SAN CARLOS de BARILOCHE

Die Stadt wird aber meist nur Bariloche genannt. Bariloche der Urlaubsort der Region schlechthin, fast alles ist hier möglich. Im Sommer Trekking, Raften, Kanu, Reiten, Montainbiken uvm. und im Winter ein Nobel Schiort. Viele Häuser der Stadt auf Alpenländisch mit viel Holz getrimmt und dazu natürlich allerhand an Touristenkitsch.

Bariloche ist auch als die Schokoladen Hauptstadt Argentiniens bekannt. Man stolpert hier von einem Schokoladen in den nächsten, alle Variationen von Schokolade wird hier angeboten: Ein Paradies für Schleckermäuler, wenn nur nicht die Kalorien wären und natürlich hat hier auch alles seinen Preis! Preis hin, Kalorien her, einige Kostproben können ja nicht schaden, wenn ich nur aufhören könnt………!

Bariloche liegt am Lago Nahuel Huapi im gleichnamigen Nationalpark. Starte am Vormittag die obligate Seerundfahrt nach Llao Llao zum Aussichtspunkt auf das Hotel auf der Halbinsel, das Postkartenmotiv schlechthin. Hier spricht mich ein älterer Mann an, ah ein Oberösterreicher. Er erzählt mir, dass er in Brasilien wohnt und in den fünfziger Jahren ausgewandert ist, seine Jugend hat er allerdings in der Nähe von Wels verbracht, was ich immer sage „die Welt ist ein Dorf“! Auf der Rückfahrt nach Bariloche mache ich einen Halt an einer windstillen Bucht und lege mich in die Sonne und schon kommt wieder eine Wolke, es reicht aber doch, dass ich mir im Gesicht einen Sonnenbrand hole. Bei einem Fotostopp treffe ich zufällig Darren wieder, der nur einen Tag vor mir hier eingetroffen ist, auch ihn hat es fürchterlich „abgewaschelt“. Zurück im Hostel steht eine Transalp mit deutschem Kennzeichen vor der Tür, es sind Silke und Oliver. Beim Abendessen erzählt Oliver, dass er erst im vorigen Jahr den Motorradführerschein gemacht hat und sie sich auf einer sieben monatigen Südamerika Tour befinden! Nach einigen Tagen reicht mir der Rummel hier und ich breche auf Richtung San Martin los Andes. Keine zwanzig Kilometer hinter Bariloche treffe ich ein deutsches Paar mit seinen Motorrädern, sie sind schon seit über eineinhalb Jahren unterwegs. Nach dieser langen Zeit sind sie daher auch schon etwas reisemüde und wollen in den nächsten Wochen ihre Heimreise vorbereiten.

SAN MARTIN los ANDES

Bei La Lipela verlasse ich die Hauptstraße und nehme die Piste durch den Nationalpark Lanin, um nach San Martin los Andes zu gelangen. Die Piste windet sich durch ein Tal mit interessanten Felsstrukturen, mal mit einzeln stehenden Felstürmen mit über fünfzig Metern Höhe, dann wieder von Erosion zerfurchte Felswände. Serpentinen winden sich den Berg hinauf und von einer Passhöhe mit über 1200 Metern habe ich einen herrlichen Ausblick über einen Teil des Nationalparks. Nach der Passabfahrt  führt die Piste entlang eines Wildbaches, das Tal weitet sich und am Ende liegt ein See. Hier wurde die Piste in den Hang hineingeschlagen, teilweise senkrechte Wände zum See hinunter. Hier gibt es keine Absicherung mit Leitschienen oder dergleichen, da sollte jeder auf Sicht fahren. Was natürlich von den Argentiniern nicht wirklich praktiziert wird. Die donnern mit ihren Geländewägen um die Ecken. eine riesige Staubwolke aufwirbelnd, als wären sie alleine auf der Piste. Da muss ich mit dem Motorrad gehörig aufpassen, denn hier bin ich der letzte in der Hierarchie. Beim Lago Hermoso erreiche ich wieder den Asphalt, die Wolken ziehen wieder zu und es wird empfindlich kühl. Entlang des Lago Lacar erreiche ich in einem Talkessel eingebettet San Martin los Andes. Hier quartiere ich mich im Puma Hostel ein, nettes Hostel und auch nette Leute hier anzutreffen.

In San Martin reiht sich ein Outdoor Shop an den anderen, dazwischen jede Menge Agenturen die Rafting, Kanutouren, Reiten und viele andere Freizeitaktivitäten anbieten, im Winter auch Schifahren! So hat es in dieses abgelegene Gebiet vor etwa 20 Jahren einen Österreicher verschlagen, der hier ein Geschäft mit Namen „Austria Ski Ranch“ gründete. Leider ist der Mann vor 10 Jahren schon verstorben, das Geschäft wird allerdings von seinen Kindern weiter geführt.

Von San Martin mache ich einen Tagesausflug zum Lago Huechulafquen, schon bevor ich den See erreiche sehe ich ihn schon markant aus der Ebene aufragen, den Vukan Lanin. Majestätisch steht er hier an der Grenze Argentinien/Chile, nur hin und wieder umkreisen kleine Wolkenfetzen seinen Gipfel.

Nach einigen Ruhetagen in San Martin bin ich wieder unterwegs in Richtung Chile.

Über Lolog führt die Piste durch Farmland und mitten im Nichts plötzlich die argentinische Grenzstation eine kleine Hütte, sieht eher mehr nach einem kleinen Wochenendhäuschen aus. Kann es gar nicht glauben, der Zöllner kommt im Laufschritt vom dahinter liegenden Wohnhaus, was ist in den gefahren, die Abfertigung ist in fünf Minuten erledigt, so schnell kann es in Argentinien auch schon mal gehen!

Zur Grenze sind es von hier noch über fünfzig Kilometer. Nach der Grenzhütte zweigt die Piste ab und führt mitten durch den Nationalpark Lanin. Immer wieder durchschneidet die Piste kleine Araukarien Wälder und führt entlang zweier Seen mit wunderschönen Lagunen. Nach einer Kurve steigt die Piste plötzlich an, ich habe einen zu niedrigen Gang, mir verreißt es den Lenker an einem großem Stein und schon liegt die ganze Fuhre im Straßengraben. Wie bringe ich die schwere Maschine hier wieder raus? Beginne mit dem Abpacken und versuche sie heraus zu ziehen, ist aber etwas problematisch, denn der Straßengraben ist ziemlich weich, hier wurde vor kurzem gebaggert. Immer wieder rutscht die Maschine in den Straßengraben zurück und heiß ist es außerdem. Zuerst einmal verschnaufen, das nächste Auto wird ja eh bald kommen, auf den letzten Kilometern sind mir immer wieder Autos begegnet! Nur in dieser Situation kommt natürlich keiner! So beginne ich mit den Händen eine Rinne zu graben um die Maschine heraus zu hieven. Nach über eine dreiviertel Stunde schweißtreibender Arbeit ist es geschafft. Fahre die Maschine auf eine flache Stelle, hole das Gepäck und kaum bin ich fertig kommt ein Auto um die Kurve, wie soll es anders sein! Je weiter es den Berg hoch geht desto heftiger wird der Zustand der Piste, immer wieder rutschige Passagen mit tiefen Furchen. Auf einer kleinen Lichtung ein großes Holzgestell, der Paso Carirrine, die Grenze Chile Argentinien. Von hier führt die Piste steil bergab, übersät mit großen Steinen wo ich dann den chilenischen Grenzposten, idyllisch am Waldrand gelegen erreiche.

Es folgt wie immer der übliche Papierkram und auch die Fragen des Veterinärs ob ich Fleisch oder Milchprodukte mit führe. Immer wieder überquere ich Brücken mit den verschiedenen Gewichtslimits, mal 9 Tonnen, mal 3 Tonnen, das wechselt sich immer wieder ab. Was macht nun jener der über 3 Tonnen wiegt und vorher schon die 9 Tonnen Brücke passiert hat? Ja die chilenischen Bürokraten haben hier scheinbar wieder zugeschlagen. Langsam komme ich aus den Bergen heraus und es wird flacher, der Nachteil, die Autos brettern mit Höllentempo über die Schotterstraße und ich schlucke gewaltig viel Staub. Bevor ich den Lago Calafquen erreiche muss ich noch mal über eine Bergstraße und von hier habe ich einen wunderschönen Ausblick auf den Vulkan Villarica. Conaripe ist ein kleiner chilenischer Urlaubsort, ich schlage mein Zelt auf einem kleinen Campingplatz auf, alles sehr einfach, aber für eine Nacht reicht es. Am See fühle ich mich sofort wie zu Hause, es sieht fast aus wie am Attersee, mit dem einen Unterschied, der Sand ist schwarz, feinster Lavasand.

PUCON

Am nächsten Tag fahre ich weiter nach Pucon, die Stadt mit viel Holz auf etwas Alpenländisch getrimmt. Eine Hochburg für Trekking, Montainbiken, Rafting und Reiten. Beziehe hier ein Zimmer bei Franz Sums einem gebürtigem Niederösterreicher aus St. Peter/Au www.southern-sky-chile.cl, Franz ist derzeit in Österreich als Schilehrer tätig. Das Hostal führt seine Frau Franziska, eine gebürtige Chilenin, die perfekt Deutsch spricht. Ein gemütliches nettes Haus und zum Frühstück gibt es von Franziska selbst gebackenes Schwarzbrot, welch ein Leckerbissen nach dem vielen Weißbrot. Am selben Abend kommen auch Ossi und Jörg aus Santiago an, die beiden wollen in den Süden nach Patagonien. Ossi kennt hier ein ausgezeichnetes Parilla Lokal, die Fleischplatte wird mit erlesenem chilenischem Rotwein kombiniert und es wird eine lange Nacht. So mache ich es mir am nächsten Tag gemütlich um für die Besteigung des Vulkans Villarica fit zu sein. Die Ausrüstung dazu bekomme ich von Franziska, denn am Eingang vom Nationalpark wird kontrolliert ob man Steigeisen, Pickel, Helm dabei hat. Komme leider erst um sieben weg, da mich mein Wecker im Stich gelassen hat. Nach 25 Kilometern habe ich den Parkeingang erreicht, der Ranger sieht mich etwas schief an, mit dem Motorrad auf den Vulkan? Als ich ihm meine Ausrüstung zeige ist er beruhigt. Vom Parkeingang sind es noch 8 Kilometer zur Schistation und von dort geht der Aufstieg los. Man kann den ersten Teil auch mit dem Lift zurücklegen, ich will aber alles zu Fuß machen, so erreiche ich erst um 09:00 die Bergstation. Hier wird noch mal alles kontrolliert, vom Ticket bis zur Ausrüstung. Der erste Teil führt eine Stunde durch Geröll, dann ist der Gletscher erreicht. Es sind zwar Tritte im Gletscher, ziehe aber trotzdem die Steigeisen an um einen sicheren Halt zu haben. Es sind schon einige geführte Touren vor mir unterwegs und einige habe ich am Gletscher eingeholt. Die Führer gehen mit diesen Gruppen ohne Steigeisen, denn sie sparen so Zeit fürs Anlegen, „Time is Money“, wie mir später Franziska bestätigt. Ein etwas riskantes Unterfangen, denn die wenigsten, wenn man sie beobachtet haben Berg- oder Gletschererfahrung. Von hier oben bietet sich mir ein herrlichen Ausblick über die Seenregion, mit dem Lago Villarica, Lago Coligo und den Lago Calafquen. In einigen Tälern der Umgebung liegen noch die Morgennebel. Ich habe den Gletscher hinter mir, nun heißt es die Steigeisen ablegen denn das letzte Stück zum Kraterrand führt wieder über Fels. Nach 5 Stunden habe ich es geschafft, ich stehe am Kraterrand des noch immer aktiven Vulkans. Immer wieder stößt er mit einem dumpfen Rumoren und Grollen Rauchwolken aus, schon irgendwie ein eigenartiges Gefühl, hier am Schlund zum Erdinneren zu stehen. Faszinierend auch die Farben des Kraterrandes, ein Teil der Kratersenke ist noch von einem Gletscherrest bedeckt, der teilweise wie geschmolzener Käse in den Krater hinein reicht.

Bei der Umrundung des Kraters trifft mich eine Schwefelwolke, ich kann die Luft nicht rechtzeitig anhalten, sofort spüre ich den beißenden Gestank des Schwefels in meinen Lungen! Am Horizont erkenne ich noch weitere Vulkane, unter ihnen der Lanin an der Grenze zu Argentinien. Der Abstieg macht richtig Spaß, sobald ich den Gletscher wieder erreicht habe. Denn ich habe wie alle anderen auch eine „Windelhose“ dabei. Diese Kunststoffmatte schnallt man sich wie eben eine Windelhose um und rutscht so den Gletscher hinunter. Es gibt schon richtige Bahnen, ähnlich einer Bobbahn, aber Vorsicht es gibt einige Abgründe, um rechtzeitig zum Stehen zu kommen nimmt man den Pickel zum Bremsen. Mit dieser Methode spare ich mir einige Stunden Abstieg. Auch das letzte Stück durch den weichen Lavasand bringe ich schnell hinter mich. Zur Belohnung gönne ich mir am Abend ein schönes Steak mit einem ausgezeichneten chilenischen Roten und zur Abrundung darf ein „Helado“ nicht fehlen.

Nach einigen Tagen in Pucon fahre ich in Richtung Süden nach Osorno, wo etwa 90 Kilometer südlich der gleichnamige Vulkan steht. Am Lago Llanquihue schlage ich mein Zelt am Ufer gelegenen Campingplatz auf. Der riesige See hat eine Brandung, dass ich glaube am Meer zu sein. Am nächsten Morgen, alles grau in grau, die Nebeldecke hängt tief über dem See und es ist kalt. So breche ich mein Zelt ab um schnell wieder in den Norden zu kommen, denn Kälte habe ich im Süden genug gehabt.

Von Osorno nach Temuco nehme ich die Autobahn, hier ist allerhand los. Da derzeit Getreideernte ist fahren auch die Mähdrescher auf der Autobahn um schneller zum nächsten Feld zu kommen. Auch ein alter Mann ist am Pannenstreifen mit seinem Ochsengespann unterwegs um Holz nach Hause zu bringen, kurz links, rechts geschaut und schon überquert er beide Fahrbahnen um über die Böschung zu seinem Haus zu gelangen. Apropos Autobahn, Chile ist ein sehr Radfahrer freundliches Land, denn am Sonntag ist eine Spur gesperrt für Radfahrer!

Nach Temuco zweige ich nach Curacautin ab um mir am Lago Gualletue einen der letzten großen Araucarien Wälder anzusehen. Am Weg dorthin finde ich immer wieder Deutsche Spuren, wie ein Schild zum „Cafe Aleman Augsburg“ wo es neben Chocolate Caliente auch Kuchen gibt. Um zum Wald zu gelangen muss ich noch durch den 4 Kilometer langen Tunnel Las Raices, da er einspurig ist, gibt es hier Ampelregelung und Maut wird eingehoben! Nach dem Tunnel führt eine relativ gute Piste über 20 Kilometer  teilweise in Serpentinen den Berg hinauf. Und hier stehen sie die riesigen Araucarien mit ihren spitzen, harten Blättern, sie sehen aus wie riesige Staubwedel. Am Ende des Sommers werfen die Bäume riesige Zapfen ab, deren Samen nur von von den Mapuche, (die Ureinwohner dieser Region) gesammelt werden dürfen. Diese Samen waren früher Hauptbestandteil ihrer Nahrung. Frühere Rodungen haben tiefe Wunden in diese Wälder geschlagen, diese freien Flächen werden jetzt von Bambus überwuchert, der alle anderen Gewächse verdrängt. Am Ufer des Lago Gualletue, schlage ich mein Zelt auf  einem kleinen Campingplatz auf, der von einigen Mapuche Familien betrieben wird. Die Einrichtungen sehr einfach, eine Toilette und einige Wasserhähne die im Gelände verstreut stehen, ansonsten Natur pur.

Am nächsten Tag nehme ich ab Victoria die Autobahn über Los Angeles, Chillan und erreiche am Abend die Weinregion bei San Javier. An der Ortseinfahrt stehen einige große Weingüter, der Ort wirkt mit seinem Baustil ganz nett. Im Gegensatz zur Besitzerin des Hotels, eine grießgrämige Alte. Habe aber keine andere Wahl, es dämmert bereits und scheinbar gibt es nur diese eine Unterkunft!

Da ich in einer Weinregion bin sollte es hier auch Wein geben, glaube ich. In sämtlichen Lokalen war kein Glas Wein zu bekommen! Heurigen Lokale wie bei uns in der Wachau oder der Südsteiermark sind hier unbekannt, hier wäre „Entwicklungshilfe“ notwendig!

SANTIAGO II

Je weiter ich nach Santiago komme desto fruchtbarer wird die Region, riesige Weingärten wechseln mit Pfirsich-, Äpfel- und Orangenplantagen ab. Die Bauern haben gleich am Pannenstreifen ihre Obststände aufgebaut, völlig normal hier.

Am frühen Nachmittag erreiche ich Santiago und finde auch schnell wieder zum Haus von Ossi. Da Ossi derzeit in Patagonien auf Urlaub ist, habe ich ein ganzes Haus mit einem herrlichem Garten und Pool für mich alleine, (danke Ossi)!

Nachdem es am Abend kühler geworden ist beginne ich mit dem Service am Motorrad. Der erste Zylinder ist fertig ist, beim Abnehmen des zweiten Ventildeckels mache ich eine „fürchterliche“ Entdeckung, die Ventilfeder des Einlassventils ist gebrochen. Die beiden Teile haben sich aber so verklemmt, dass sie klaglos funktionierten, scheinbar schon über tausend oder mehr Kilometer! Mir ist zwar schon unterwegs einige Male aufgefallen, dass der rechte Zylinder etwas lauter ist, die alte BMW klappert halt, ist ja normal! Endlich wieder ein neues Problem, hatte bisher eh kaum welche. Mit viel Glück bin ich einem kapitalen Motorschaden entgangen. Am Montag Vormittag fahre ich zu BMW Chile, komme aber nur ca. 1 Kilometer, denn der Motor läuft nur auf einem Zylinder, zurück zum Haus. Muss mir einen Anhänger besorgen, denn die Werkstätte ist etwa 35 Kilometer entfernt. Hilfe erhalte ich von Günter Bauer, einem gebürtigen Vorchdorfer, dem Besitzer der Sommerrodelbahn www.rodelbahn.cl, (übrigens die einzige Sommerrodelbahn in ganz Südamerika). Außerdem besitzt er einen Hubschrauber, mit dem man Rundflüge unternehmen kann. www.helichile.cl

Er bringt mir die BMW in die Werkstätte. Der Werkstattmeister von BMW Chile sagt mir, dass die Feder nicht auf Lager ist, er muss sie in München bestellen und wird erst die Woche darauf am Mittwoch hier sein! Es bleibt mir nichts anderes übrig als das hinzunehmen. Zum Feder einbauen müsse er auch den Zylinderkopf abnehmen, ich erkläre ihm über Günter als Dolmetscher, dass das nicht notwendig ist, er lässt aber nicht ab davon. Ganz klar, mehr Arbeit, mehr Kohle! Glück im Unglück, von Peter (einem weiteren Oberösterreicher) der in Santiago lebt erfahre ich, dass am Freitag seine Schwiegereltern zu Besuch kommen. Wenn die Teile rechtzeitig, bis Donnerstag in Linz sind bekomme ich sie am Freitag. Sofort ein Mail zum BMW Händler in Steyr, der Antwortet mir dass die Teile um Donnerstag früh abholbereit sind. Anruf bei BMW Chile, dass die Teile Freitag in Santiago sind und er sie nicht in München bestellen braucht.  Der Werkstattmeister sagt mir zu wenn er die Teile bis 13:00 hat, kann er sie mir noch am Freitag einbauen, ein Lichtblick! Alles funktioniert „just in time“, Marika holt die Teile und bringt sie rechtzeitig nach Linz, ich bekomme die Teile um 11:00 sofort zu BMW, wo ich sie um 11:30 dem Werkstatmeister voller guter Hoffnung übergebe. Er meint aber, dass etwas Dringenderes dazwischen gekommen ist und erst am Montag mit der Reparatur begonnen werden kann! Rufe sofort Günter an, der dolmetscht und erklärt ihm, dass ich auf Weltreise bin und eh schon eine Woche verloren habe und erinnert ihn an sein Versprechen, es bleibt bei Montag. Am Montag bin ich mit Ossi um 08:00 bei BMW Chile wie vereinbart, aber der Werkstattmeister erscheint erst um 09:00. Nehme meine G/S mit, denn am Wochenende habe ich beim Österreicher Stammtisch erfahren, dass es hier einen Mechaniker gibt der dies auch kann, ohne Zylinderkopf abnehmen. Die Ventilfeder wurde gewechselt und seit Montag Nachmittag läuft die BMW wieder. Übrigens mit BMW Chile hatte ich von Anfang an ein ungutes Gefühl, denn vor meiner Abreise hatte ich schon mit BMW Chile (Motorrad) Kontakt aufgenommen ob sie nicht einen Kontakt in Südchile hätten, denn ich würde gerne einen Satz Reifen dort deponieren. Diese Anfrage habe ich an 3 verschiedene Herren im Bereich Motorrad gesendet. Leider BMW typisch, habe ich keine einzige Antwort erhalten. Dieselbe Anfrage habe ich über Ossi an KTM in Punta Arenas gerichtet, wo ich noch am selben Tag eine positive Antwort bekam!

PASO AQUA NEGRA

Nachdem nun doch alles gut ausgegangen ist packe ich meine Sachen und breche auf in den Norden über Los Andes nach Argentinien, diesmal gleich durch den Tunnel nach Uspallata und über Mendoza nach San Juan, das ich am frühen Abend erreiche. Bei der Suche nach einem Hostal hilft mir ein argentinischer Motorradfahrer, der mich durch die Stadt zum Hostal lotst. Am nächsten Tag zweige ich nach San Juan bei Talacasto nach Las Flores ab, die kaum befahrene Straße führt durch wunderschönes Bergland, bin mir gar nicht bewusst wie hoch ich hier bin, mein GPS zeigt schon wieder über 2500 Meter an. Bei Las Flores zweige ich ab zum Paso Agua Negra, vorher tanke ich noch mal voll, denn die nächste Tankstelle ist über 350 Km entfernt in Chile. Die Piste schraubt sich durch Täler mit faszinierenden Farben immer höher hinauf, das GPS zeigt schon über 4000 Meter an. Von der Ferne kann ich schon die ersten Eisfelder erkennen. Kurz unter der Passhöhe tauchen die ersten Büssereisfelder auf. Beeindruckend die spitzen Türme die der Wind aus dem Eis geformt hat. Auf der chilenischen Seite wird das Farbenspiel am späten Nachmittag immer grandioser, da gibt es kein halten mehr, immer und immer wieder bleibe ich stehen um zu fotografieren. Die Sonne sinkt immer tiefer und die Grenzstelle im Tal ist noch weit. Plötzlich überholen mich zwei GS 1200 mit italienischem Kennzeichen. An der Grenzstelle treffe ich sie wieder, Vater und Sohn aus Mailand. Die Grenzabfertigung dauert endlos lange, scheinbar gibt es keine Standards, denn an jeder Grenze gibt es trotz gleicher Formulare immer wieder eigene Vorgangsweisen.

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