Tajikistan 2004

 

TAJIKISTAN - eine Motorradreise in den Pamir

Endlich sind die Bürokratischen Hürden überwunden, wir sitzen im Flugzeug nach Tashkent. Unser Ziel diesmal Tajikistan und zwar die Provinz Gorno Bardakshan, der Pamir!
Monate zuvor hatten wir schon begonnen uns die Einladung zu besorgen, ohne die es kein Visa gibt. Auch die Daten zur Vorbereitung für das Pamir Permit, hatten wir schon nach Dushanbe gemailt.
Mit dabei mein Freund aus dem Weinviertel, der übrigens auch Franz heißt.


Herzlicher Empfang in Tashkent im SOS Kinderdorf, durch Khamal dem Direktor des Dorfes. Ich hole meine BMW aus der Garage, denn sie durfte nach unserer letzten Tour im vorigen Jahr den Winter hier verbringen. Nach dem Service an meiner BMW, machen wir uns auf nach Süden zur Tajikischen Grenze.

Es ist gar nicht so einfach den richtigen Grenzübergang nach Tajikistan zu finden. Wir werden zweimal abgewiesen. Bei Yangiyer war die Grenze geschlossen. Eine breite Straße führt zur Grenze bei Bekabad, leider ist das nur eine Nationaler Grenzübergang. Endlich finden wir den richtigen Übergang bei Bostan, ein unscheinbarer Posten. Die Usbeken fertigen uns rasch und unbürokratisch ab. Wir fahren durch ein Tor, schon nach wenigen Metern schon wieder Stop "Registracia", aha war doch noch nicht alles. In einem Container schlägt der Beamte die Pässe auf und stempelt das Tajikische Visa ab - "Welcome to Tajikistan". Habe gar nicht richtig mitbekommen das wir schon in Tajikistan sind, kein Schild weist darauf hin. Über Khudzhand in Sichtweite der Grenze fahren wir nach Süden. Nach Ura Tyube werden wir mit dem ersten Tajikischen Pass dem Shakhristan (3378 Meter) konfrontiert. Trotz der Höhe herrscht hier eine angenehme Temperatur. Nur der Straßenzustand lässt zu wünschen übrig, eine üble Schotterpiste. Nach Ayni liegt nur noch ein Gebirgszug vor uns, mit dem 3373 Meter hohen Anzob Pass. Hier werden wir so richtig eingestaubt, denn der Lkw Verkehr hat stark zugenommen. Auf dieser Straße kommen Güter aus Samarkand nach Dushanbe. Die Berge hier sind schon ein Vorgeschmack auf den Pamir, überall leuchten die Gletscher herunter. Auf relativ guter Straße durch das Varzob Tal erreichen wir Dushanbe.


Das Wahrzeichen von Dushanbe, ist das Denkmal von Somoni dem Staatsgründer. Dushanbe ist eine kleine überschaubare Hauptstadt. Der Präsidentenpalast, das Außenministerium lassen noch die Handschrift der ehemaligen Sowjetischen Machthaber erkennen. Das Hotel Tojikiston sieht nicht sehr einladend aus, ein typischer Plattenbau aus der Sowjet Ära und das für USD 70,. Aber schon naht Hilfe in Gestalt von Jacki, er bezeichnet sich selbst als "The Best Taxi Driver from Dushanbe". Franz hat ihn schon im letzten Jahr kennen gelernt. Jacki meint er kann uns ein Zimmer in seinem Haus vermieten. Das Angebot klingt gut, denn Jacki lebt einige Kilometer außerhalb und hat ein Haus mit Garten. Hier ist es vor allem ruhiger und kein Verkehr. Am nächsten Tag führt unser erster Weg ins Hotel Tojikiston zu Inturist, mal sehen wie es um unser Pamir Permit steht. Wir können es kaum glauben am zweiten Tag nach unserer Ankunft haben wir unser Permit in der Hand. In diesem Papier muss die genaue Reiseroute angegeben sein. Die Agentur versichert uns alles ist in Ordnung wir können damit überall hinfahren. Es ist Juli und die Temperatur liegt bei über vierzig C°, wir sehnen uns nach den kühleren Bergen. Zum Glück dauert unser Aufenthalt in Dushanbe nur zwei Tage. Bis Komsomolabad knallt die Sonne mit voller Kraft auf uns herunter, selbst der Asphalt wird dadurch weich und lässt unsere Reifen etwas einsinken.

Wir zweigen ab ins Garmtal, zur Kirgisischen Grenze, um von dort über Kirgistan wieder nach Tajikistan zu gelangen. Nur so ist es möglich eine Runde durch Tajikistan zu fahren. Denn durch das Land führt nur eine Straße, der Pamir Highway. In einem Dorf sind wir auf der Suche nach einer Unterkunft. Ein pensionierter Offizier der ehemaligen Sowjet Armee, betreibt hier eine Gastinica. In ihm steckt noch das kommandieren, die ganze Zeit scheucht er ziemlich forsch Frau und Töchter durchs Haus. Einzig der Enkel darf gemütlich beim Opa sitzen. Am nächsten Morgen brechen wir auf zur Grenze. Die nicht wirklich als solche erkennbar ist. Nach der Pass Kontrolle schickt man uns zweihundert Meter weiter zu einem Blechcontainer. Ah dass muss der kirgisische Posten sein. Irrtum dass sind die tajikischen Zöllner. Hier heißt es jedoch "Njet"! Aufgrund der sprachlichen Barriere, dauert es ziemlich lange bis sich herausstellt dass es sich hier um einen nationalen Grenzübergang handelt. Wir können es kaum fassen, in Dushanbe sagte uns der Agent "No Problem" wir können überall hin. Da haben wir Monate lang vorher die Reiseroute genau bekannt gegeben und dann dass! Die Beamten, selbst der Außenminister der unser Permit bewilligte wissen kaum was einige Kilometer außerhalb von Dushanbe los ist. Unsere ganze Überredungskunst nutzt nichts, denn ohne Ausreisestempel kann uns der Zöllner nicht passieren lassen. Mit einer gehörigen Wut im Bauch fahren wir zurück, vierhundert Kilometer umsonst!

Nachdem sich unsere Wut einigermaßen gelegt hat, kommt ein Rasthaus gelegen. Wie es hier üblich ist nehmen wir unser Mittagessen, auf einer Art Betten ein. Hier ist alles vereint Restaurant und Supermarkt.
Es gibt Rindfleisch mit Fladenbrot und der obligate Tsai darf auch nicht fehlen. Zum Abschied schenkt uns der Wirt noch Melonen.
Über spektakuläre Straßen und Pässe geht es nach Khorog.
Ab Khorog, bildet der Panj die nächsten fünfhundert Kilometern die natürliche Grenze zu Afghanistan. Hier zeigt sich das erste mal wie wichtig unser Permit ist. Denn entlang des Panj gibt es immer wieder Kontrollen. Und zwar vom Russischen Militär! Unsere Daten werden genauestens, in irgendwelche verknitterten Hefte eingetragen. Dann wird mittels eines alten Feldtelefons der nächste Posten von unserer Ankunft verständigt. Einmal müssen wir uns das Lachen verkneifen, als der Soldat eine viertel Stunde unermüdlich kurbelt bis eine Verbindung zustande kommt. Immer wieder treffen wir auf patroullierende Soldaten, sie sollen hier den Drogen - Schmuggel unterbinden. Schwer vorstellbar wie man hier ohne Brücke über den wild reißenden Panj kommt.

Eine LKW Kolonne bedeutet hier nichts gutes. Hier scheint die Tour schon nach wenigen Tagen zu Ende zu sein. Denn der Pamir Highway ist in den Panj abgerutscht. Mit unseren Motorrädern fahren wir an der LKW Kolonne vorbei, einige Männer Arbeiten schon an der Behebung des Schadens. Nein hier gibt es keine durchkommen meinen die Arbeiter. Mit unseren Motorrädern muss es doch irgendwie gehen. Wir räumen selbst noch einige Felsbrocken beiseite. Zwängen uns zwischen der Wand und dem Straßenbau LKW durch, etwa eineinhalb Meter ist von der Straße noch übrig. Wir können kaum fotografieren, denn immer wieder kommt vom unbefestigten Hang Geröll herunter. Wir erfahren später dass der Pamir Highway 10 Tage gesperrt war. Denn auch der letzte Rest rutschte ab, nur mehr zu Fuß war die Stelle passierbar. Überhaupt Ist die Straße in sehr desolatem Zustand. Wir schlucken hier jede Menge Staub. Ursprünglich war der Pamir Highway durchgehend asphaltiert. Denn während der Sowjet Zeit lief hier der Nachschub für den Afghanistan Krieg. Ist auch kein Wunder dass der Asphalt nicht lange hält. Denn hier wird Teer nur mit Schotter und Erde etwas vermischt. Man muss sich das Vorstellen diese Straße ist die einzige Verbindung in den Pamir. Überhaupt wird diese Region, von der Regierung sehr stiefmütterlich behandelt.
Der Präsident hat ja wichtigere Investitionen vor, wie sich einen neuen Palast zu bauen und auch die Schweizer Konten müssen regelmäßig gefüllt werden!

Am ersten und wohl auch einzigen Campingplatz (N 37° 54.823', EO 71° 24.11') in Tajikistan, genießen wir nach Tagen wieder eine heiße Dusche. Die Jungs haben einen alten Tank in der Sonne stehen, wo sich das Wasser problemlos aufheizt. Denn auch im Panj Tal herrschen Temperaturen bis zu 40°C.

Auf der Afghanischen Seite leben die Menschen in einer gewissen Isolation, es gibt nur in Khorog und Khalaikum Brücken über den Panj. Vor dem Bürgerkrieg konnte manchmal ein Arzt mit einem Boot über den Panj fahren um die Menschen medizinisch zu versorgen. Nach dem Bürgerkrieg wurde die Grenze dicht gemacht, obwohl auch auf der Afghanischen Seite Pamiri leben und viele Menschen drüben auch Pamiri sprechen. Im Gegensatz zur Tajikischen Seite gibt es auf der Afghanischen keinen Strom und keine Straße. Um ins afghanische Hinterland zu gelangen, müssen die Menschen hunderte von Kilometern am Panj auf abenteuerlich angelegten Wegen zurücklegen. Denn die Berge hier sind zu hoch um überquert zu werden.

Abstecher ins Bartang Tal. Die Straße führt auch hier in einer abenteuerlichen Trassenführung an steilen Schotterhängen entlang. Wir wollen zum Sarezskö Stausee, dieser See ist vor langen Jahren nach einem Erdrutsch entstanden. Wieder einmal Polizeikontrolle, nach der Registrierung unserer Pässe meint der Beamte wir können hier nicht weiterfahren denn das Bartang Tal steht nicht auf unserer "Marschrouta"! Es dauert lange um dem Polizisten zu erklären dass unser Permit auch für das Bartang Tal gilt. Die Hauptstadt ist weit weg und so machen sich die Dorfpolizisten hier ihre eigenen Gesetze. Endlich öffnet sich die Schranke für uns, mit der Aufforderung in drei Stunden müssen wir wieder zurück sein. Der Bartang ist aus seinen Ufern getreten und damit für uns Endstation, ohne den See gesehen zu haben. Der Fluss ist so tief, dass auf fünfzig Meter nur eine Passage mit LKW möglich ist.

Dieses Gorno Badakhshan ist eine autonome Region. Die Menschen hier bezeichnen sich stolz als Pamiri und nicht als Tajiken. Fast jedes Dorf hat seine eigene Sprache oder zumindest einen eigenen Dialekt.
Ein Mann lädt uns voll Stolz in sein Pamir Haus ein. Von außen scheinen sie nur einfache Lehmhütten zu sein, im inneren ein ganz anders Bild. Durch das zentrale Dachfenster fällt Licht auf die schöne Holzkonstruktion. Jedes Haus hat fünf Säulen, sie sollen die fünf Heiligen des Islam verdeutlichen. Die Frauen in den Tälern stricken emsig an den typischen bunten Pamir Socken. Ein Mann spielt auf der Rubab (ein altes Saiten-instrument) und singt ein Lied an die Mutter.
Eine alte Turbine liefert den Strom für das ganze Tal. Wir können es kaum glauben, bei näherer Begutachtung stellt sich heraus sie kommt aus Österreich. Hergestellt von der Firma Voith in St. Pölten Baujahr 1953!

Franz mein Reisepartner war schon im letzten Jahr hier in Khorog. Die Privat Unterkunft haben wir einem Mann zu verdanken, mit dem Franz schon im letzten Jahr zu tun hatte. Der Mann ist KGB Offizier, diese "Organisation" hat hier noch immer die Finger im Spiel. Beim KGB müssen wir auch wieder die Prozedur der Registrazia über uns ergehen lassen.

Südlich von Khorog liegt in den Bergen Garmshaschma. Es erinnert ein wenig an Pammukkale in der Türkei, nur sind diese Sinter Terrassen etwas kleiner. Wir nützten die Möglichkeit um im Thermalwasser zu baden und zu relaxen. Ein Genuss ist es im Freibecken zu plantschen, richtiggehender Luxus. So sind wir nach Wochen wieder einmal Porentief sauber.
Ab Ishkashim bin ich wieder alleine Unterwegs. Denn mein Reisepartner Franz, macht einen Abstecher ins nördliche Afghanistan. Wir verabreden uns, in zwei Wochen in Dushanbe wieder zu treffen.
In Vrang liegt versteckt zwischen den Häusern ein Museum. Durch Farben und Muster hebt sich das Gebäude von den übrigen Pamir Häusern ab. Zwei Männer sind dabei den Bau zu restaurieren, sie lassen ihre Farbtöpfe stehen um mir das Museum zu zeigen. Im ersten Raum sind Gebrauchsgegenstände des täglichen Lebens, wie Töpfe, Werkzeug bis zum alten Webstuhl zu sehen. Der zweite Raum entspricht den üblichen Pamir Häusern mit der traditionellen Dach Konstruktion. Nach der Führung laden mich die Männer zum üblichen Tee und Essen im Museum ein. Eine Besonderheit steht etwas abseits des Museums, die Überreste eines alten Sonnen Kalenders.

In diesem Tal prallen zwei Gebirgswelten aufeinander. Auf Tajikischer Seite der Pamir. Und hinter einer schmalen Zunge gebildet von Afghanistan, die Berge des Hindukusch in Pakistan. Vier Siebentausender stehen hier in Sichtweite, wobei sich leider der höchste der Tirich Mir hinter Wolken versteckt.
Eine früher streng Kontrollierte Grenze, jetzt rosten die verlassenen Grenztürme aus Sowjet Ära vor sich hin. Irgendwie eigenartig, hier wo der Panj im Gegensatz zu vorher ohne Probleme zu überqueren ist gibt es keine Patroullien. Drogenschmuggel wäre hier kein großes Problem. Erst kurz vor dem Kargush Pass auf
4300 Metern eine einsame Kaserne wo wieder die übliche Registracia von zwei freundlichen Russischen Soldaten vorgenommen wird.

Murgab ist das Zentrum des Pamir Plateaus. Die Stadt wird von vielen Kirgisen bewohnt, teilweise leben Kirgisen in ihren Jurten auch als Nomaden am Plateau. Einen etwas trostlosen Eindruck vermitteln die Häuser mit einem regelrechten Wald von Lichtmasten. Eine französische Organisation ( ACTED) unterhält hier ein kleines Gästehaus. Das Personal ist sehr freundlich und es gibt ausgezeichnetes vor allem nach dem vielen Shorpo abwechslungsreiches Essen. Die Übernachtung inkl. Abendessen und Frühstück für USD 10,- (N 38° 10.549' EO 73° 58.031'). In Ermangelung einer Garage, werde ich aufgefordert meine BMW einfach in der Küche zu parken. In Tajikistan gibt es kaum Tankstellen, so bin ich am Markt unterwegs um Benzin aufzutreiben. Einige Männer bieten in allen möglichen Kanistern und Behältern welches an. Teilweise wird auch unterwegs an Bushaltestellen Benzin verkauft. Als Maßeinheit dienen kleine und größere "Gurkengläser". Selbst wenn es einmal eine Zapfsäule gibt, wird in Gurkengläsern gemessen denn die wenigsten haben ein Zählwerk.
Grandiose Wolkenformationen bieten sich mir auf der Weiterfahrt am Plateau. Der höchste Pass der Region ist der Akbaytal mit 4 655 Metern. Was soviel wie weißes Pferd bedeutet bietet einen faszinierenden Rundblick.
Teilweise in Sichtweite der Straße zieht sich der über hunderte Kilometer von den Chinesen erbaute Grenzzaun. Früher war dieser Zaun auch noch elektrisch geladen. Solche Ideen können nur kranken Politiker Gehirnen entspringen, um Menschen und Völker voneinander zu trennen.

Die Nacht verbringe ich auf viertausend Meter, bei einer Familie in einem Straßenbau Camp. Als ich früh am Morgen aufbreche liegt die Temperatur knapp über dem Gefrierpunkt, die BMW tut sich ganz schön schwer bis sie ihre ersten Töne von sich gibt. Ein gewaltiges Panorama bietet sich mir, dass ich aber nicht richtig genießen kann. Denn die Strasse ist leicht angeschneit und ich muss voll konzentriert fahren um nicht auszurutschen. Für europäische Verhältnisse unvorstellbar hier lebt eine Familie auf über 4300 Metern mit ihren Kühen und Schafen.
Im Gund Tal endlich wieder angenehme Temperaturen, die Kälte sitzt mir aber noch in den Knochen.
Wieder eine Kontrolle mit Registracia, der obligate Eintragung in ein zerfleddertes Heft. Diese Registrierung dauert über eine Stunde, ich bin darüber gar nicht sauer. Denn der Polizist schickt einen der Männer nach Hause, der kommt mit Fladenbrot, Yoghurt und Tee zurück.
Während eines Foto Stopps kommen zwei Männer hinter einem in der Nähe der Straße stehenden Haus hervor. Sie winken, ich solle zu ihnen kommen. In einer riesigen Pfanne, wird Plov einer Art Reisfleisch zubereitet. Denn heute ist ein Festtag, die Geburt eines Sohnes wird gefeiert. Frauen und Männer essen getrennt. Dazu werden neben Freunden, und Nachbarn auch Leute wie ich von der Straße weg eingeladen. Im Vorraum des Hauses die nächsten Nachbarn und engsten Freunde. Die Großmütter und die stolze Mutter halten sich im hinteren Wohnzimmer auf. Strahlend präsentiert die junge Mutter den Nachwuchs.

Auf dem Pamir Highway bin ich wieder nach Dushanbe unterwegs. Leider höre ich nichts Gutes, angeblich ist der Pamir Highway noch immer gesperrt. Hoffentlich ist das nur ein Gerücht, denn so müsste ich einen Umweg von über siebenhundert Kilometer in Kauf nehmen. Wie schon auf der Hinfahrt, campiere ich bei den Jungs die hier den Campingplatz im Panj Tal betreiben. Spät in der Nacht hält ein Auto, die erlösende Nachricht der Pamir Highway ist nach über zehn Tagen wieder frei.
Am nächsten Tag treffe ich eine Gruppe Ungern mit ihren Montain Bikes, über zwei Monate wollen sie durch den Pamir und weiter nach Kirgistan radeln.
Die Radler erzählen mir dass sie gestern Abend noch die Stelle mit der abgerutschten Straße passiert haben. Allerdings war dies nur über einen schmalen Fußpfad möglich. Und auch nur mit den Rädern möglich. Für meine BMW wäre dies unmöglich gewesen!

Heute scheint der Tag der Zweiräder zu sein, denn eine Stunde nach dem Treff mit den Radfahrern der nächste Stop. Biegen doch tatsächlich zwei Motorräder um die Ecke, übrigens die einzigen auf der gesamten Tour. Es sind Karen und Götz aus Berlin mit ihren F 650! Die beiden sind schon einige Zeit unterwegs und sind über Land von Berlin in den Pamir gefahren. Das gibt narürlich jede Menge Stoff für Geschichten. Wir lassen uns bei fast 40°C gleich am Strassenrand, im Schatten unserer Bikes nieder. Einzige Unterbrechung unserer "Benzin Gespräche" die hupenden und - freundlich winkenden tajikischen LKW Fahrer.
Endlich habe ich Dushanbe wieder erreicht. Ich beziehe wieder ein Zimmer bei unserem Freund Jacki.
Am nächsten Tag trifft auch Franz ein, wieder heil zurück aus Afghanistan. Von Dushanbe geht es mit zwei Abstechern zurück nach Usbekistan. Der erste führt zum Iskander Kul, dem Alexander See, benannt nach Alexander dem Großen. Malerisch liegt er von Bergen umrahmt, wegen der herrlichen Lage hat der Tajikische Präsident hier ein Wochenendhaus.

Eine schlimme Bergpiste mit teilweise grobem Geröll führt zu den sieben Seen. Plötzlich verschlägt es mir den Lenker, ich pralle mit der Alu Kiste gegen eine Steinmauer. Einer dieser großen Steinbrocken steht hervor und ich klemme mir den Unterschenkel ein. Höllischer Schmerz, merke aber dass nichts gebrochen ist. Im eiskalten Gebirgsbach kühle ich mein Bein. Schade so wird es nichts mit einer Bergtour, denn der Unterschenkel ist stark angeschwollen.
Am nächsten Morgen mache ich bei meiner BMW eine kleine Entdeckung. Der Rahmen ist gebrochen und zwar an mehreren Stellen! Wir sind hier übrigens 70 Kilometer in den Bergen, was tun? Glück im Unglück kommt am Abend ein Lkw mit einer Männergruppe. Dieser LKW bringt mich am nächsten Tag ins Tal. Hier betreibt eine Englisch - Tajikische Kooperation eine Goldmine.
Die Werkstattleiter Greame aus Neuseeland meint kein Problem. Und schon bruzzelt einer seiner Männer den Rahmen wieder zusammen.
Nach getaner Arbeit lädt uns Greame noch ins Camp zum Mittagessen, welch ein Genuss. Wir genießen die Klima Anlage und ich kann mein Bein mit Eis kühlen. Sieht schlimm aus, der Bluterguss spielt alle Farben und ich komme gerade noch in den Stiefel hinein.
Endlich wieder auf Asphalt, sind wir unterwegs zur Grenze. Die Abfertigung geht ohne lästige Kontrollen zügig voran. Die Zöllner wie immer mehr an unseren Motorrädern, als an den Papieren interessiert.
Wir erreichen am Nachmittag Samarkand, quartieren uns im Furkat ein. Hier legen wir einen Relax Tag ein. Nach diesem Erholungstag brechen wir auf zu unseren letzten Etappe nach Tashkent. Endlich haben wir die Hauptstadt erreicht und biegen ein ins SOS Kinderdorf.
Ein interessanter Monat im Pamir liegt hinter uns. Herausragend wie so oft die Begegnung mit den netten Menschen. Deren Gastfreundschaft für einen Mitteleuropäer oft überwältigend ist!


Am nächsten Tag bereiten wir unsere Motorräder für den Winterschlaf vor, denn sie bleiben hier.
Erst im nächsten Jahr möchte ich aufbrechen zur letzten Etappe, um meine BMW endgültig wieder nach Hause zu bringen.

Aber dass wird wiederum eine andere Geschichte………..

 

Reisetipps Tajikistan

Reiseführer: Lonely Planet Central Asia, ISBN 0-86442-673-9

Karten: Nelles Maps Central Asia 1: 1,750.000,
fraytag & berndt Zentralasien 1: 1,750.000

Visa nur mit Einladung erhältlich: € 130,-
GBAO Permit € 65,- inkl. Einladung, erhältlich bei Mr. Hasan mail: hotel@tojikiston.com

Geld: € 100,. = 350 Somoni

 

 

 


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