PUNTA TOMBA

Die ersten Kilometer der kurzen Schotterpiste nehme ich mit Respekt in Angriff, nur nicht stürzen. Aber zu langsam ist auch nichts, im weichen Schotter kommt die Fuhre sonst ins schlingern, langsam kommt das Selbstvertrauen wieder.

Über eine halbe Million Pinguine gibt es hier in Punta Tombo, sie liegen so nahe am Wegesrand. Da muss man sehr aufpassen, um diesen drolligen Tieren nicht auf die Flossen zu steigen. Unter jedem Strauch nisten die Tiere, die Hügel sind dicht bevölkert und das ergibt eine gewaltige Geräuschkulisse.  Denn die Jungen betteln lautstark um Futter, wenn die Eltern aus dem Meer zurückkehren. Auch der „Duftwolke“ die die vielen Tiere hinterlassen entgehe ich nicht….!

Ich verlasse diese duftende Kolonie und es geht weiter in den Süden, endlos zieht sich das Asphaltband durch die Pampa. Da es in die nächste Ortschaft zum Übernachten noch über 150 km wären und ich nicht in der Finsternis fahre, frage ich an einer Tankstelle, kein Problem ich kann das Zelt hier aufstellen. Ein Argentinier der unser Gespräch mit anhört fragt nach meiner Herkunft, ah Österreich so weit. Er kaufte für seine Kinder Süßigkeiten ein, begeistert schenkt er mir auch gleich 2 Schokokuchen, warum weiß der, dass ich auf Süßigkeiten stehe?

Am Morgen sind die ersten Stunden auf der Straße noch sehr kühl, erst gegen Mittag wird die Temperatur angenehmer und am frühen Nachmittag wird es wieder heiß. An einer Tankstelle treffe ich Simone und Tamara aus Italien, die beiden sind mit einer Moto Guzzi unterwegs. Die sind richtige Kilometer Fresser, vor 2 Monaten sind sie in Kolumbien gestartet und nach dieser kurzen Zeit schon in Patagonien. Gemeinsam fahren wir nach Puerto S. Julian um uns dort ein Quartier zu suchen. Es ist gar nicht einfach ein einigermaßen preiswertes Zimmer zu bekommen. Es scheint hier ein Ort mit Tourismus zu sein, nur die Suche nach einem Lokal gestaltet sich schwierig, die einheimischen Touristen essen scheinbar am Zimmer? Simone und Tamara brechen schon um 05:00 auf um noch Ushuaia zu erreichen, denn Tamara hat in einer Woche den Rücklfug von Buenos Aires, das ist mir eindeutig zu früh. Erst nach einem gemütlichen Frühstück mit den üblichen Medialunas (Kipferl) breche ich auf, ist aber noch sehr kühl. Immer häufiger stehen ganze Gruppen Guanacos neben der Straße, die sind mir nicht geheuer, sobald sich aber ein Fahrzeug nähert, springen sie über die Weidezäune und laufen in die Pampa hinein. Sie sind scheinbar cleverer als unsere Rehe, denn sie laufen nicht über die Straße, trotzdem bremse ich rechtzeitig.

Also wird es nichts mit einer entspannten Fahrt, denn neben den Guanacos tauchen auch immer wieder Nandus mit ihren Jungen unmittelbar am Straßenrand auf. Hin  und wieder wechselt die Vegetation von hohen Büschen zu kleinen Büschen, welche interessante Abwechslung! Nach dem Tankstopp in Rio Gallegos sehe ich bei einem Restaurant eine Gruppe BMW’S stehen, mit argentinischen Kennzeichen. Wenn die einheimischen Biker hier essen wird schon alles passen. Ein relativ feiner Laden, wie sich herausstellt handelt sich um eine Gruppe Amis, die die Bikes in Buenos Aires gemietet haben. Sie sind mit großem Tross unterwegs, eigenem Gepäckwagen, am Anhänger einige Reservebikes (halten die neuen BMW’S lange Touren nicht mehr durch)? Gestärkt fahre ich weiter südwärts, mitten in der Pampa taucht plötzlich ein einsamer Motorradfahrer auf, ein Kölner. Er ist schon etwas länger unterwegs, über 20 Monate. Auch ihn hat es hingelegt, auf der Ruta 40, er musste auch einige Wochen hier Pause machen. Bekomme auch einige gute Tipps über die Pistenverhältnisse auf Feuerland in Chile. Erreiche die argentinische Grenze, wie soll es anders sein, ein Autobus ist vor mir, im Zollgebäude eine schier endlose Schlange, ob ich da noch vor der Finsternis wieder Argentinien erreiche? Endlich bin ich an der Reihe. So, schnell zu den Chilenen rüber bevor der Bus kommt, hier geht alles viel flotter als bei den Nachbarn. Die Chilenen sind auf Zack!

So, nun bin ich in Tierra del Fuegeo angekommen!

TIERRA del FUEGO

Etwa dreißig Kilometer nach der Grenze muss ich eine Fähre über die Magellanstraße nehmen, sie ist etwa zwanzig Minuten unterwegs. Von der Fähre weg nehme ich nicht die normale Piste Richtung San  Sebastian (Argentinien), sondern wie vom Kölner empfohlen die nach Onaisen, er hat recht, sie ist wirklich in gutem Zustand. Der „Ort“ Onaisen ist erreicht, laut Karte und Reiseführer ein Ort, eigentlich nur eine unbewohnte Estanzia, also hier ist nichts mit schlafen. Neben der Straße kann ich auch nirgends mein Zelt aufbauen, denn alles ist eingezäunt, so fahre ich erst einmal zur Grenze, welch ein Glück hier gibt es ein kleines, einfaches Hotel. Welch ein Genuss, eine heiße Dusche und dann gibt es zur Belohnung ein schmackhaftes Lamm vom Grill und dazu erstklassigen chilenischen Roten.

Am nächsten Morgen klappt die Abfertigung bei den Chilenen flott, der Zollbeamte gibt mir gleich ein Formular mit, das ich dann bei der Wiedereinreise brauche. So kann ich es in Ruhe schon vorher ausfüllen und erspare mir Zeit am Grenzposten. Die Chilenen sind fix drauf, dagegen die Argentinier, bei denen braucht alles etwas länger!

Wie gewohnt, die Argentinier brauchen etwas länger, bis die Zettel durch gesehen sind, der richtige Stempel am richtigen Ort, typische Argentinische Gelassenheit. Von San Sebastian nach Rio Grande geht es teilweise am Meer entlang, wo der Wind die Wellen des Atlantiks mit gehöriger Wucht ans Ufer donnern lässt. Wie sich später herausstellen soll, verpasse ich die Abzweigung nach Ushuaia und lande nach dem Tanken am Südende der Stadt, in einem Barackenviertel mt windschiefen Hütten. Ein Polizist erklärt mir wie ich wieder auf die richtige Straße komme und das mit meinen wenigen spanisch Kenntnissen.

Hier ändert sich auch plötzlich die Vegetation, die ersten Bäume, wenn auch etwas verkrüppelt tauchen auf. Es handelt sich hier um so genannte Südbuchen die mit Flechten bewachsen sind. Auch die Temperatur ändert sich, es wird zunehmend kühler. Lange Zeit dachte ich, dass ich mir die neuen warmen RACER Handschuhe umsonst mit genommen habe, hier sind sie aber bitter notwendig. Schön langsam komme ich mir wie ein „Michelin Männchen“ vor, so dick angezogen bin ich! Dann beginnt es noch zu allem Übel leicht zu regnen.

USHUAIA

Am späten Nachmittag erreiche ich Ushuaia, rufe meine emails ab um zu sehen ,wo die beiden Italiener wohnen. Das Hostal ist gleich 2 Blocks weiter vom Internetcaffee. Beim Spaziergang am Hafen treffe ich die beiden als sie vom Nationalpark kommen. Simone sucht eine Agentur, denn sein Freund aus Kolumbien hat ihnen eine Bootstour am Beagle Kanal geschenkt und die wollen sie morgen einlösen. Diese Tour ist eigentlich für drei Personen, so laden sie mich spontan ein mit zu kommen, finde ich total nett von den beiden. Da die Tour erst am Nachmittag startet habe ich noch Zeit den Nationalpark „Tierra del Fuego“ zu besuchen. Hier gibt es schöne Fjordlandschaften, kleine Seen und das „Fin del Mundo“, das Ende der Welt, hier endet die Ruta 3 nach über 3000 km. Natürlich stelle ich mich zur Holztafel, wie alle andern auch fürs obligate Foto.

Zurück in Ushuaia starten wir unsere Bootstour, zum Glück ist es ein kleines Boot mit nur 8 Personen an Bord. Wir steuern verschiedene Inseln an, wo wir Seelöwen und Kormoran Kolonien beobachten können.

Muss man in Ushuaia gewesen sein? Jein, erstens ist es teuer, zweitens kalt, aber wenn man schon einmal in der „Nähe“ ist kann man ja vorbei schauen am Ende der Welt!

Simone und Tamara fahren am nächsten Tag noch schnell zum Perito Moreno Gletscher! Den wollen sie unbedingt noch sehen, bevor Tamara nach Hause fliegt, übrigens diese Tour ist eigentlich ihre „Hochzeitsreise“, geheiratet wird allerdings erst im Sommer in Italien. Das ist sozusagen die letzte „Testtour“ bevor es Ernst wird!

Am letzten Tag in Ushuaia mache ich noch einen Ausflug zur Estanzia Haberton, soll die größte Estanzia auf Feuerland sein. Die Landschaft führt durch Regionen mit den typischen Südbuchen Wäldern, erst ziemlich spät weitet sich die Landschaft und die Weiden tauchen auf. Vereinzelt sind Schafe und Kühe zu sehen. Dann stehe ich vor der Estanzia Haberton, welch eine Enttäuschung unter der größten Estanzia stelle ich mir etwas anderes vor. Einige Schuppen, Stallungen und schließlich die Estanzia selbst, auch nur ein einfaches Holzhaus mit Wellblechdach. Im Reiseführer lässt sich so manches sehr hochtrabend beschreiben, die Realität sieht dann etwas anders aus.

Bei blauem Himmel und Sonnenschein verlasse ich Ushuaia. Das schöne Wetter ist allerdings nur von kurzer Dauer, denn vor Rio Grande beginnt es wieder zu regnen, das müsste aber nicht sein, also packe ich mich wieder wasserfest ein.

Erst kurz vor der Grenze hört der Regen endlich auf. Die beiden Grenzabfertigungen gehen schnell vor sich.

PUNTA ARENAS

Erreiche die Hafenstadt Porvenir um 15:00, die Fähre nach Punta Artenas geht erst um 18:00, also habe ich noch genügend Zeit. Am Hafen angekommen traue ich meinen Augen kaum, da steht doch der gleiche MAN wie der vom Mr. Hans, es sind Ernst und Christine aus Tirol, Freunde von Hans u. Heidi. Die beiden sind erstaunt, dass ich die beiden kenne, wie ich immer sage, die Welt ist ein Dorf!

Bei der Überfahrt nach Punta Arenas begleiten uns einige Delphine, faszinierend zu beobachten wie sie graziös ins Wasser eintauchen. In Punta Arenas bin ich auf der Suche nach dem Hospedaje Magellanes www.aonikenk.com ein kleines aber sehr nettes Gästehaus, das von einem deutsch/chilenisch Paar geführt wird. Am nächsten Tag hilft mir Sebastian das Motorradgeschäft zu finden, an das Ossi mir die Reifen geschickt hat. Welch ein Glück, das Geschäft liegt nur einige Straßen weiter vom Gästehaus. Nehme dort die Reifen von Alexandro in Empfang, muss sie allerdings die nächste Zeit mitschleppen, da die Reifen noch gut in Schuss sind, war schwer abzuschätzen wie der Verschleiß hier sein wird.

In Punta Arenas ist es endlich warm geworden, welch ein Genuss nach der Kälte in Ushuaia. Kaufe im Supermarkt Vorräte für die Bergtour im Torres del Paine Nationalpark ein. Die Landschaft Richtung Torres, ist wieder geprägt von den Estanzias mit Kuh- und Schafherden. Trotzdem die Sonne scheint wird es wieder kälter, dazu trägt der böige Wind bei.

TORRES del PAINE

Am späten Nachmittag erreiche ich Puerto Natales, beschließe aber gleich zum Nationalpark weiter zu fahren. Teilweise besteht die Straße aus Schotter gemixt mit Asphalt, der Wind nimmt zu und ich muss gehörig aufpassen, dass der Wind mich nicht von der Straße drängt. Dann endlich zeigt sich die Gruppe der Torres, brauche aber dann noch eine Stunde um auf der Schotterpiste den Campingplatz zu erreichen. Der Platz ist ganz nett, überall gibt es kleine Feuerstellen und auch Bänke. Da ich erst um 21:00 mit dem Aufstellen des Zeltes fertig bin, habe ich keine Lust mir noch etwas zu kochen. Gehe ins Restaurant, des in der Nähe liegenden Hotels. Dort gibt es Essen allerdings nur bis 21:00 und das auch nur mit Voranmeldung. Also zurück zum Zelt, für diesen Abend müssen einige Kekse reichen. Ein herrlicher Morgen, die Torres Spitzen zeigen sich vom Campingplatz aus, überspannt mit einem Regenbogen, genieße diesen Anblick in der Sonne beim Kaffee. Nach dem Frühstück packe ich einige Sachen in den Rucksack für die Tagestour zu den Torres. Bin gespannt wie ich den Rucksack auf meiner lädierten rechten Schulter aushalten werde. Denn obendrauf liegt auch noch der Fotorucksack. Der Weg zieht sich anfangs um eine Schlucht die umgangen werden muss, dann steigt der Weg ständig an und gibt den Blick über das ganze Tal frei. Ständig auf  und ab, vorbei an zerzausten Südbuchen, deren Stämme mit Flechten bewachsen sind. Über eine kleine Hängebrücke erreiche ich das Campo Chile, die erste Hütte auf der Strecke. Unmittelbar am reißenden Bach, führt der Weg jetzt durch dichteren Wald hinauf zur Weggabelung, wo es weiter zur nächsten Hütte geht, für diejenigen, die die Umrundung des Massivs machen. Ich nehme den linken Weg zum „Mirrador“, dem Aussichtspunkt auf die Torres. Der Weg, eher mehr ein steigen zwischen groben Geröll, dauert an die 40 Minuten bis ich den Aussichtspunkt erreiche. Gewaltig, vor mir ein Kessel mit dem Gletschersee, dahinter thronen die drei Zähne der Torres. Leider ist es etwas diesig, genieße aber trotzdem diesen kleinen „Gipfelsieg“. Wenn ich mich so umblicke, komme ich mir extremst ausgerüstet vor. Viele Einheimische sind hier nur mit ausgelatschten Turn – und Straßenschuhen unterwegs, also richtige Halbschuhtouristen! Nach eineinhalb Stunden mache ich mich auf den Rückweg. Nachdem ich das Geröllfeld hinter mir habe, mache ich einen letzten Blick hinauf und wie zum Hohn zeigen sich die Torres jetzt vor strahlend blauem Himmel.

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