Argentinien

ARGENTINIEN

 

Auf argentinischer Seite bekommen wir vorerst nur einen Zettel wo das Kennzeichen und das Einreisedatum steht. Der eigentliche Zoll kommt erst 18 Kilometer später. Hier sitzen Chilenen und Argentinier in einem Terminal, die Abfertigung geht überraschend schnell vor sich.

Wir kommen am Aconcagua vorbei, dessen Gipfel sich leider in eine Wolkendecke hüllt. Vorbei an Puente del Inka führt die Strasse durch ein Tal dessen Felswände mit den verschiedensten Farbschattierungen uns immer wieder stoppen lassen. Eigentlich könnte ich alle hundert Meter stehen bleiben um zu fotografieren, hier kann das  Marika verstehen, wenn es heißt Helm ab, Tankrucksack auf, Kamera heraus, Foto, Kamera einpacken, Helm auf und weiter zum nächsten Fotostopp.

Am Abend erreichen wir Uspallata, wo wir uns am Campingplatz eine Cabana, ein kleines Holzhäuschen mieten.

Von Uspallata nehmen wir nicht die Hauptstraße nach Mendoza sondern eine Schotterpiste durch die Berge. Die Piste führt durch kleinere Schluchten immer höher auf über 2800 Meter, hier wird es ziemlich kühl und auch die ersten Regentropfen zeichnen sich auf der Brille ab, zum Glück bleibt es nur bei einigen Tropfen. Hier sehen wir eine kleine Gruppe Guanacos, sie sind sehr neugierig und warten geradezu darauf, um von mir fotografiert zu werden.

Je tiefer wir kommen desto mehr nimmt die Vegetation zu, wie von Samt überzogen scheinen die mit unzähligen Kakteen durchsetzten steilen Hänge. Über Serpentinen geht es hinunter in die heiße Ebene nach Mendoza.

 

MENDOZA

In Mendoza sind wir auf der Suche nach einem Quartier, was sich als nicht so einfach herausstellt. Wir fahren die erste Adresse in unserem Reiseführer an, sieht gut aus, hat sogar einen Innenhof für das Motorrad, nur leider voll. Beim nächsten Gästehaus wird es schwierig für das Motorrad den Stellplatz im Hof zu erreichen, denn dazu müsste ich durch das Wohnzimmer des Besitzers fahren! Im dritten werden wir endlich fündig, nach der intensiven Auseinandersetzung mit der Einbahnregelung Mendozas. Wir verbringen den Nachmittag in der Fußgängerzone und der weiteren Umgebung und sind auf der Suche nach den schönen, versteckten Plätzen (laut Reiseführer) von Mendoza. Die aber so gut versteckt sind, dass wir sie einfach unmöglich finden können! Geschmäcker sind halt verschieden!

Da wir hier in einem der bekanntesten Weingebiet Argentiniens sind unternehmen wir eine gebuchte Tour zu zwei Bodegas.

Die erste Bodega ist eine der größten der Region, zu Beginn wird die Verarbeitung, die Lagerung usw. erklärt. Dann eine ausführliche Tour durch den riesigen Keller. Endlich kommen wir zum interessantesten Teil der Führung, die Verkostung. Das erste Schluckerl, ein Weiswein kredenzt von einer sehr hübschen schwarzhaarigen, glutäugigen Argentinierin, soll das etwa ein Ablenkungsmanöver sein, schmeckt nicht schlecht. Den Roten würde ich  eher als etwas einfach im Ausbau und Geschmack bezeichnen. So eingestimmt, bringt uns der Bus zur nächsten Bodega. Bei dieser handelt es sich um eine besondere Bodega, denn hier wird nur natürlicher Wein ohne künstliche Zusätze gekeltert. Nach der Führung durch die Kellerräume, erfolgt die mit Spannung erwartete Verkostung. Der Gaumen und die Leber haben hiermit überhaupt keine Freude, diesen einfachen Geschmack haben die beiden sofort wieder vergessen. Das Ergebnis war nicht wie erwartet, aber was will man von so einer Tour wohl erwarten, denn die meisten kaufen ja sowieso nichts und dafür den besten Wein zur Verkostung zu kredenzen zahlt sich scheinbar nicht aus. Da lob ich mir unsere Weinbauern, da gibt es immer ein gutes „Tröpferl“ zu verkosten.

Die nächste Station ein Olivenbauer, nach der üblichen Erklärung der Ölherstellung erfolgte die Verkostung von selbst gemachtem Brot und Oliven. Hier ist unser Gaumen und auch der Magen sofort zu überzeugen. Der Tupfen aufs i ist der Besuch einer kleinen Schokoladenmanufaktur, wäre besser gewesen wir hätten die Bodegas ausgelassen und uns intensiver mit der Schokolade auseinander gesetzt.   

Wir haben genug von der Stadt und fahren in den Norden zum NP von Ischigualasto.

Bei einer Pause stelle ich mit Schrecken fest, das der Simmerring wieder undicht ist.

Muss wohl oder Übel so bis nach Buenos Aires halten, denn dort kann ich hoffentlich bei BMW einen neuen bekommen.

In Vallecito machen wir Mittagspause, das Dorf ist im ganzen Land als Wallfahrtsort bekannt. Hier steht der Schrein der Volksheiligen Difunta Correa. Difunta wollte ihrem Mann, der im Krieg war folgen und ist in der Wüste verdurstet. Als man sie verdurstet fand hing ihr Baby lebend an der Brust. Seitdem wird dieser Ort speziell von Fernfahrern besucht. Auch überall am Land sieht man kleine Gedenkstätten der Difunta, wo man als Zeichen eine Flasche mit Wasser opfert.

Ein Problem gibt es hier beim tanken, der Tankwart meint sein Chef erlaube nur für 20 Pesos ( 6 Liter) Benzin herzugeben. Irgendwie bin ich mir nicht sicher ob das reicht bis zur nächsten Station. Nach der öden Landschaft nimmt die Vegetation bei San Augustin del Valle Fertil zu, wo ich dann endlich wieder voll tanken kann.

 

NP – ISCHIGUALASTO

Am Abend erreichen wir das Nationalparkzentrum von Ischigualasto. Der Campingplatz ist schattenlos und hat außer einer Beleuchtung und den Sanitäranlagen nichts zu bieten. Dafür malt die untergehende Sonne ein grandioses Farbenspiel auf die umliegenden Berge. Den Park darf man nur in Begleitung eines Rangers besuchen, so schließen wir uns am Morgen einigen Autos an. Der Ranger erklärt die verschiedensten geologischen Formationen. Die Formationen haben Namen wie U Boot usw., leider scheint die Sonne am späten Vormittag schon sehr hart und so sind die Farben nicht so ausgeprägt wie am Abend. Zurück geht es zum Ausgangspunkt, entlang einer über hundert Meter hohen roten Wand. Wir beschließen am Abend eine zweite Tour zu unternehmen. Vorher sehen wir uns im Museum die Saurierskelette und Fossilien, die in der Umgebung hier gefunden wurden, an. Als ich das Motorrad zur zweiten Tour starte, beginnt es plötzlich fürchterlich zu stinken und aus dem Scheinwerfer dringt Rauch, oh Gott was ist jetzt passiert. Die Kabel der Griffheizung sind verschmort, ich kann noch rechtzeitig die Zündung abschalten bevor es zu einem Kabelbrand kommt! Die Defekthexe scheint mich nicht in Ruhe lassen zu wollen. Welch ein Glück dass es hier passiert und nicht irgendwo unterwegs. Das mit den schönen Farben am Abend im Park wird eh nichts, denn plötzlich zieht ein Gewitter, begleitet von einem starken Sturm auf. Der Chefranger gibt uns den Tipp wir sollen das Zelt zusammenpacken und uns in die Garage legen, denn der Sturm könne heftig werden. In letzter Minute, bei einsetzendem Regen, schaffen wir unser Gepäck unter das Dach und schon gießt es wie aus Kübeln.

 

NP – TALAMPAYA

Am nächsten Morgen wollen wir gerade starten, da kommt ein Schweizer Motorrad in den Park, Adrian mit seiner Ténéré. Adrian ist schon das vierte Mal in Südamerika. Er würde sich auch gerne den Park ansehen, nur ist er aufgrund der gestrigen Regenfälle die nächsten Tage unpassierbar. So beschließt er uns zum NP Talampaya zu begleiten. Hier gibt es am Campingplatz wenigstens Schatten, den wir bei der Hitze ganz notwendig haben. Wir haben Glück, den kleinen Bus für die Tour haben wir nur für uns allein, es sind keine anderen Besucher hier. Adrian spricht perfekt spanisch und hat gleich eine Mordshetz mit unserem Guide. Beim ersten Stopp erklärt er uns einige Petroglyphen, die von früheren Bewohnern der Schlucht in die Felsen gemeißelt wurden. Beim nächsten Stopp stehen wir an einer roten über hundert Meter hohen Felswand, gigantisch welche Formen Wasser in Jahrtausenden hier aus der Felswand geformt hat.

Über dreißig Kilometer führt die Schlucht hinein und bietet uns  immer wieder die interessantesten Formationen. Die letzten fünfhundert Meter marschieren wir zu Fuß und entdecken dabei zwei Chinchillas in den Felsen sitzend.

 

CORDOBA

Wir verlassen Talampaya Richtung Cordoba, anfangs noch abwechslungsreiche Landschaft. Die riesigen Kandelaber Kakteen sind übersät mit Büscheln von weißen Blüten. Das ist allerdings nur bei den ersten siebenundzwanzig Kakteen interessant, bei den nächsten „zweitausendeinhundertdrei“ wird das aber dann auch schnell fade.

Die Straße zieht sich endlos gerade durch die Pampa, das ist schon einmal ein Vorgeschmack auf Patagonien. Man kann das vergleichen mit der Strecke Steyr – Innsbruck und in Salzburg ist dann einmal eine Kurve, natürlich mit Hinweisschild und dazu noch über 35°C. An einer Ortsausfahrt eine Polizeikontrolle, der Polizist faselt irgendetwas daher, wir können natürlich sofort noch weniger spanisch. Dann schreibt er auf einen Zettel, fünf Peso sollen wir spenden um das Wachhäuschen neu anzustreichen. Da wir den Anstreichfond der Polizei nicht unterstützen winkt er uns weiter. Mitten im Nirgendwo noch eine Polizeikontrolle, der kontrolliert nur die Fahrzeugpapiere, die haben anscheinend schon fertig gestrichen.

Etwa hundert Kilometer vor Cordoba wird die Landschaft wieder abwechslungsreicher, die Vegetation nimmt zu. Wir beschließen in Cosquin im Petit Hotel zu übernachten, ein nettes kleines Hotel, wo ich auch das Motorrad einstellen kann. Der Ort sieht aus wie ein kleines Westernstädtchen, Das Leben pulsiert am Abend, an der Hauptstraße stehen auf den Gehsteigen Tische und Sessel und die Menschen lassen sich ihr Parilla schmecken. Unaufhörlich fahren lärmende Autos und Mopeds auf – und ab, das scheint die argentinos aber nicht zu stören. Für uns ist diese Geräuschkulisse äußerst gewöhnungsbedürftig, man glaubt sich fast an eine Rennstrecke versetzt!

Wir wollen sehr früh aufbrechen um nach Cordoba zu kommen, nur starker Regen vereitelt unseren Plan, nachdem der Regen schwächer wird fahren wir. Inzwischen hat in Cordoba der Frühverkehr eingesetzt, hier musst du die Augen überall haben, denn kaum einer nimmt auf einen Motorradfahrer Rücksicht. Wir kurven durch die Strassen um zu dem im Reiseführer beschriebenen Hostel zu finden, wie erwartet voll!

Endlich im Palenque Hostel werden wir fündig und bekommen ein Zweibettzimmer. Zum Glück gibt es gegenüber eine Garage, wo die BMW einen sicheren Platz für die Nacht bekommt. Wir stürzen uns auf Besichtigungstour, denn im Reiseführer ist die Stadt als die mit den besterhaltenen Kolonialbauten Argentiniens beschrieben.

An der Plaza St. Martin steht eine von den Spaniern erbaute Kirche, einige Straße weiter eine Jesuitenmission und zwischen den modernen Häusern vereinzelt Häuser mit historischen Fassaden. Während des ganzen Nachmittags finden wir nicht wirklich Sehenswertes, scheint gleich wie in Mendoza zu sein. Man solle ja nicht gleich aufgeben. Am Sonntag probieren wir es noch mal, herrlich ruhig in der Stadt, denn die meisten fahren übers Wochenende aufs Land. Wir werden nicht wirklich fündig, erst am Abend im Künstlerviertel Güemes tut sich einiges. Verschiedenste Stände mit Kunsthandwerk, Antiquitäten, verschiedenster Ramsch, Trödel und viele Stände mit selbst gemachten Kuchen. Das künstlerische Highlight war in einem Hof eine gelungene Flamenco Vorführung.

In Zukunft nehmen wir Stadtbeschreibungen nicht mehr so ernst, es ist wie vieles im Leben relativ!

Von Cordoba nehmen wir die Straße nach Alta Gracia, um die gut erhaltene Jesuitenmission zu besichtigen. Wie wir in den Räumlichkeiten sehen, dürften die Mönche hier scheinbar gut gelebt haben. Während die Indios und Sklaven draußen in der Hitze schuften mussten. Ein unbedingtes Muss in der Stadt ist das Museo Casa de Ernesto Che Guevara, der große Held der kubanischen Revolution. Seine Eltern zogen mit dem asthmakranken Ernesto in das Bergdorf mit dem angenehmen Klima. Che, wie er später von den Argentiniern genannt wurde, verbrachte hier seine Kinder – und Jugendjahre. Neben den vielen Bildern über den Werdegang des großen Revolutionärs, steht auch die alte Norton, mit der er mit seinem Freund ein halbes Jahr durch Südamerika reiste, bekannt auch der Film

„Die Reise des jungen Che“.

Von Alta Gracia führt eine kurvenreiche Straße über die Berge, bei den ersten Kurven habe ich etwas Schwierigkeiten nach den langen Geraden eine Schräglage zu fahren. Auf über 2300 Metern geht es über eine Pampa Hochebene, wo uns der argentinische Wind versucht von der Straße zu blasen. Immer wieder haben Hirten kleine Stände an der Straße aufgebaut, wo wir ein Schaffell erstehen, um unserem Sitzfleisch etwas mehr Komfort zu gönnen. Daneben holt die Frau aus dem traditionellen Lehmofen frisches Brot, davon lassen wir uns auch sofort einen Fladen einpacken.

Am Westabhang der Berge erreichen wir das Dorf Mina Clavero, ein argentinisches Urlaubsdorf, wo derzeit noch nicht viel los ist, erst um Weihnachten, zu Beginn der Urlaubssaison, wird dort die Hölle los sein. Wir beziehen bei einer netten, aber etwas schrulligen, alten Dame ein Zimmer und nützen den heißen Nachmittag, um am Fluss wie die Einheimischen zu baden.

Da der Ort nichts Aufregendes zu bieten hat sind wir wieder auf Achse und möchten uns die Kondore im wichtigsten Brutgebiet im NP Quebrada del Condorito ansehen. Leider spielt der Wettergott nicht mit. Wir müssen leider wegen dichtestem Nebel – ohne die Kondore beobachtet zu haben – ins Tal fahren.

Durch grünes Hügelland schlängelt sich die  kurvenreiche Straße nach Villa General Belgrano. Dieser Erholungsort hat eine interessante Entstehungsgeschichte. Die heimatlosen Überlebenden des deutschen Kriegsschiffs Graf Spee waren hier interniert. Der Kapitän hatte das schwer beschädigte Schiff im Dezember 1939 im Hafen von Montevideo versenkt.

Im Hotel Samay Huasi werden wir vom Besitzer Luis sehr herzlich und umsichtig betreut. Er dürfte ein großes Herz für Motorradfahrer haben, denn als es in der Nacht zu regnen beginnt, deckt er meine BMW mit einer Plane ab.

Die deutsche Kultur ist überall ersichtlich, angefangen vom Münchner Brauhaus, Oktoberfest, Gulasch mit Spätzle und allerlei schmackhaften Mehlspeisen. Die vielen Souvenierläden (Haus Krems, Haus Salzburg, Kärntnerstube etc.) quellen über vor lauter Kitsch, man kann hier auch Bierkrüge mit österreichischem Wappen kaufen. „Leider haben wir dafür keinen Platz auf dem Motorrad!“

Den Tipp mit Villa General Belgrano verdanken wir unserem „Bierexperten“

Mr. Hans, noch mal Danke für den „heißen Insidertipp“. Haben auch auch schon ein Seiterl getrunken und den „Schober“ gekostet.

 

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.