, dass er versuchte die Schraube verkehrt auf zu machen! Nach meinem Tipp die Schraube doch nach links zu öffnen lies sich der Schalthebel demontieren. Nach der Korrektur war er erstaunt, dass er jetzt mit beiden Stiefel fahren konnte! Mit welchen Chaoten habe ich mich da eingelassen? Es ist schon Nachmittag als wir zum Pass aufbrechen, die ersten Pistenkilometer sind perfekt, kaum ein Schlagloch. Da es hier einige Minen gibt ist die Piste tadellos in Schuss, bin nur gespannt wie lange das so bleibt. Pat und Al sind auch erleichtert, gerade am Anfang mit voller Last ist die Fuhre nicht leicht zu steuern. Anfangs führt die Piste durch ein breites Tal, über einen Pass wo wir eine kleine mit Gras bewachsene und von kleinen Bächen durchzogene Hochebene erreichen. In Serpentinen schraubt sich die Piste auf fast 4000 Meter, die Berge in wunderschönen Brauntönen, die Gipfel am Horizont mit Schnee bedeckt. Am frühen Abend erreichen wir auf 4000 Metern einen Salzsee und dahinter die chilenische Zollstation, ein Riesengebäude in dieser Einöde, als wären da täglich tausende Reisende abzufertigen! Die Formalitäten sind schnell erledigt, da fragt einer der Zöllner wo wir heute schlafen werden, im Zelt natürlich. Da meint er, dass die Temperatur auf Minus 15°C sinken kann. Für mich kein Problem, ich habe ja gute Ausrüstung mit dabei. Als Leoni das hört zuckt sie zusammen, denn ihr Schlafsack ist sehr dünn. Da meint der Zöllner bleibt doch hier, ab 19:00 ist die Grenze eh geschlossen, nur um 09:00 müsst ihr weg sein, denn da wird die Grenze wieder geöffnet. So nächtigen wir in der Abfertigungshalle, mit allem Komfort, wie Strom, Wasser, Toilette und sogar Matratzen bringen uns die Zöllner. Im Eingansbereich werfen wir unsere Benzinkocher an und kochen uns ein warmes Süppchen. Als wir am nächsten Morgen starten ist es noch sehr frostig, aber die Sonne wärmt zusehends. Auch am nächsten Tag bleiben die Pistenverhältnisse tadellos. Die Landschaft mit ihrem grandiosen Farbenspiel in allen rot und braun Tönen begeistert immer wieder. Wir kommen am Ojos del Salado vorbei mit 6879 Metern der höchste Vulkan unserer Erde. Bevor wir die Passhöhe erreichen passieren wir eine Lagune, in der sich die schneebedeckten Gipfel spiegeln.

Wir passieren die Passhöhe bei 4726 Meter und hier beginnt auf der argentinischen Seite wieder der Asphalt. Wir rollen gemütlich die Serpentinen zum argentinischen Grenzposten hinunter, wo wieder der übliche Papierkram auf uns wartet. Wie immer wird alles sehr genau genommen, sicherheitshalber werden die Daten von den Zetteln auch noch in den Computer eingegeben, sicher ist sicher! Mit  Benzin sparen für die Australier wird es nichts, denn nur sehr langsam verlieren wir an Höhe und so ist es nicht möglich die Bikes im Leerlauf ins Tal rollen zu lassen. Endlich ist Fiamabala erreicht, ein Wüstenkaff, hier sagen sich Lama und Guanaco gute Nacht! Wir tanken hier auf, auch für die beiden Aussies ist es sich aufgrund der guten Piste leicht ausgegangen. Die Nacht verbringen wir in Tinogasta, auch so ein Wüstenkaff. Die Unterkunft sehr einfach, ist ja nur für eine Nacht. Zwei „Restaurants“ ansonsten  hat der Ort nicht viel zu bieten. Die dörfliche Jugend zieht mit ihren lauten Mopeds unentwegt ihre Runden um den Dorfplatz, ohne Licht und Helm, hier ist alles erlaubt!

Weiter geht es von Tinogasta nach Cerro Negro, wo wir nördlich nach Belen abzweigen. In Belen treffen wir an der Tankstelle eine Gruppe Neuseeländer mit 7 Motorrädern und einem Begleitfahrzeug, sie sind unterwegs über Bolivien und Peru wieder zurück nach Santiago. Wir sind überrascht über die gute Asphaltstraße, auf der Karte ist hier für die ganze Strecke Piste verzeichnet, nur etwa 30 Kilometer sind Schotter, gespickt mit einigen Bachdurchfahrten. In einiger Entfernung begleitet uns die Sierra Aconouija mit ihren schneebedeckten Gipfeln. In Aimacha del Valle machen wir Pause zu einem verspäteten Mittagessen, es gibt Pfeffersteak  mit einer exzellenten Pfeffersauce. Obwohl es schon spät ist möchte Leonie unbedingt die Ruinen von Quilmes sehen, diese Anlage entstammt der Prä-Inka-Zeit. Die Anlage erstreckt sich am Fuße eines Hügels terrassenförmig, zu sehen sind nur mehr die Grundmauern. Dazwischen stehen immer wieder über 5 Meter hohe Kakteen. Es ist schon sehr spät als wir Quilmes verlassen, so erreichen wir Cafayate erst bei Dunkelheit. Wir finden aber trotzdem in der Nähe des Hauptplatzes schnell ein Quartier. „Hospedaje Familiar“, (S 26 04.277 W 65 58.400) wie der Name schon sagt, sehr familiär. Unsere Motorräder können wir gleich im Eingangsbereich parken, ist zugleich eine Art Wohn-, Eß- und Bügelzimmer. Die Zimmer einfach – sauber, das Bad ganz neu, eine nette Atmosphäre! Cafayate ist ein netter Weinort mit alter Kolonialarchitektur, gemütlichen Lokalen und mit gutem Wein. Die Australier und Leonie wollen am nächsten Tag schon weiter fahren, mir gefällt es hier und ich hänge noch einen Tag an. Wir verabreden uns, dass sie mir ein Mail senden wo sie in Salta wohnen. Etwas außerhalb von Cafayate, liegt die Quebrada Cafayate, eine Schlucht mit faszinierenden Felsformationen. Nicht nur die Formationen können begeistern, sondern auch die Farben in den verschiedensten Rot- und Brauntönen. Die Stadt ist umgeben von riesigen Weingütern, mit einem kleinen Unterschied zu unseren Weingärten stehen hier teilweise riesige Kakteen zwischen den Weinreben. Bevor ich am nächsten Tag aufbreche rufe ich noch mal meine Mails ab, keine Antwort von den Australiern wo sie stecken, na dann eben nicht. Als ich aus dem Internetkaffee komme treffe ich einen der Neuseeländer wieder, wir plaudern eine Weile und es stellt sich heraus, dass sie dieselbe Route vorhaben wie ich, über die Lagunen in Bolivien nach Uyuni. Wir verabreden uns an der Grenze wieder zu treffen.

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