Nachtrag Torres del Paine

Am nächsten Morgen sitze ich am Campingplatz in der Sonne beim Kaffee, über den Torres leichter Nieselregen, der reicht aus um einen riesigen Regenbogen über das Massiv zu spannen. Am nächsten Tag stand eigentlich der Grey Gletscher am Programm, das wäre eine Tagestour gewesen, beim Gletscher zelten und am nächsten Tag wieder zurück wandern. Aber wie sooft spielt das Wetter nicht mit und so beschließe ich, das Torres Massiv zu verlassen. Am Weg aus dem Nationalpark sind wieder einige Radfahrer unterwegs, für die ist es hier ganz schön hart, nicht nur wegen der Wetterbedingungen, auch der Wind macht denen ganz schön zu schaffen. Selbst mir oder besser gesagt meinem Bike wird er zum Verhängnis, während ich an einem Aussichtspunkt fotografiere schmeißt mir doch glatt der Wind das Bike um. Ganz schöner Kraftakt die vollbeladene Fuhre wieder auf zu stellen. Am Weg zur Grenze tauchen immer wieder in unmittelbarer Nähe der Straße ohne Scheu größere Gruppen von Guanocos auf.

Die Grenzposten, wie üblich einige Kilometer von einander entfernt, so ganz können die Chilenen und die Argentinier noch immer nicht mit einander. Der argentinische Posten sieht nur von außen nach einem Grenzposten aus. Denn im Inneren dominiert die Tischtennisplatte und dazwischen werden von den „Grenzbeamten“ in Jogginghosen die Formalitäten erledigt, sieht echt gemütlich aus. Obwohl auf der Karte anders eingezeichnet, beginnt urplötzlich Asphalt, habe gar nichts dagegen. Dieser Genuss wärt aber nicht allzu lange und schon beginnt wieder das bekannte Ripio (Wellblechpiste). Dazu kommt auch nun der Wind, der an manchen Stellen sehr böig  und kalt bläst. Als ich endlich das Ripio hinter mir habe erreiche ich ein Strassenbaucamp, stelle mich hinter einem Container um windgeschütz etwas Pause zu machen und einige Kekse zu verdrücken. Da öffnet ein einsamer Bauarbeiter die Türe und meint ich solle doch reinkommen. Ein netter Kerl, er bietet mir sofort Tee an, der hat etwas übrig für ausgefrorene Motorradfahrer. Der Mann hat hier einen ruhigen Job, in wenigen Tagen kommen seine Kollegen wieder vorbei, bis dahin vertreibt er sich die Zeit mit Fernsehen. Da kommt plötzlich Leben in die Pampa, einige Gauchos treiben eine Schafherde über die Straße um sie auf eine andere Weide zu bringen. Sofort schnappe ich mir die Kamera um mit dabei zu sein, kaum aus der schützenden Hütte heraußen, habe ich gegen den Wind an zu kämpfen. Für die Gauchos ist das Stress pur, denn die Herde muss über die Straße bevor die nächsten Autos kommen. Auch die Gauchos in der Pampa gehen mit der Zeit, zum Zusammentreiben der Tiere werden nicht nur mehr Pferde benützt. Der moderne Gaucho fährt schon mit der Motocross Maschine.

PERITO MORENO Gletscher

Bevor es richtig kalt wird erreiche ich El Calafate, den Ausgangspunkt zum Gletscher Perito Moreno. El Calafate, Tourismus pur, jede Menge Agenturen und natürlich Souvenirgeschäfte ohne Ende. Von El Calafate sind es noch über 70 Kilometer bis zum Gletscher, ich breche zeitig auf, es ist noch etwas kühl obwohl die Sonne scheint. Die Straße schlängelt sich am Abfluss des Gletschers entlang, am Tor zum Nationalpark sind natürlich die üblichen Gebühren zu entrichten. Ein faszinierender Anblick wie sich der Gletscher in den Fluss schiebt, übrigens einer der letzten Gletscher unserer Erde, die noch wachsen. Es sind erst wenige Autos am Parkplatz, so habe ich die Aussichtsterrasse fast für mich alleine. Immer wieder ist ein Knacken und Knarren im Gletscher zu hören, fast gespenstisch. Der Himmel verzieht sich, leichter Regen und Wind kommen auf, nicht all zu gemütlich um darauf zu warten, dass ein großer Brocken Eis in den See stürzt. Dann kommt wieder kurz die Sonne zum Vorschein, aus den Eisspalten schimmert es blau und laufend ändert sich die Stimmung.  Hin und wieder stürzt ein kleineres Stück Eis ins Wasser, aber der große Brocken, auf den alle warten, mittlerweile sind die ersten Busse angekommen, will heute einfach nicht. Zum Wind gesellt sich leichter Nieselregen, die Kälte dringt durch die warme Jacke. Nach über eineinhalb Stunden mache ich einen Positionswechsel zur Südseite des Gletschers. Plötzlich ein lauter Knall, ich kann noch durch die Bäume sehen wie ein riesiger Zapfen mit lautem Getöse ins Wasser eintaucht. Das darf ja nicht wahr sein, aber was soll es, ist einfach die Natur, die lässt nicht mit sich bestimmen. Vom Südgletscher steige ich auf zur mittleren Plattform, versuche zum Schluss hier noch mein Glück. Mir wird immer kälter, es reicht, bin schon dabei das Stativ abzubauen, da ein fürchterlicher Knall. Ein riesiger Eisbrocken löst sich aus der Eiswand, ich kann noch rechtzeitig den Auslöser drücken und der Motor rattert ein Bild nach dem anderen durch. Herrlich, eine schöne Serie, wie der Zapfen stufenweise mit lautem Getöse ins Wasser eintaucht. Das Warten hat sich also doch noch gelohnt. Am Nachmittag unternehme ich eine Bootstour zur Gletscherwand. Obwohl das Boot einen Sicherheitsabstand von etwa hundert Metern hält, ist der Anblick gewaltig, über fünfzig Meter hoch ragt die Gletscherwand aus dem Wasser.

Da es schon später Nachmittag ist mache ich mich auf den Weg zurück nach El Calafate. Packe zusammen und versuche noch El Chalten, den Ausgangspunkt für Wanderungen zum Fitz Roy zu erreichen. Kaum habe ich El Calafate hinter mir gelassen bläst mir schon wieder der Wind um die Nase. Entlang des Lago Viedma mit seinem tiefblauem Wasser, wird der Wind immer heftiger und peitscht die Wellen hoch. Teilweise kommt der Wind sehr böig von der Seite und die letzten hundert Kilometer bläst er mir direkt ins Gesicht, das lässt natürlich auch den Verbrauch um einiges steigen. Die Temperaturen am Abend in El Chalten sind alles andere als freundlich. Bekomme hier auch leider die Info, dass für die nächsten Tage Regen angesagt ist! Nein kein Regen mir reicht die Kälte, auf in den (hoffentlich) wärmeren Norden.

RUTA 40

Nach Norden nehme ich die berühmt-berüchtigte Ruta 40, von der man alle möglich Horror Geschichten hört. Bis Tres Lagos gibt es Asphalt, dann beginnt das Ripio. Die Piste eigentlich ganz in Ordnung, ja, wenn da nicht der Wind dazu kommen würde. Manchmal mehr – mal weniger, heftig bläst er von der Seite und versucht mich von der Piste zu drängen. Die fahrbare Rinne ist relativ schmal und sobald mich der Wind in den Schotterhaufen daneben drängt, muss ich aus der Schräglage aufmachen ansonsten würde ich sofort wegrutschen. Um nicht in den Strassengraben gedrängt zu werden, fahre ich immer auf der linken Seite, so habe ich genug Platz um bei einer heftigen Böe auf der Straße zu bleiben. Was natürlich nicht immer gelingt, einmal kann ich einen kleinen Ausrutscher (zum Glück bei niedriger Geschwindigkeit) nicht mehr verhindern. Die ganze Fuhre wieder aufzustellen ist dann natürlich eine andere Sache. Jetzt weiß ich was Wind in Patagonien bedeutet, denn der Wind in den Süden nach Ushuaia war im Vergleich dazu ein laues „Lüfterl“. Und ich habe mich schon gewundert, was die immer mit dem Wind in Patagonien haben, ist ja eh nicht schlimm! Teilweise versuche ich irgendwo, wenn möglich stehen zu bleiben um etwas zu verschnaufen und einige Auflockerungsübungen zu machen und die Schultern zu entspannen. Fotografieren ist auch kaum möglich, der Wind bläst überall den Sand und Staub rein und die Kamera möchte ich auch nicht unbedingt ruinieren. Ganz banale Dinge werden hier zur Schwerstarbeit, eine gewisse Menge an Flüssigkeit braucht man auch hier. Das Problem für mich bei dem Wind ist, das „Abwasser“ zu entsorgen. Sobald der Drang zu groß wird, muss ich erst einmal versuchen einen halbwegs sicheren Standplatz für mein Bike zu finden, was kaum möglich ist. So versuche ich irgendwie mein Bike zu stützen, obwohl es am Hauptständer steht  und gleichzeitig mein „Geschäft“ zu verrichten! Zum Glück dreht kurz vor Tamel Aike die Piste gegen Nordwest, da bläst mir dann der Wind ins Gesicht, ist dann richtig „entspannendes“ fahren. Aber das dauert natürlich nicht allzu lange und Richtung Norden bekomme ich wieder die volle Breitseite ab. Plötzlich mitten in der Pampa, feinster Asphalt, geschafft denke ich mir. Keine 80 Kilometer später war es das auch schon wieder, wäre ja zu schön gewesen. Landschaftlich hält sich die Ruta 40 auch in Grenzen, einige wenige Stellen wären es wert gewesen ein Foto zu machen, nur der Wind ließ es nicht zu. Der Tag zieht sich dahin und Bajo Caracoles scheint nicht näher zu kommen, aber dann habe ich es doch geschafft und selbst bin ich das auch! Bei einem kleinen Hotel steht schon eine BMW 650 mit chilenischem Kennzeichen, stelle meine gleich daneben ab. Nach der heißen Dusche wäre noch eine Massage ein Traum, nur einen Wellness Bereich hat diese Kategorie von Hotel leider nicht zu bieten. Beim Essen, (es gibt Einheitsmenü, Lamm mit Gemüse, schmeckt aber gut) lerne ich den BMW Fahrer kennen, es ist Darren aus Perth. Darren hat sich die BMW in Santiago gemietet und ist damit auch schon 3 Monate unterwegs. Es stellt sich heraus, dass wir am Morgen dieselbe Route über den Passo Rodolfo Roballos haben. Wir verlassen Bajo Caracoles nach einem gemütlichen Frühstück, die Piste führt anfangs durch welliges Gelände. Zwei Seen tauchen auf, deren Wasser tiefblau zu uns herauf schimmern. Umrahmt wird die Landschaft von einem Gebirgszug, der die Grenze zu Chile darstellt. Langsam lassen wir das trockene Gebiet hinter uns, die ersten grünen Weiden tauchen auf. Über dem Grenzgebirge tauchen erste Regenwolken auf, die uns aber nur leicht streifen, von irgendwo muss ja auch das saftige Grün kommen. Eigentlich hatten wir vor am Gebirge entlang auf der argentinischen Seite weiter zu fahren. Ein Argentinier kommt uns mit seinem Geländewagen entgegen und meint wir hätten keine Chance , denn auch er ist schon stecken geblieben. Oben in den Bergen hatte es heftig geregnet, also nichts mit der Panorama Tour. So nehmen wir die beiden kleinen Grenzübergänge, hier mitten in den Bergen geht die Abfertigung zügig voran, denn hier gibt es keine LKW und Busse, die speziell die argentinischen Zöllner „überfordern“.

Nach der Grenze schlängelt sich die Piste durch ein nettes Tal, eingerahmt von Gebirgszügen mit faszinierenden Farben, alle möglichen braun und grün Töne zeigen diese Felsen. Plötzlich ziehen wieder dunkle Wolken auf und sogleich sticht wieder die Sonne vom Himmel, faszinierende Stimmungen entstehen dadurch.

Immer wieder stehen einzelne Gehöfte (Estanzias) im Tal, Estanzia (wie schon einmal erwähnt) das klingt sehr hochtrabend, meist sind es einfache Häuser mit Wellblechdach.

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.