Eigentlich wollten wir noch das Wochenende in Gr. Belgrano verbringen, denn ein großes Motorradtreffen ist überall angekündigt. Nur spielt leider das Wetter nicht mit, es gießt wie aus Kübeln und unser Hausherr meint, dass auch kaum eine Chance auf  Besserung besteht. Da es nichts bringt hier zu bleiben nützen wir gleich einmal die Gelegenheit, die neue RACER Regenbekleidung zu testen. Über 180 Kilometer regnet es teilweise in Strömen, endlich am späten Nachmittag hat das „Sauwetter“ ein Ende und sogleich knallt die Sonne wieder vom Himmel, als ob nie ein Wölkchen gewesen wäre.

Am Abend erreichen wir ein kleines Städtchen, hier nehmen wir uns in einem Hotel ein sehr einfaches Zimmer, aber für eine Nacht reicht es. Am nächsten Tag wollen wir so bis ca. 30 Kilometer vor Buenos Aires fahren, um dann sehr früh – bevor der Verkehr so richtig los geht, Dakar Motos zu erreichen.

Etwa 100 Kilometer vor Buenos Aires hängt ein Transparent neben der Straße „Moto“, im letzten Moment sehen wir dass neben einem Freizeitzentrum, ein Motorradtreffen stattfindet. Da die Anlage nett aussieht und der riesige Pool bei ca. 30°C auch nicht zu verachten ist, bleiben wir. Am Eingang werden wir gleich neugierig befragt woher wir kommen, als die Motorradkollegen von unserer Tour hören werden wir sofort fotografiert und gefilmt. Unter riesigen Bäumen schlagen wir unser Zelt auf und von allen Seiten werden wir mit einem netten „Hola“ begrüßt, manchmal auch mit einigen deutschen Worten. Ein Biker, Martin lebt derzeit nördlich von Salta, er meint wenn wir da rauf kommen müssen wir ihn unbedingt besuchen. Das Treffen hat einen sehr familiären Charakter, denn manche Frauen sind mit dem Auto mitgekommen und das gleich mit Kind und Kegel. Auch die Jugend mit ihren 125ern mischt sich unter die großen Motorräder. Auf der Bühne wird fürs abendliche Rockkonzert aufgebaut, während die Jungen mit ihren 125ern  auf der Liegewiese ihr Können zeigen, Wheelys, Stoppis usw., natürlich in kurzen Hosen und ohne Helm. Diese Dinge stören ja bei den akrobatischen Vorführungen und heiß ist es ja auch. Bei uns würde so ein Treffen nur einmal stattfinden, denn die Dauercamper würden sofort alle verjagen. Nicht so hier, der Lärm scheint hier niemanden zu stören, seelenruhig wird am „Zwerge Vorgarten“ weiter gearbeitet. Neben uns hat sich eine Gruppe Biker von der freiwilligen Feuerwehr Buenos Aires niedergelassen. Sofort wird sich um das Wichtigste gekümmert, das Feuer wird entzündet um eine schöne Glut fürs abendliche Asado (Grillen) zu haben. Zu so einer Grillerei wird gleich ein ganzes Schaf aufgespannt und das dauert dann aber Stunden bis es fertig ist. Mit unseren Nachbarn entsteht eine nette Unterhaltung, über das übliche, woher, wohin und wir werden sofort integriert. Stunde um Stunde vergeht, immer wieder wird die Glut um das Schaf neu aufgeschichtet und so gegen Mitternacht ist es endlich soweit, Stück um Stück wird das Schaf zerlegt und verteilt. Schmeckt ausgezeichnet, wenn man es solange aushält, für Argentinier kein Problem, für die ist es normal so gegen Mitternacht erst zu essen.

Nach dieser kurzen Nacht brechen wir erst vor Mittag auf nach Buenos Aires.

BUENOS AIRES

Mit den GPS Koordinaten finden wir schnell das Haus von Javier (Dakar Motos), nur ist leider niemand zu Hause, er wird sicher das Wochenende weg sein und wir hoffen, dass er am Abend wieder zurück ist. Denn bei ihm möchte ich, falls er ihn auftreiben kann, den Gabeldichtring wechseln.

Indessen suchen wir uns ein Lokal und werden einige Straßen weiter fündig, wie üblich gibt es auch hier wieder die ziemlich großen Steaks. Am frühen Abend ein weiterer Versuch ob Javier schon zu Hause ist, wir klopfen am Garagentor, es öffnet ein älter Mann. Joe aus Texas, er ist mit seinem Freund Fred unterwegs auf zwei Suzukis V Strom. Die beiden sind sicher über sechzig und kommen von den USA, über Panama und wollen bis Ushuaia. Wobei Fred nicht gerade sportlich aussieht, hoffentlich schafft er mit seine „Leibesfülle“ diese Tour. Die beiden sind schon über 10 Tage hier, denn in Bolivien haben sie die Kupplung von beiden Motorrädern ruiniert. Sie hoffen, dass Javier alles richten kann. Von Buenos Aires haben sie noch nichts gesehen, sie liegen nur rum und surfen im Internet! Wir erfahren, dass Javier erst, wenn überhaupt am Montag kommt, er nimmt es mit der Arbeitszeit in seiner Werkstätte sehr „südamerikanisch“ gelassen. Im Internet hatten wir gelesen, dass man hier auch wohnen kann, naja sieht ja alles ziemlich chaotisch aus. Die beiden Amis schlafen in Stockbetten in einem Teil der Werkstätte. Wir bevorzugen lieber im genauso chaotisch wirkenden Garten unser Zelt aufzustellen, hier haben wir wenigstens frische Luft. Dafür plärrt die halbe Nacht über ein Kleinkind in der Wohnung darüber und in der Nachbarschaft kläffen die Hunde um die Wette! Das Wahre ist es zwar nicht, die Begeisterung von Marika hält sich in Grenzen, meine übrigens auch! Wir brauchen nun mal die Hilfe von Javier, so bleibt kaum eine andere Wahl. Auch im Garten liegen überall Motorradteile, Kisten, leere Flaschen und alles andere Gerümpel herum.

Am  Montag, im Laufe des Vormittags erscheint dann Javier, er meint  er müsse mal schauen wo er meinen Dichtring auftreiben kann. Wir fahren mit der Schnellbahn ins Zentrum. Besichtigen die Plaza del Majo und schlendern durch das Zentrum Buenos Aires. Erkundigen uns wegen eines Bus-Tickets nach Iguazu, ja kein Problem, Morgen um 13:30 sind noch genug Plätze frei, so wären wir am nächsten Tag um 07:00 schon in Puerto Iguazu. Bevor wir am späten Nachmittag zu unserem Quartier fahren gehen wir doch sicherheitshalber noch zur Busstation und buchen lieber schon heute unser Ticket. Die Plätze für Nachmittag sind weg, es gibt nur mehr Abendtickets, welch ein Glück, dass wir es jetzt noch versucht haben.

Bevor unser Bus nach Iguazu geht haben wir noch jede Menge Zeit um uns in Buenos Aires umzusehen.

Ein unbedingtes Muss, klingt zwar etwas Makaber, ist der Friedhof Recoleta. Der Friedhof wird auch als so eine Art als Freiluftmuseum geführt. Die Reichen von Buenos Aires haben sich hier teilweise pompöse Grabmäler errichten lassen. Der Friedhof ist nicht nur wegen der Gruften ein Anziehungspunkt sondern auch wegen eines Grabes der Familie Duarte. Hier liegt die in Argentinien so verehrte Eva (Evita) Peron. An ihrem Grabmahl werden jeden Tag von unbekannten Verehrern frische Blumen niedergelegt.

IGUAZU

Am Abend startet dann unser Bus nach Iguazu, ist bequemer als die öde Strecke von beinahe 800 km mit dem Bus zurück zu legen und vor allem dieselbe Strecke wieder zurück zu fahren. Noch dazu soll es auf dieser Strecke jede Menge Polizeikontrollen geben. Mit dem Bus ist es etwas komfortabler, schlafen auf den Liegesitzen ist jedenfalls besser als im Flugzeug.

Kurz vor Mittag erreichen wir Puerto Iguazu, das Zimmer im gebuchten Hostel ist leider noch nicht bezugsfertig, so fahren wir gleich mit dem nächsten Bus zu den Wasserfällen. Der Parkeingang ist von der Stadt über sieben Kilometer entfernt. Vom Parkeingang führt ein Weg durch den „Dschungel“ zu den Fällen. Wirklich imposant, wie sich hier die Wassermassen in die Tiefe stürzen. Mit einem Boot können wir auf die Insel St. Martin übersetzen, wo es zu einem Aussichtspunkt geht, der äußerst nahe an den Fällen liegt. Hier werden wir von einem Sprühregen überrascht, den wir allerdings bei dieser Hitze als sehr angenehm empfinden. Auf Stegen und Wegen wandern wir zwischen den Fällen entlang, hin und wieder bewegt sich plötzlich neben uns etwas, ein ca. 70 cm langer Leguan, gut getarnt mit seiner gefleckten Haut, ist er erst beim Weglaufen zu erkennen. Mit einer kleinen Bahn fahren wir zur Hauptattraktion, dem Diabolo Wasserfall. Von der Bahnstation führt ein Steg über einen Kilometer zum Diabolo Fall, unter uns im Wasser lauert an einer Stelle ein ca. 2 Meter langer Kaiman auf Beute, gut dass der 3 Meter unter uns liegt. Dann erreichen wir endlich den Teufelsschlund, gigantisch wie hier unter lautem Getöse die Wassermassen in die Tiefe stürzen, beeindruckend diese Naturgewalten die hier herrschen.

Am nächsten Tag fahren wir mit dem Bus auf die Brasilianische Seite um hier wegen des Panoramas uns die Wasserfälle anzusehen. Der Grenzübertritt klappt problemlos ohne längerer Formalitäten. An der Grenze müssen wir den Bus wechseln und überhören an der richtigen Stelle auszusteigen, so fahren wir bis in die Innenstadt von Foz de Iguazu. Am Busterminal finden wir den richtigen Bus zu den Wasserfällen, der allerdings am Weg aus der Stadt Natürlich an jeder Ecke stehen bleibt. Endlich haben wir das riesige Besucherzentrum erreicht, wo es mit einem Shuttlebus 7 Kilometer zu den Wasserfällern geht. Das wird knapp für uns, denn um 17:00 geht unser Bus zurück nach Buenos Aires. Die Panorama Ansicht der Fälle von Brasilien aus ist es wirklich Wert diese Seite auch zu besuchen. Zeitlich geht es sich aus, sodass wir auch den Anblick genießen können. Nur der Bus zur Grenze vom Besucherzentrum kommt und kommt nicht, so nehmen wir bis zur Grenze ein Taxi für € 4,-, denn den Bus nach Buenos Aires zu versäumen wäre echt blöd.

Die Rückfahrt ist schlimm, denn der Chaffeur dreht die Klimaanlage ziemlich kalt auf, der spinnt ja! An den Haltestellen sitzen die Menschen mit kurzen Hosen und wir im Bus frieren, obwohl wir den Chaffeur mehrmals ersuchen die Anlage etwas wär mer zu stellen bleibt unser Ansinnen ungehört. Auch die Einheimischen frieren und sitzen mit Decken im Bus, die nehmen das scheinbar letargisch hin. Die spinnen die Argentinischen Bus Chaffeure!!

BUENOS AIRES

Endlich erreichen wir mittags Buenos Aires und tauen am Busbahnhof wieder auf.

Wir suchen uns in San Telmo ein Zimmer in einem Hostel, denn auf den Garten und das Gerümpel von Javier haben wir keine Lust mehr. Mit der Stadtbahn kommen wir zu Javier, der gerade am wegfahren ist, er zeigt mir die Dichtringe die er inzwischen aufgetrieben hat. Sofort frage ich ihn ob es noch möglich ist den Dichtring am Nachmittag zu wechseln, Javier zieht vor „Freude“ die Augenbrauen hoch und meint das sei schwer. Also ist warten angesagt bis er wieder kommt, inzwischen ist das Paar aus Estland wieder eingetroffen, die beiden warten für ihre 1150 GS auf ein neues Federbein. Als gegen 18:00 Javier noch nicht zurück ist beschließen wir in die Stadt ins Quartier zu fahren, am Weg zum Zug treffen wir auf Javier, sein Freund habe ihn aufgehalten! Wir vereinbaren uns am Montag Vormittag in der Werkstätte zu treffen und dann gemeinsam den Dichtring zu wechseln, hoffentlich wird Javier rechtzeitig wach!

Wir treffen kurz nach neun Uhr bei Dakar Motos ein, Javier ist schon an der Arbeit, man glaubt es kaum und meine Gabeldichtringe sind auch schon hier. Inzwischen sind 3 weitere Motorradfahrer aus Deutschland eingetroffen. Einer fuhr von Alaska über Ushuaia nach Buenos Aires, zwei sind erst vor wenigen Tagen hier angekommen und hatten vier Tage benötigt um ihre Motorräder aus dem Zoll zu bekommen. Die beiden Estländer warten noch immer auf ihr Federbein. Nachdem ich das Standrohr ausgebaut habe, denke ich dass der Wechsel des Dichtringes in etwa einer halben Stunde vorbei ist, nicht so bei Javier. Denn nun kommt ein Freund, da wird erst einmal gemütlich Mate getrunken, dazwischen wieder ausführlich telefoniert, emails abgerufen und beantwortet, dazwischen das Standrohr geöffnet, Mate getrunken, mit den anderen geplaudert….usw. Kurz nach Mittag meine ich ob es denn heute noch fertig wird, denn wir wollen heute noch weiter fahren, das überrascht Javier, ihr wollt noch weiter. Das ist aber noch lange kein Grund die Arbeit zu beschleunigen. So gegen 14:00 ist endlich alles fertig, ich baue wieder alles zusammen, wir können endlich aufpacken. Dann frage ich Javier um die Rechnung, da muss er erst mal telefonieren, denn er weis den Preis für die Dichtringe nicht mehr. Aus dieser kurzen Anfrage wird eine gemütlich Plauderei von über einer halben Stunde. Endlich ist Javier fertig und macht mir die Rechnung. Um 15:30 kommen wir endlich weg, wir wollen heute noch Azul die Moto Post von „Pollo“ erreichen.

AZUL

Trotz des heftigen Nachmittagsverkehrs haben wir rasch die Ausfahrt in den Süden gefunden. Wir erreichen am frühen Abend Azul und sind auf der Suche nach der Moto Post von Pollo der eigentlich Jorge heist, was gar nicht einfach ist denn die Stadt ist ziemlich groß. Zum Glück steht an der Stadteinfahrt ein Freund und Helfer ich frage ihn nach der Calle Mendoza, er weis nicht genau wo die ist, zum Glück kommen gerade seine Kollegen mit dem Streifenwagen und die lotsen uns durch die Stadt zur Moto Post. Leider ist niemand zu Hause, die Polizisten greifen zum Handy und aus dem Haus neben der Moto Post kommt Jorge, genannt „Pollo“. Er ist so eine Art Institution hier, viele Motorradreisende aus aller Welt haben ihn schon besucht. Wir werden sehr herzlich begrüßt, auch das gemeinsame Foto mit den Polizisten darf nicht fehlen. Zur Verabschiedung bekommt Marika natürlich, ganz argentinisch, von jedem Polizisten einen Kuss.

Auf den Wänden der Räum haben sich in den letzen Jahren, eine Menge von Motorradfahren aus der ganzen Welt verewigt, manche haben sich künstlerisch mit netten Malereien in Szene gesetzt. Hier finde ich auch eine nette Karte von Rosa und Tommy die sie für Pollo gebastelt haben. Die beiden hatte ich 2005 in der Ukraine getroffen wo sie am Beginn ihrer 2 jährige Weltreise waren. Das Unikat steht aber in einem kleinen Lagerraum eine  „Putsch“, wie mir Pollo erklärt! Der ganze Stolz von Pollo eine Puch TF 250 Baujahr 1950, interessant wie die hier herkam, noch dazu mit der originalen Semperit Bereifung. Mit der Restaurierung wird es aber noch etwas dauern, denn Teile dafür bekommt er hier nicht so leicht. Vielleicht kann ich ihm helfen, der Speichensatz vom Vorderrad fehlt ihm noch. Wir beschließen im kleinen Aufenthaltsraum unsere Schlafsäcke auszurollen, denn so brauchen wir am Morgen nicht das Zelt zusammen packen und können zeitig aufbrechen.

Das ganze hier ist allerdings noch etwas einfacher als bei Javier, aber für eine Nacht geht es!

Von Azul nehmen wir die Routa 3 Richtung Bahia Blanca um dort Weihnachten zu verbringen. Bei einem Tankstopp lernen wir Ana und ihren Mann …..kennen, die beiden sind mit ihrem Motorrad unterwegs nach Buenos Aires um Weihnachten mit der Familie zu verbringen. Die beiden geben uns den Tipp nach Monte Hermoso zu fahren das sei kleiner und schöner (muy lindo) als Bahia Blanca. Solche Tipps von Einheimischen sind immer gut. Unbarmherzig knallt die Sonne vom Himmel mit fast 30°C, die Hitze flimmert über der Strasse die an fast bis zum Horizont reichenden Getreidefeldern vorbeiführt. Der heiße Wind trocknet uns zusätzlich aus, wir kommen kaum mit dem trinken nach. Die beiden kalten Wasserflaschen die wir an der letzten Tankstelle gekauft hatten, haben schon wieder eine Temperatur erreicht dass wir nur mehr einen Beutel hineinhängen bräuchten und der Tee wäre fertig.

Wie weit dieses Land wirklich ist verdeutlicht ein einsamer Wegweiser, bis nach Ushuaia sind es noch 2724 Kilometer! Das bedeutet noch ein langer,  harter Ritt bis zum südlichen Wendepunkt unserer Tour.

WEIHNACHTEN

Am späten Nachmittag erreichen wir Monte Hermoso, eigentlich nichts aufregendes, sieht fast ein bisschen wie Jesolo aus. Da es noch sehr ruhig im Ort ist finden wir schnell ein gemütliches Hotel, zwei Tage lässt es sich hier schon einmal aushalten. Endlose Sandstrände, starke Brandung, gewöhnungsbedürftig allerdings der starke Wind und schon haben wir uns einen kleinen Sonnenbrand eingefangen. Für den Heiligen Abend suchen wir uns eine schöne „Parilla“. Hier wird ganz argentinisch auf riesigen Grillern (kein Vergleich zu unseren „Puppenküchen“ Griller zu Hause) das Fleisch zubereitet, ganze Schafe und halbe Schweine werden im Restaurant gegrillt. Gewöhnungsbedürftig für uns hier die späten Essenszeiten, vor 22:00 bekommt man in kaum einem Restaurant etwas zu Essen. Als Vorspeise ein riesiges, leckeres Salatbuffet und dann kommt die Parilla, da bekommt man einen kleinen Ofen mit Holzkohle auf den Tisch gestellt wo das Fleisch und die Würste weiter bruzzeln. Das ganze wird noch mit einem trockenen roten Malbec abgerundet. Um Schlag Mitternacht wird die Pop Musik im Lokal von einigen Takten „Stille Nacht heilige Nacht“ unterbrochen. Dann springen alle auf gehen zu den Nachbartischen und wünschen sich gegenseitig frohe Weihnachten, natürlich darf auch hierbei nicht, ganz argentinisch, der gehauchte Kuss auf die Wange fehlen. Irgendwie kurz doch berührend und schon geht es wieder mit Popmusik weiter. Zum Abschied bekommen wir auch noch von der Chefin des Hauses und der Kellnerin den obligaten Kuss.

PENINSULA VALDES

Am Weihnachtstag starten wir sehr früh um so vor Beginn der Tageshitze eine große Strecke zurückzulegen. Die heißen Mittagsstunden wollen wir, wie hier am Land üblich eine Siesta abhalten. Südlich von Bahia Blanca der erste Kontrollpunkt der Agrarbehörde, hier wird kontrolliert ob man Fleisch oder Obst mitführt. Überall im Land gibt es an den Regionalgrenzen diese Kontrollpunkte, man möchte verhindern dass Schädlinge in eine andere Region eingeschleppt werden. Schnurgerade wie in den Tagen zuvor zieht sich die Straße durch die Pampa. Hin – und wider weiden  vereinzelt Schafe und Kühe zwischen den Büschen, die einzige Abwechslung! Je weiter wir nach Süden kommen desto angenehmer wird das Klima, es weht ein kühler Wind, perfekte Temperaturen zum Motorradfahren. Eigentlich wollten wir nur bis Las Grutas, da wir aber Aufgrund der angenehmen Temperaturen schon am frühen Nachmittag in Las Grutas eintreffen beschließen wir doch noch bis zur Halbinsel Valdes weiter zu fahren.

Valdez bekannt für seine Seeelefanten – Seelöwen und Pinguinkolonien. Für eines der größten Tiere die man hier sehen kann sind wir leider schon etwas zu spät, Wale. Valdes ist auch bekannt für die Orcas die sich an einigen Strandabschnitten ihr Mittagessen unter den Jungen Seeelefanten holen. Die Orca Saison ist von Oktober bis Anfang Dezember, wenn man Glück hat ist der eine – oder andere Orca auch noch Ende Dezember anzutreffen. Da Valdes ein Naturschutzgebiet ist wird hier eine Gebühr von 45,- Peso fällig. Der Ausgangspunkt für Tierbeobachtungen ist Pt. Piramides, wo es einige Hotels, Privatquartiere und auch einen Campingplatz gibt.

Zum Zelten haben wir hier nicht wirklich Lust, denn der permanente Wind wirbelt ununterbrochen Staub und Sand über den Campingplatz. Man merkt hier schon, dass es  touristischer ist, die Preise für Cabanas sind um einiges höher als auf der bisherigen Strecke. Wir finden bei einer netten Familie ein günstiges Zimmer, Frühstück können wir uns selbst machen, der Laden mit allem was wir dazu benötigen ist gleich um die Ecke. Bevor wir uns auf eine Inselrundfahrt machen wechsle ich nun den Vorderreifen, der ist nun endgültig herunter und auf diesen sandigen Pisten ist Profil gefragt. An der Tankstelle werden wir von einigen brasilianischen Motorradfahrern auf Deutsch angesprochen, sie sind auch nach Ushuaia unterwegs. Die meisten Brasilianer die wir bisher unterwegs trafen hatten Deutsche Vorfahren und einige sprachen noch diesen typischen Altdeutschen Dialekt. Wir brechen auf nach Pt. Norte zu den Seelöwen, eine über siebzig Kilometer lange, sehr gute Schotterpiste quert die Halbinsel. Auf eines muss man hier aufpassen, immer wieder kreuzen Schafe und Guanakos die Piste. Im übrigen Land sind die Straßen von den Weiden durch endlos lange Zäune getrennt.

An langen Sandstränden liegen hier zahlreiche Seelöwen, getrennt von den Besuchern durch einen Zaun. Schade dass wir nicht doch noch etwas näher können, denn auch für mein Tele sind die Tiere doch noch relativ weit weg. Kann aber verstehen, dass die Tiere durch die vielen Besucher so wenig als möglich gestört werden sollen. Die Aktivitäten der Tiere halten sich in Grenzen, meist liegen sie faul im Sand und lassen sich die Sonne auf ihre Haut brennen. Nur hin und wieder richtet sich ein Bulle auf um lautstark einen Eindringling zu warnen, dass dies sein Harem ist. Es folgen einige Scheinangriffe und wenn der Eindringling den Rückzug antritt wird sofort wieder weiter gedöst. Der dortige Ranger erzählt uns, dass er gestern am frühen Morgen noch einen einzelnen Orca gesehen hat. Nach einigen Stunden haben wir genug von diesem „Spektakel“ und fahren die Küste entlang zum nächsten Punkt. Vereinzelt liegen hier einige Estanzias, die Menschen hier müssen schon ein besonderer Schlag sein um in dieser Einöde, umgeben nur von Schafen, zu leben.

Kurz vor Pt. Cantor ein Hinweisschild zur Pinguinkolonie, der ganze Hang ist voll mit Nisthöhlen dieser drolligen Tiere. Lustig anzusehen ist wenn die Pinguine vom Fischen aus dem Meer zurückkehren und den Hang hinauf watscheln, wo schon die Jungen aus den Höhlen Ausschau halten wo denn ihr Futter bleibt. Bei Pt. Cantor gibt es eine Seeelefanten Kolonie, hier lernen wir einen argentinischen Studenten kennen, der in den Sommerferien für Touristen als Dolmetscher arbeitet. Wir klagen ihm unser Leid ,dass wir zum Fotografieren nicht doch etwas näher an die Tiere heran können. Er gibt uns einen Tipp, südlich von Valdes gibt es eine Stelle an der Steilküste bei Pta. Ninfas, dorthin verirren sich kaum Touristen und da gibt es keine Zäune.

So brechen wir am nächsten Morgen auf nach Punta Ninfas, die Piste ist nicht so einfach zu finden, sogar ein Polizist den wir um den Weg fragen schickt uns in die Irre. Endlich haben wir die Piste gefunden, vorbei an einigen abgelegen Estanzias erreichen wir den Leuchtturm, der aber schon lange nicht mehr leuchtet. Tief unter uns am Ufer liegen sie aufgereiht wie Sardinen, die Seeelefanten. Zum Glück hat schon jemand einen Zugang geschaffen, denn vorerst geht es 3 Meter senkrecht und die sind mit einem Seil gesichert. Über 150 Meter klettern wir hinunter, vorerst schrecken die Tiere etwas auf, um sich gleich darauf wieder zu beruhigen. Wir verbringen einige Stunden mit deren Beobachtung und kommen bis auf wenige Meter an die Tiere heran, ein faszinierendes Erlebnis, bevor wir uns wieder auf machen um nach oben zu klettern.

Unser nächstes Ziel Punta Tombo, die größte Pinguin Kolonie in Argentinien.

Es soll aber plötzlich ganz anders kommen. Auf einer Kuppe plötzlich etwas weißes auf meiner Seite, zu spät kann ich ein langegezogenes Loch erkennen, das mit Staub gefüllt ist. Als wir aus dem Loch herauskommen hebt es das Hinterteil des Motorrades, wir  setzten auf, die ganze Fuhre schaukelt auf. Die ersten Pendler kann ich noch abfangen, wir kommen auf der linken Seite auf, da wir noch im Rutschen sind hakt die Kiste und der Sturzbügel ein und kippt uns auf die rechte Seite.

Aus der Traum von Südamerika, mir schmerzt die rechte Schulter, Marika der Arm.

Um es kurz zu machen, ich habe mir 2 Rippen gebrochen und das Schlüsselbein ausgerenkt. Marika hat es leider schlimmer erwischt, der Unterarm ist gebrochen.

Wir fliegen zurück in die Heimat, um zu Hause alles richten zu lassen.

Großen Dank den Menschen die uns vor Ort geholfen haben, wie Carina, Carola, und Cristian.

DER NEUSTART

Es ist Ende Jänner, ich bin wieder soweit fit um die Reise fortzusetzen, leider alleine, denn Marikas Arm braucht noch ein bisschen Zeit. Mit dem Bus erreiche ich von Buenos Aires Rawson, wo das Motorrad steht. Carola bringt mich zur Polizei, leider ist Cristian der Chef nicht da, aber seine Mitarbeiter kümmern sich sofort darum, dass ich mein Gepäck und das Motorrad bekomme. Habe keine Chance mir ein Hotel zu nehmen, für Carola ist es selbstverständlich dass ich im Haus ihrer Eltern schlafen werde. Raul, Carolas Vater ist sofort begeistert mir beim Auswechseln der Sturzteile zu helfen. Samstag Mittag ist es soweit ich kann aufbrechen, begleitet von den besten Wünschen der ganzen Familie.

Es geht wie geplant nach Punta Tombo zu den Pinguinen. Während ich so gegen Süden tuckere kommt ein noch nie vorher gekanntes Gefühl auf, ich bin alleine unterwegs. Es ist für mich so unwirklich, jetzt alleine weiter zu machen, wo wir uns doch beide so lange auf diese Tour vorbereitet hatten! Eine Träne zerdrückend starre ich gegen den Horizont, der mich fast wie einen Magnet Richtung Süden zieht.

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