Chile

Start 23.11.2008 in Santiago

 

 

Nach einem langen Flug von München nach Sao Paulo gibt es am dortigen Flughafen gleich mal Action, ich darf das Stativ nicht mehr als Handgepäck mitnehmen. Obwohl ich in München bei 2 Stellen der Lufthansa nachfragte. Die Sicherheitsleute sagen mir ich müsste jemanden von der Lufthansa holen um das zu klären. Oh das wird eng, denn wir hatten einen verspäteten Start in München da das Enteisen des Flugzeuges dauerte. So standen uns nur knappe 35 Minuten zur Verfügung um den Anschlussflug zu bekommen. Marika bleibt bei den Sicherheitsleuten, ich haste zum Lufthansa Schalter bin ganz aufgeregt. Die Dame am Schalter sagt mir (gelassen) sie werde jemanden holen, hoffentlich bald. Endlich kommt einer und gibt mir zu verstehen, dass ich mir keine Sorgen bezüglich des Anschlusses machen soll. Denn unser Weiterflug mit der Swissair hat sich um eine Stunde verzögert, da die auch Verspätung hat. Gott sei dank, Marika wird sicher schon nervös sein, denn sie ist ca. 200 Meter von mir entfernt im anderen Terminal. Gelöst komme ich zurück, wo bereits ein anderes Pärchen mit demselben Problem wartet. Unsere beiden Stative werden zusammen gepackt und als Gepäck eingecheckt, die erste Lektion, hier gehen die Uhren anders. 

In Santiago angekommen, winkt uns Ossi schon durch die Scheiben des Besucherdecks zu, super das mit der Abholung klappt perfekt. Raus aus dem Flughafengebäude schlägt uns gleich die volle Hitze entgegen, gefühlsmäßig so um die 30° C, angenehme Novembertemperatur!

Ossi wohnt etwas außerhalb von Santiago, in einer netten Siedlung. Zu unserer Überraschung findet am Nachmittag gleich seine Geburtstagsparty statt. Zur Party kommen lauter nette Leute, vorwiegend Österreicher,  wie Bernhard aus Seitenstetten, der schon seit sieben Jahren hier lebt. Es wird ein gemütlicher Nachmittag, zu einer leckeren Paella gibt es einige „exzellente“ Flaschen Chilenischen Sauvignon. Der gemütliche Nachmittag wird zu einer, lustigen und seehr langen Nacht!

Am Montag bringt uns Ossi zuerst zur Spedition bevor er ins Büro fährt. Lektion zwei, wir sind hier im Land der Küsser (alle und jeder wird hier geküsst), wir werden sofort von der hübschen Speditionsangestellten geküsst, das fängt ja nett an (das sollten sie bei Jet Trans in Hörsching auch einführen). Wir erfahren, dass wir am Dienstag in Valparaiso das Motorrad aus dem Zoll bekommen. Das mit dem Transport von Valparaiso mit einem LKW klappt leider nicht, so meint Ossi kein Problem, dann fahren wir halt mit dem Anhänger zum Hafen und holen es selbst ab. Während Ossi ins Büro fährt schlendern wir durch das Zentrum von Santiago. Im Mercado bummeln wir zwischen den Fischständen und gönnen  uns das erste chilenische Essen.

Als Verdauungsspaziergang wandern wir auf den Cerro San Christobaldo wo es einen schönen Ausblick über Santiago gibt. Am späten Nachmittag holt uns dort Ossi wieder ab, um von Günter den Anhänger zu holen. Er kommt aus Vorchdorf und ist der Besitzer der einzigen Sommerrodelbahn von ganz Chile.

Am Dienstag wird es ernst, wir fahren zum Hafen, bin gespannt ob es wirklich so problemlos klappt am Zoll, wie die Jet Trans zu Hause meinte. In Santiago ist es um diese Zeit schon sehr trocken, da der letzte Regen schon Wochen zurück liegt. Je weiter wir zur Küste kommen desto grüner wird das Land, die ersten Weingüter tauchen auf, hier handelt es sich um andere Dimensionen als wir von unseren Weinbauern gewohnt sind.

Endlich haben wir Valparaiso erreicht, wo uns am Zoll schon der Mann von der Spedition erwartet (er küsst uns nicht, wir sind darüber nicht böse). Überraschender Weise sind die Formalitäten in etwa 30 Minuten erledigt, das habe ich nicht erwartet, denn die letzte Woche waren die Zöllner in Streik und ich konnte mir nicht vorstellen, dass die gleich mit voller Energie loslegen.

Wir fahren zum Lagerhaus am Hafen, wo wir uns in die Schlange der wartenden LKW’s einreihen, zum Glück können wir mit unserem Anhänger vorfahren. Uns wird ein Warteplatz in Respektabstand zum Lagerhaus zugewiesen. Von hier aus können wir in Ruhe die Ladevorgänge der diversen Güter verfolgen. Der Mann von der Spedition ist indessen unterwegs um meine Kiste zu finden. Stunde um Stunde vergeht, bis er endlich wieder auftaucht und uns informiert, dass die Jungs erst mal Mittagspause machen, die bis 14:00 dauert! Das mit 14:00 wird nicht wirklich so ernst genommen, natürlich dauert es etwas länger. Inzwischen werden wir vom Warenhaus Oberaufseher angemozzt warum  wir keine Sicherheitsweste und keinen Helm tragen, hat ja keiner etwas davon gesagt. Eigentlich sollten wir diese Ausrüstungsgegenstände gleich am Eingang zum Hafengelände bekommen, davon sagte uns aber „Herr Wichtig“ auch nichts. Wir fahren zurück zum Eingang um uns diese wichtige Ausrüstung zu besorgen. So gegen 15:00 kommt unser Mann von der Spedition und meint die Kiste sei gefunden, jetzt müssen erst mal die Nummern am Fahrzeug kontrolliert werden. Nach einer weitern Stunde kommt der Spediteur und meint es könne nicht mehr lange dauern, es müsse nur mehr ein Stapler gefunden werden um die Kiste heraus zu bringen.  Es ist kurz vor 17:00 und ich traue meinen Augen kaum, als endlich der Stapler mit meiner Kiste kommt. Sie ist unversehrt, wie konnten die die Fahrgestellnummer ablesen wenn die Kiste nicht geöffnet wurde, die haben wahrscheinlich Röntgenaugen! Eigentlich sollte Ossi um 17:00 wieder in Santiago sein um seinen Zahnarzttermin wahr zunehmen!

 

DANKE Ossi für deine unendliche Geduld!

 

Am Mittwoch morgens beginnen Marika und ich mit dem Zusammenbau des Bikes. Wobei ich gleich eine schreckliche Entdeckung mache, ein Gabeldichtring leckt. Wie gibt es das, denn zu Hause hatte ich alles noch überprüft. Zufällig habe ich einen Simmerring dabei. Nur kann ich den Gabelholm nicht so ohne weiteres aufschrauben, dazu brauche ich einen Schlagschrauber. Wiederum erklärt sich Ossi bereit, am nächsten Tag bevor er ins Büro fährt mich zu einer in der Nähe gelegenen Werkstätte zu bringen. Hierbei handelt es sich nicht um eine Werkstatt in unserem Sinne, sondern eher um eine „Open Air“ Werkstätte. Einer Überdachung, wo gleich hinter der Werkbank der Hühnerstall steht. Aber man soll nicht gleich Vorurteile haben, denn hier gibt es sogar den für mich so wichtigen Schlagschrauber. In kurzer Zeit ist der Gabeldichtring gewechselt und Ossi bringt mich zurück in sein Haus, wo dann die BMW komplettiert wird.

Am Donnerstag packen wir unsere komplette Ausrüstung ein, irgendwie hat sich da so einiges dazu geschlichen. Denn bei unserer Probetour ins Rauris konnten wir alles problemlos unterkriegen, endlich passt doch alles in die Alukisten und den Seesack.

Am Freitag geht es los, unsere Südamerika Tour kann beginnen. 

Von Santiago fahren wir über Los Andes zur Argentinischen Grenze. Die Strasse führt uns immer höher und höher, in Serpentinen geht es hinauf zum Passo  Bermejo auf 3189 Metern, vorher erreichen wir noch den Schiort Portillo, wo ja unsere Schi Nationalmannschaft schon des öfteren ihr Sommertraining absolviert hatte. Durch einen Tunnel ginge es nach Argentinien, das wäre aber zu einfach. Denn es gibt den alten Passübergang auf einer Schotterpiste hinauf zum Christo Redentor, der reizt mich natürlich besonders. Diese Begeisterung teilt Marika natürlich nicht so wirklich, ob wir denn da unbedingt rauf müssen, natürlich müssen wir, alles andere wäre ja zu einfach, durch den Tunnel fahren ja eh alle anderen!

Kehre um Kehre windet sich die Schotterpiste in die Höhe. Es ist nicht wirklich eine Spazierfahrt mit dem vollen Gepäck, vorbei an Büssereisfeldern. Nach fast zehn Kilometern ist die Passhöhe auf 3840 Metern erreicht, ein grandioses Panorama bietet sich uns, vergessen ist die schwierige Auffahrt. Auf der Passhöhe steht eine riesige Christusstatue in Gedenken an den Friedensschluss zwischen Chile und Argentinien. Die beiden Grenzstationen sind nicht besetzt, das hat auch seinen Grund, denn am Gipfel ist die Argentinische Seite noch nicht geräumt. Die Argentinier hatten scheinbar noch keine Lust dazu, die lassen lieber die Sonne für sich arbeiten. Also den gleichen Weg zurück, zum Glück kann ich Marikas Gedanken nicht lesen!

 

 

 

 

 

 

 

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