EUR - ASIA 2002 - 2005

Öffnen Sie parallel zu meinem Reisebericht folgende Bildergallerie!

Sibirien
Kasachstan
Usbekistan
Russland
Ukraine

RUSSLAND

Name: Rossiskaja Federazija (Rossija)
Hauptstadt: Moskau, 8,75 Mio. EW
Fläche: 17.075.000 km²
Staatsoberhaupt: Präsident Wladimir Wladimirowitsch Putin
Regierungsform: Präsidialdemokratie mit föderativem Staatsaufbau
Bevölkerungszahl: 143,5 Mio. (ca. 2/3 im europäischen Teil)
Landessprache: Russisch
Währung: Rubel, 1 € = 35 Rubel
1 Liter Benzin 92 Oktan Rubel 10,-

Der mongolische Zöllner knallt den Ausreisestempel in unsere Pässe, auf nach Russland. Was wird uns hier erwarten, es kursieren alle möglichen Geschichten über den russischen Zoll. Am Einreiseschalter ein Zettel in russisch, englisch und französisch dass für jedwede Amtshandlung, Stempel und dergleichen keine Kosten anfallen. Wir bekommen sogar das Deklarationsformular in Deutsch ausgehändigt. Die Abfertigung geht zügig voran, ein oberflächlicher Blick in unsere Alu Kisten und schon sind wir abgefertigt. Wir sind in Russland, bzw. in Sibirien, es ist schon später Nachmittag unser nächstes Ziel Ulan Ude.
Aufgrund fehlender Beschilderung ist es nicht sehr leicht in Ulan Ude ein Hotel zu finden. Hilfe erhalten wir von den Gästen einer Geburtstagsparty, zu der auch wir herzlich eingeladen sind. Das Hotel hat leider keine Garage für unsere Motorräder. So geht eine Frau mit mir zur Post zum Telefonieren. Es wird lange hin- und her diskutiert, am Rückweg zum Hotel sagt sie zu mir "Police is coming". Nach einer halben Stunde braust ein Polizei Jeep vors Hotel. Drei Polizisten springen heraus, mit Kalschnikows und schusssicheren Westen. Mit freudigem Hello werden wir begrüßt. Die Polizisten geben uns zu verstehen ihnen zu folgen. Mit Blaulicht und Sirene geht es zur Polizeikaserne, wo unsere Bikes einen sicheren Platz bekommen.
Anschließend bringt uns die Polizei wieder zurück zum Hotel, wo dann bis spät in die Nacht gefeiert wird.
Immer wieder wird an der Straße schmackhafter geräucherter Fisch angeboten, wir haben den Baikal See erreicht. Es ist gar nicht so leicht eine Zufahrt zum See zu finden. Über einen Feldweg und kleinere Hindernisse erreichen wir das Ufer des Baikal Sees. Der Baikal See ist mit einer Länge von über 630 Kilometern und 1630 Metern Tiefe der tiefste See der Erde. In ihm lagern fast fünfzig Prozent der Süßwasserreserven der Welt. Die "Perle Sibiriens" wird er auch genannt. Davon merken wir leider nicht viel, denn das Wetter spielt nicht so recht mit. Immer wieder beginnt es zu regnen. Wir schlagen unser Zelt am Ufer auf und sind nicht lange alleine. Zwei Familien aus Irkutsk haben sich denselben Platz ausgesucht und verbringen hier das Wochenende. Teilweise sind selbst gezimmerte Tische und Bänke vorhanden, auch ein Dach kann nicht schaden. Wir werden sofort eingeladen, es wird aufgetischt was die Sibirische Küche zu bieten hat. Anfangs haben wir mit unserem wenigen Russisch noch etwas Probleme. Aber im Laufe der Nacht und zunehmendem Wodka Konsum, dem wir uns nicht entziehen können, klappt die Verständigung immer besser! Nach dieser langen Nacht müssen wir noch einen Erholungstag anhängen, denn die Knie sind zu weich um weiterfahren zu können.

Wir erreichen Irkutsk, in Ermangelung einer sicheren Garage stellen wir unsere Motorräder in den Hoteleingang, Njet Problem!
Irkutsk, gegründet von Kosaken als Garnison um die dort ansässigen Burjaten zu kontrollieren. Im 17. Jahrhundert war Irkutsk auch der Ausgangspunkt für Expeditionen in den fernen Norden Sibiriens. Irkutsk bekam auch den Namen das Paris von Sibirien. An so manchen Bauten lässt sich heute noch erahnen, dass die Stadt den Beinamen nicht zu Unrecht erhalten hat.
In den Parkanlagen genießen die Irkutsker den kurzen sibirischen Sommer und am Ufer der Angara wird bis spät in die Nacht hinein gefeiert.
Das Angebot auf den Märkten ist groß, nur leistbar ist es nicht für jeden. Denn am Zerfall der Sowjetunion leidet auch Sibirien. Sehr häufig sieht man verfallene Fabrik Ruinen. Die Menschen im Osten werden von der Regierung vergessen, alles konzentriert sich westlich des Urals und um Moskau.
Im Sommer eines der Wahrzeichen auf Russlands Straßen, die gelben Kvas Fässer. Dieses Erfrischungsgetränk wird aus Schwarzbrot hergestellt. Es ist beliebt und vor allem billig, schmeckt ähnlich unserem Malzbier.
Der Stand der Technik hinkt großteils hinterher. Wie rumpelnde Wellblechgaragen poltern die alten Straßenbahnen über die Schienen. Und auch so mancher alte Moskvich streikt mitten auf der Straße. Seelenruhig wird mitten im Verkehr repariert.
Einem der bekanntesten Söhne von Irkutsk wurde hier ein Denkmal gesetzt, dem ersten Menschen im All, dem Kosmonauten Juri Gargarin.

Viele Parkplätze an der M 53, der Transitroute werden zum Marktplatz umfunktioniert. Jede Menge Pilze und Beeren aus den Wäldern, Kartoffel, Gemüse, Käse und Milch werden angeboten. Jeder versucht irgendwie über die Runden zu kommen. Die Idylle trügt, wenn man die bunten Holzhäuschen sieht. Das Leben in Sibirien ist hart, sehr hart. Es gibt kein fließendes Wasser. Auch im Winter bei bis zu - 40°C, müssen die Menschen ihr Wasser aus Zugbrunnen vor dem Haus holen.

Für uns scheinen die Weiten endlos, erst recht für Radfahrer. Wir treffen drei Finnen sie kommen über das Baltikum, quer durch Russland, ihr Ziel liegt im fernen Osten in Wladivostok. Drei Monate sind sie schon unterwegs, eines haben sie noch um ihr Ziel zu erreichen. Zu dritt ist so eine Tour einigermaßen abwechslungsreich, aber allein! Ein einsamer Radfahrer entpuppt sich als Österreicher, aus der Nähe von Salzburg. Er hat mehr oder weniger "open end" und ist nach Japan unterwegs. Dort will er sich eine Arbeit suchen um die nächsten Jahre in Asien zu verbringen.

Gelegentlich treffen wir auch einheimische Motorradfahrer. Unterwegs sind sie mit dem russischen Motorrad, einer Ural! Die Russen sind Improvisationskünstler. Kaputte Speichen werden im wahrsten Sinn des Wortes russisch durch Einschweißen von Flacheisen ersetzt. Immer wieder passiert es uns, dass die Leute auf unsere BMW's zeigen und meinen "Prinzip Ural". Worauf wir antworten "Njet" Prinzip BMW und zeigen auf die Ural. Man weiß anscheinend nicht, dass die Sowjets nach dem Zweiten Weltkrieg die BMW's konfisziert haben um sie dann hier zu kopieren, aber technisch ist es ihnen nicht besonders gelungen.

Mit der Verpflegung unterwegs gibt es keine Probleme. Seit Privatinitiative erlaubt ist, entstehen kleine Raststätten. Nur ein Problem gibt es für uns. Wir können zuwenig kyrillisch und daher die Speisekarte nicht lesen. So zeigten wir einfach auf die Gerichte anderer Reisender, die uns als schmackhaft erscheinen. Eines der häufigsten Gerichte auf der Strecke ist, "Schaschlik"- Grillspieße. Dazu gibt es jede Menge Salat und Gemüse. Diese Vitamine haben wir in der Mongolei vermisst. Die Küchen hier sind zwar einfach, geschmeckt hat es meist sehr gut. Manchmal sehen die Raststätten aus wie eine Baubaracke. Hier kochen Mutter und Tochter. In Handarbeit werden Pelmicki, kleine Teigtaschen unseren Ravioli ähnlich, hergestellt. Als Nachspeise gibt es häufig Plini, ähnlich unseren Palatschinken mit süßem oder saurem Rahm.
Wir überqueren einen der größten Flüsse Sibiriens, den Yennisey und erreichen Krasnojarsk. Ein Problem ist es manchmal in diesen riesigen Städten ein Hotel zu finden. Die Polizei, dein Freund und Helfer, hat hier einen Kontrollposten. Als sie uns sehen lassen sie die Autofahrer ungeschoren und wenden sich uns zu. Sofort die neugierigen Fragen, woher? wohin? Wir versuchen ihnen zu erklären, dass wir auf der Suche nach einem Hotel sind. Der Kommandant stellt uns nach dem üblichen Foto gleich zwei seiner Männer zur Verfügung, die uns zu einem Hotel lotsen. Mit der Polizei haben wir immer gute Erfahrungen gemacht. Nichts von all den Horrorgeschichten korrupter Polizisten, die einen abkassieren. Denke, wenn man sich wie bei uns an die Verkehrsvorschriften hält, gibt es keine Probleme. Nur die Einheimischen haben es sicher schwerer mit den Behörden. Nicht nur hinein - auch das herausfinden aus den riesigen Städten ist aufgrund der spärlichen Beschilderung nicht einfach. Genosse Lenin ist auch noch immer präsent. Neben modernen Wohnbauten, prägen auch noch immer die alten sibirischen Holzhäuser die Großstädte.
Weiter nach Westen, Richtung Novosibirsk führt uns die Straße. Bei diesen Entfernungen muss natürlich auch mal getankt werden, das Tankstellennetz ist ausreichend. Das Tanken in Russland ist nicht einfach. Zuerst muss man die Liter angeben, was für uns nicht einfach ist, weil wir nicht genau wissen wie viel wir schon verbraucht haben, dann bezahlen. Das Geld legt man in eine kleine Blechdose, die einem durch einen Schlitz zugeschoben wird, denn die Kassierer sitzen hinter Gitter und Panzerglas, dann erst läuft die Pumpe.


Hotel: Gusinoozersk, DZ Rb. 220,-
Irkutsk DZ Rb. 1050,-
Kraznoyarsk Hotel Tourist DZ Rb. 1080,-


KASACHSTAN

Name: Kazakstan Respublikasy
Hauptstadt: Astana seit 10.12.97, ca.500.000 Einwohner
Fläche: 2 717 300 km²
Staatsoberhaupt: Nursultan Abischewitsch NASARBAJEW
Regierungsform: Republik mit starker Stellung des Präsidenten
Bevölkerungszahl: 14,8 Mio. EW, 53 % Kasachen, 30 % Russen, Ukrainer, Deutschstämmige. 116 offiziell anerkannte Nationalitäten
Landessprache: Kasachisch (Staatssprache), Russisch (Verkehrssprache)
Währung: Tenge 1€ = 165 Tenge
1 L Benzin 92 Oktan ~ 50 Tenge

Von Sibirien gelangen wir nach Kasachstan. Von Semey durch die kasachische Steppe nach Almaty der ehemaligen Hauptstadt Kasachstans. Die jetzige Hauptsstadt Astana wurde vom größenwahnsinnigen Präsidenten mitten in der Steppe aus dem Boden gestampft.
Kasachstan ist das neuntgrößte Land unserer Erde und liegt im Herzen der Eurasischen Steppe. Dieser Streifen Grasland erstreckt sich von der Mongolei bis nach Ungarn. Dieses Grasland war mehr oder weniger die Autobahn auf dem Weg ins Abendland und zugleich Weidegrund der nomadisierenden Reitervölker vor über tausend Jahren. Die Kasachen waren schon immer ein Nomadenvolk. Daher gibt es auch keine antiken Ruinen. Die wenigen historischen Erinnerungen entstammen nicht der kasachischen Kultur.
Die Grenzkontrollen verlaufen ohne Schikanen, nicht wie man uns zu Hause prophezeit hatte. Immer wieder stoßen wir auf deutsche Wurzeln. Der russische Grenzpolizist spricht uns in gebrochenem Deutsch an. Er erzählt seine Mutter war eine ehemalige Wolgadeutsche.
Die erste große kasachische Stadt ist Semey, das ehemalige Semey Palatinsk.
Die Sowjets unterhielten hier über 40 Jahre lang, ca. 150 Km nördlich von Semey, ein Atomtestgelände. In dieser Zeit ließen sie über 470 Atombomben in der Region explodieren. Noch heute ist diese Region verstrahlt.

Auch hier in Kasachstan erlebt die Russisch-orthodoxe Kirche eine neue Blüte. Wir lernen einen jungen Popen kennen, er führt uns durch seine Kirche. Voll Stolz weist er darauf hin, dass jetzt wieder heilige Messen gefeiert werden dürfen. Seit über zwei Jahren arbeitet ein Restaurateur an der Kirche, um sie wieder im alten Glanz erstehen zu lassen.
Trostlos zieht sich der raue Asphalt durch die kasachische Steppe. Die Temperaturen steigen Richtung 40°C. Ein kasachischer "Drive Inn", hier wird Trockenfisch angeboten. Die Leute bleiben stehen, holen sich aus einem alten Koffer den Fisch und legen das geforderte Geld hinein. Auch wir nutzen die Gelegenheit um uns zu erfrischen. Sofort sind wir umringt von neugierigen Kasachen, und das üblich Frage - und Antwortspiel "woher - wohin"? beginnt. Die allerwichtigste Frage ist jedoch, skolko Dollar Motorcicle!
Die kasachischen Steppenseen sind im Ausland dafür bekannt, dass man hier Welse und andere Großfische fangen kann. An einem getrockneten Kopf können wir erahnen, dass es sich hier nicht um Fischerlatein handelt.
Da wir weit und breit keine Raststätte finden schlagen wir in der Steppe unser Zelt auf und werden mit einem grandiosen Sonnenuntergang belohnt.
Wir frühstücken am nächsten Morgen bei einer Tankstelle und trauen unseren Augen kaum. An der Wand hängt ein Poster von Hallstatt.

Auch in Kasachstan ist das Pferdefuhrwerk ein gebräuchliches Transportmittel. Nach der schier endlosen Steppe tauchen die ersten Hügel u. Berge auf. Zwar nur für eine optische Abkühlung, sorgen die mit Schnee bedeckten Berge am Horizont. Es sind die Ausläufer des Tian Shan Gebirges, das sich durch Kirgistan bis nach China erstreckt.
Die Apfelbäume in den Gärten sind zum Bersten voll. Die Äpfel werden direkt vermarktet. In den Dörfern bis Almaty reiht sich ein Apfelstand an den anderen. Eigentlich gibt es die Äpfel nur Kübel weise. Aber wohin damit am Motorrad. Für uns haben die Frauen eine Ausnahme gemacht, ein Kilo reicht. Bis der nächste Kunde kommt setzt man sich auf ein Schwätzchen zusammen, oder es wird Schafwolle gesponnen. Wir sind daher eine willkommene Abwechslung für die Damen. Mit unserem spärlichen Russisch entsteht doch eine kleine Unterhaltung.
Und dafür werden wir mit einem goldenen Lächeln belohnt. Auch hier sind Goldzähne noch immer so eine Art von Statussymbol.
Almaty, das frühere Alma Ata, was soviel wie Stadt der Äpfel bedeutet. Die Vier - und Fünftausender hinter Almaty mit ihren Gletschern bescheren der Stadt großen Wasserreichtum. Dementsprechend viele Parks gibt es in der Stadt. Die vielen Bäume sind in der Sommerhitze, wo Temperaturen bis um die 40°C herrschen willkommene Schattenspender. Hier herrscht extrem kontinentales Klima, heiße Sommer und sehr kalte Winter, mit Durchschnittswerten bis zu minus 30°C.
Im Panfilov Park steht eine der schönsten Kirchen Kasachstans, die Zenkor Kathedrale. Sie ist vollständig aus Holz und ohne Nägel erbaut worden. Während der Sowjet Ära diente die Kirche als Museum und Konzerthalle. Erst 1995 wurde sie wieder an die Russ. Orthodoxe Kirche zurückgegeben.
Wenige Kilometer hinter Almaty geht es in die Berge und wir erreichen innerhalb kurzer Zeit eine Höhe von 2200 Meter. Wir befinden uns hier in einem der kasachischen Schigebiete. Es sieht fast so aus wie in unseren Alpen mit ihren Liftanlagen. Einer der bekanntesten Orte hier ist Medeo. Medeo besitzt eines der höchst gelegenen Eisstadien der Welt. Diese Eisbahn von Medeo war ein hervorragender Platz um ein Höhentraining zu absolvieren. Speziell die Eisschnellläufer des ehem. Ostblocks brachten sich hier in Form.
Wir verlassen Kasachstan und erreichen Usbekistan.

 

USBEKISTAN

Name: Özbekistan Respublikasy
Hauptstadt: Taschkent, 2,1 Mio. Einwohner
Fläche: 447.000 km²
Staatsoberhaupt: Präsident Islam Abduganiewitsch Karimow
Regierungsform: Republik, Präsidialdemokratie mit Einkammerparlament
Bevölkerungszahl: ca. 24,7 Mio. Einwohner
Landessprache: Usbekisch; Russisch
Währung: SUM (UZS) 1 € = 1050 Sum

In Usbekistan verbringen wir unsere erste Nacht in der Provinzhauptstadt Fergana. Die BMW darf in der Hotelhalle übernachten. Das Hotel ein typischer alter Bunker aus der Sowjet Zeit. Mit dunklen schier endlosen Gängen, einer Glühlampe und herunterhängenden Tapeten. Eine Atmosphäre wie in einem alten Agentenfilm. Unser Frühstück nehmen wir lieber an einer "Autobahnraststätte" ein. Zur Begrüßung räuchert man uns mit diversen Kräutern aus, um scheinbar böse Geister zu vertreiben. Das hat Marika bitter nötig. Denn in der Nacht zuvor, im Hotel hat sie sich einige lästige Mitbewohner eingefangen, die enormen Juckreiz und rote Flecken verursachen. Der Wirt bietet uns gleich ein deftiges Frühstück an, bestehend aus einer Art Gulasch mit Nudeln. War nicht ganz nach unserem Geschmack. Wir begnügen uns mit Fladenbrot und Tee.
Das Fergana Tal ist eine riesige fruchtbare Ebene mit über 22 000 Quadrat Kilometern. Es gibt reichlich Früchte, Melonen, Weintrauben, u.s.w. Die Hauptproduktion dieser Region macht aber die Baumwolle aus. Die Sowjets legten in den 60ern mit einer Besessenheit riesige Baumwollmonokulturen an. Diese Kulturen müssen in der niederschlagsarmen Region künstlich bewässert werden.
Für die Bewässerung wird stets Wasser aus der Syr Darja einem der großen Zuflüsse des Aralsees abgeleitet. Dies hat das Austrocknen des großen Binnensees beschleunigt. Jetzt Mitte September ist die Baumwollernte in vollem Gange. Auf diesen schier bis zum Horizont reichenden Feldern, Pflücken vorwiegend Frauen. Und das in der prallen Sonne bei über 40°C. Als die Frauen uns sehen legen sie sofort eine Pause ein. Kichernd kommen sie näher um zu erfahren wer wir sind und von wo wir kommen. Trotz der schweißtreibenden Arbeit sind sie zu Scherzen aufgelegt und haben für uns ein Lächeln übrig.
Zu Erntehelfern werden auch von der Regierung Schüler und Studenten verpflichtet. Ein fleißiger Baumwollpflücker schafft zwischen 50 u. 100 Kilo pro Tag, als Entlohnung bekommen sie € 1,50 - € 3,-.

Immer wieder gibt es an der Hauptstraße kleinere Raststätten deren Schatten wir gerne nützen. Marika ist besonders umlagert von den Marktfrauen. Denn selten sieht man hier Ausländerinnen, noch dazu mit Motorradkleidung.
Stolz präsentieren die Frauen ihr kunstvoll verziertes Fladenbrot und wir werden zu Tee und Brot eingeladen.

Nach den einsamen Straßen Sibiriens, saugt uns das dreispurige Verkehrsgewühl von Tashkent regelrecht auf. Vor uns ein Rußwolken produzierender alter Sowjet LKW. Plötzlich springt nach dem LKW ein Polizist auf die Straße und stoppt uns. Demonstrativ hält er eine antiquierte Radarpistole in der Hand und fragt mich wie schnell ich war. Zugegebener Maßen habe ich keine Ahnung wie schnell man in Usbekistan fahren darf. Guter Rat ist teuer, was soll ich antworten? Nicht zu niedrig und auch nicht zu hoch, so beginne ich mit shest (sechzig)! Der Hüter des Gesetzes meint hier dürfe man nur tritsat (dreißig) fahren. Oh, das ging daneben, jetzt will er sicher Geld und schon reibt er Daumen und Zeigefinger. Da sprudelt es bei mir im Dialekt hervor:" Aha, mich abkassieren weil ich Ausländer bin, den LKW der dieselbe Geschwindigkeit fuhr, bei dem macht es nichts". Der Polizist ist ob meiner Reaktion etwas perplex. Das Überraschungsmoment nutze ich sofort, mein Blick fällt auf das GPS, mein Joker. Ich winke den Polizisten heran und zeige auf das Display, mit der Anzeige von 29,6 Km/h. Was er nicht weiß, es handelt sich hierbei um die Durchschnittsgeschwindigkeit. Mit dem Finger zeige ich nach oben und meine "Sputnik Controll ". Nun ist er mit seiner Weisheit am Ende, betrachtet seine alte Radarpistole und ist sich ob der Funktionalität nicht mehr sicher. Er schüttelt den Kopf, gibt mir einen Klaps auf die Schulter und ruft "Dawei"! Puh, das war knapp, also in Zukunft etwas aufpassen!
Ohne weitere Probleme erreichen wir das SOS Kinderdorf, wo wir von Direktor Kamal schon freudig erwartet werden. Hier, abgeschirmt vom Trubel der Stadt, spannen wir einige Tage aus. Wir lassen einen Teil unseres Gepäcks (die komplette Campingausrüstung) im Kinderdorf zurück, denn in den historischen Seidenstraßenstädten gibt es laut Reiseführer genug Gästehäuser.
Mit einem Drittel weniger Gepäck, macht Motorradfahren gleich doppelt soviel Spaß.

Am Weg nach Samarkand reiht sich ein Stand an den anderen. Äpfel, Birnen, Käse Honig und Säfte werden hier angeboten. An einem dieser Stände will uns ein Mann eine riesige Melone, mit einem Gewicht von über zehn Kilogramm schenken. Aber wohin damit auf dem Motorrad? Es wird schon dämmrig und Samrakand ist noch weit entfernt. So fragen wir in einem Dorf drei Männer vor dem Teehaus, ob es hier eine Gastinica gibt. Einer meint spontan, wir können ja bei ihm übernachten. Da er aber noch etwas zu besorgen hat, schickt er einfach seinen Tischnachbarn mit uns zu seinem Haus. Der erklärt der Hausfrau mit einigen Worten die Situation. Sofort werden wir freundlich aufgenommen und reichlich bewirtet.

Samarkand, welch klingender Name, ein Traum wird wahr, einer der bekanntesten Orte an der ehemaligen Seidenstraße gelegen, ist erreicht. Was muss das für eine Erleichterung für die Karawanen gewesen sein, nach den heißen und gefährlichen Steppen die schützende Oasenstadt zu erreichen. Heutzutage ist eher das starke Verkehrsaufkommen in den Städten der gefährlichere Teil so einer Tour. Schnell finden wir ein nettes Guesthouse mit schattigem Innenhof.
Wir gönnen der BMW einige Ruhetage, denn hier gibt es einiges zu besichtigen. Die zahlreichen Monumente in Samarkand und Umgebung faszinieren durch ihre Schönheit und Pracht, feinen architektonischen Formen, kunstvollen Ornamenten und Mosaiken, tiefblau gefliesten Kuppeln und Fassaden.
Einer der bekanntesten Plätze im Zentrum ist der Registan. Um diesen riesigen Platz gruppieren sich prachtvoll verzierte Medressen (Koranschulen). An einigen dieser Bauwerke ist das letzte Erdbeben leider nicht spurlos vorüber gegangen.

"Hier spricht man Deutsch" - die Aufschrift eines Souvenier Ladens, ein Attribut an den Tourismus. Der Besitzer fragt nach unserer Herkunft. Als er hört, dass wir aus Österreich kommen, sprudelt es sogleich aus ihm heraus wie schön Österreich sei. Außerdem habe er eine besondere Beziehung zu unserem Land, denn vor einigen Jahren hat er in Wiener Neustadt eine künstliche Hüfte bekommen. Aus diesem Grund bekommen Österreicher natürlich einen speziellen Rabatt. Seine Überredungskunst nützt trotz des Sonderrabattes nichts. Einige Strassen weiter gibt es die gleichen Souvenirs ohne Österreicher-Rabatt wesentlich billiger.
Geschäftiges Treiben herrscht auch am Basar; alle möglichen exotischen Düfte strömen in unsere Nasen. Eine derartige Vielfalt und Größe von Melonen haben wir noch nirgendwo gesehen. Daumengroße Weintrauben, Pfirsiche, immer wieder werden uns Kostproben von diesen schmackhaften Früchten angeboten.

Nach soviel Kultur rollt unser Bike wieder einige hundert Kilometer durch die Steppe zur nächsten Oase, nach Buchara.
Nördlich von Buchara liegt der Sommerpalast des letzten Emirs von Buchara Alim Khan. Erbaut von Russischen Architekten, die Inneneinrichtung stammt allerdings von lokalen Künstlern. Mit Prunk und Gold wurde nicht gespart. Faszinierend die Details der Kachelmuster. Schon damals war deutsche Handarbeit bis nach Zentralasien bekannt. Die Kachelöfen im Palast stammen aus dem Schwarzwald. Auch der jetzige Präsident Karimov unterscheidet sich nicht von den alten Herrschern und den Kollegen der umliegenden Staaten. Er lebt genauso im Luxus und Prunk auf Kosten des Volkes.
Pompös wirken die bulligen Mauern, mit den bauchigen Wehrtürmen der Burg von Buchara. Im Innenhof sind leider nur mehr einige Gebäude erhalten geblieben, fast dreiviertel davon sind Ruinen oder besser gesagt nur mehr Schutthaufen.
Dagegen wirkt der zentrale Platz Bucharas, Labi-hauz mit einem riesigen Teich richtig idyllisch. Labi-hauz kommt aus dem Tajikischen und bedeutet soviel wie
"Um den Teich". Unter den am Wasser stehenden Maulbeerbäumen nehmen wir auf traditionelle Weise unser Abendessen, auf einer Art quadratischem Bett, in dessen Zentrum ein kleiner Tisch steht, ein. Wir fühlen uns in die Vergangenheit zurückversetzt, schauen den alten Männern beim Schachspiel zu, während Paare in traditioneller Kleidung und Männer mit dem typischen usbekischen Käppi, um den Platz flanieren. Buchara ist vom Erdbeben verschont geblieben, so können wir wie in Zeiten der alten Seidenstraße durch die Arkadengänge schlendern. In den Nischen bieten Händler vom Teppich bis zu Haushaltsartikeln und Souvenirs alles an. Beeindruckend auch hier, wie schon in Samarkand, die Moscheen und Medressen, mit Kachelmustern in abstrakten, geometrischen, floralen oder kalligraphischen Designs.

Ursprünglich wollten wir auch noch die Museumsstadt Shiva besuchen. Das Problem aber war die Benzinversorgung, teilweise bekamen wir welches dass von Autobesitzern aus ihren Vehikeln mit einem Schlauch abgezapft wurde. Hin und retour wären das 1800 Km gewesen und hier ohne Benzin liegen zu bleiben war uns einfach zu riskant, vor allem war der Rückflug schon gebucht!
Wir verlassen Buchara und sind wieder in brütender Hitze Richtung Qarshi, nach Osten ins Grenzgebiet zu Tajikistan, unterwegs. Endlich, nach über 150 Kilometern eine kleine Oase mit einem Teehaus. Im Schatten liegend lassen wir die heißesten Mittagsstunden verstreichen.
Eine Szene in der Steppe wirkt auf uns wie ein Bild aus dem Alten Testament. Durch die Steppe treibt ein Hirte seine Schafe in einer riesigen Staubwolke zu einem Brunnen. Bei Kiziltepa zweigen wir ab in die Hisor Berge. Nach diesen endlosen Ebenen freuen wir uns wieder Berge zu sehen. Die Berge und Hügel sind äußerst karg, nur im Bereich des Flussufers ist spärlich landwirtschaftliche Nutzung möglich. Größtenteils wird die Arbeit von Hand aus verrichtet. Nach wenigen Kilometern ist der Asphalt zu Ende, und eine schlimme Staubpiste bringt uns ins letzte Dorf. Hier am Talende soll es, laut Auskunft eines Mannes, eine Gastinica zum Übernachten geben. Wir fragen nach besagter Gastinica, aber kein Mensch weiß etwas davon.
Nun sind wir etwas ratlos, unser Zelt haben wir im SOS Kinderdorf in Tashkent gelassen. Daher sind wir auf eine Herberge angewiesen. Wir sind müde und es beginnt bereits zu dämmern. Ein Mann scheint sich unser zu erbarmen und zeigt mit dem Arm über das ganze Dorf: jedes Haus ist eine Gastinica. Worauf wir in sein Haus mitkommen müssen.
Nach der enormen Tageshitze genießen wir die Abkühlung in den Bergen. Beim Abendessen im Freien erweisen sich unsere mitgebrachten Familienfotos als recht hilfreich um die sprachlichen Barrieren zu überwinden. Trotz der Sprachschwierigkeiten verstehen wir, dass uns unser Gastgeber am nächsten Morgen zum Basar mitnehmen möchte. Zeitig in der Früh werden wir geweckt und es gibt ein deftiges Frühstück mit gebratener Ziege; für Marika ist das doch zu deftig, sie begnügt sich mit grünem Tee und Fladenbrot.
Die ganze Familie, von der Uroma bis zum Enkel, macht sich bereit zum Aufbruch zum Besuch des wöchentlichen Basars. Vorher kommen noch einige Männer ins Haus, um unserem Gastgeber eine Kuh abzukaufen. Belustigt verfolge ich den Kuhhandel. Immer wieder klatschen die Hände der Männer aufeinander, bis endlich der Endpreis feststeht und ein Plastiksack voller Geldscheine den Besitzer wechselt.
Das Vertrauen in uns Fremde ist sehr groß. Obwohl Marika noch im Schlafzimmer ist, deponiert die Hausfrau das gesamte Geld neben ihr in einem unversperrten Kasten!
Stolz werden wir von der Familie am Basar herumgeführt und als Gäste aus Avstri (Österreich) vorgestellt. Die Umstehenden nicken wissend, ah Australia. Wie so oft, mutieren wir auch hier wieder zu Australiern. Zu Fuß, mit dem Esel, auf Pferden kommen die Menschen von den weiter oben gelegenen Tälern ohne Straßenverbindung auf den Basar. Auf antiquierten Sowjet LKW's haben Händler alles Mögliche an Hausrat, Bekleidung, Werkzeuge in dieses abgelegen Tal gekarrt. Unter einem Baum auf einer Plane wird ein Schaf geschlachtet und daneben sofort am offenen Feuer gebraten. So manches erfolgreiche Geschäft wird hier auch gleich mit einem Fläschchen Wodka besiegelt. Gegen Mittag löst sich das Getümmel langsam auf und die Leute kehren wieder in ihre Bergdörfer zurück.
Eine lange Staubwolke nach sich ziehend verlassen die LKW's den Ort um ins nächste Dorf weiter zu ziehen.
Auch wir ziehen weiter, es geht zurück in die Hauptstadt Tashkent. Die BMW bezieht im SOS Kinderdorf wieder ihr Winterquartier, um dann im nächsten Jahr über Kasachstan, Russland und die Ukraine die letzte Etappe nach Hause in Angriff zu nehmen.

 

KASACHSTAN

Ende April 2005 starte ich meine letzte Etappe zurück nach Österreich. Herzlichen Dank gebührt Kamal dem Direktor des SOS Kinderdorf in Tashkent. Der es mir ermöglichte, meine BMW hier zwei Winter lang unterstellen zu dürfen.

Ende April schimmert von den Bergen noch der Schnee, aber der Frühling hat Einzug gehalten in der kasachischen Steppe. Übrigens sind die Steppen Kasachstans die Urheimat unserer Tulpe. Deren wilde Form hier heute noch zu finden ist. Neben den weit verstreuten Dörfern, tauchen immer wieder Ruinen alter Befestigungen auf. Wildwechsel in der Steppe, wilde Dromedare kreuzen meinen Weg. Dagegen fast verloren wirkt eine kleine Schildkröte in diesen Weiten, die vor mir die Strasse quert. Von der Gigantomanie des alten Sowjetreiches zeugen noch Monumente, wie der Hinweis auf die Getreideproduktion der Region oder einfach die überdimensionalen Hinweise für Ortseinfahrten oder Regionalgrenzen.

Eher unspektakulär eines der wenigen Straßenschilder in der Steppe, ich erreiche Baykonur. Baykonur, bekannt als Startgebiet der sowjetischen Raumfahrt. Von hier startete 1961 der erste bemannte Flug ins All, mit Juri Gagarin an Bord. Riesige Teleskopantennen erheben sich aus der kasachischen Steppe. Die Abschussrampen sind kaum von der Strasse auszumachen, sie liegen etwa hundert Kilometer weiter nördlich. Nach dem Zerfall der Sowjetunion 1991 hatte Russland plötzlich kein Startgelände mehr für sein Raketenprogramm. 1994 stimmen die Kasachen der Vermietung Baykonurs an Russland für 20 Jahre zu. Die Miete beträgt jährlich etwa 120 Mio. USD.
In der Landessprache bedeutet "Aral" soviel wie "Insel". Und tatsächlich liegt der Aral-See - einst der viertgrößte Binnensee der Welt - wie eine Insel in der Wüste Zentralasiens. Sein Niedergang begann in den 60er und 70er Jahren des 20. Jahrhunderts. Damals ließ das Regime in Moskau in seinen zentralasiatischen Sowjetrepubliken hauptsächlich ein Produkt anbauen: Baumwolle. Der enorme Wasserbedarf dieser Pflanzen schröpfte den Aral-See rapide. Schon 1987 hatte er 60 Prozent seines ursprünglichen Volumens verloren. Der Salzgehalt hatte sich verdoppelt, die Fische sind fast ausgestorben. Heute blasen Winde giftigen Meeresboden weit in die angrenzenden Republiken hinein. Der Aral-See ist nur noch 25 Prozent so groß wie vor 50 Jahren. Die Katastrophe ist von Menschen gemacht - in diesem Fall von größenwahnsinnigen Wirtschaftsplanern. Das Ende für die kasachische Fischer nahte, als die sowjetische Regierung beschloss, das benachbarte Usbekistan, mit dem sich Kasachstan den Aralsee teilt, zum zweitgrößten Baumwoll-Exporteur der Welt zu machen. Dazu leitete sie das Wasser des Flusses Amur-Darja in gigantische Bewässerungskanäle um. Der Zufluss für den Aral-See versiegte.
Aralsk ursprünglich war hier das Ufer des Aral Sees, aber vom See ist hier weit und breit nichts mehr zu sehen. Laut meiner Karte sind es bis zum nächsten Dorf über einhundert Kilometer. Nichts behindert meine Sicht, die Steppe reicht bis zum Horizont, kein See in Sicht. Stundenlang das gleiche trostlose Bild. Endlich ein Dorf, dessen Charakter einer Geisterstadt gleicht. Nur wenige Bewohner sind zu sehen, ist auch kein Wunder was sollen sie hier auch noch machen. Hinter dem Dorf sehe ich zum ersten Mal die erschütternden Auswirkungen dieser Öko Katastrophe. Vor mir im Sand riesige Fischkutter. Unvorstellbar, dass diese Kähne einst den Fischreichtum des Aral Sees ernteten. Hier wird einem so richtig bewusst was menschliche Profitgier in der Natur anrichten kann. Da es kaum Arbeit gibt schlagen sich die Menschen mit allem möglichen durch. Ein Mann versucht hier mit seinem Sohn Teile des Fischkutters zu demontieren, um mit dem Alteisen Verkauf überleben zu können.
Wie weit ist es noch zum Fischerdorf? Der Mann gibt mir zu verstehen etwa 25 Kilometer. Trotz widriger Verhältnisse findet sich hier spärliche Vegetation, eine Wohltat für das Auge. Wenige Kilometer später fahre ich über den ausgetrockneten Seeboden, unvorstellbar hier war alles einmal unter Wasser. Endlich erreiche ich das Fischerdorf, wie ein Mahnmal liegt ein kaputte Boot im Dorf. Hier gibt es kein fließendes Wasser, zum Wasserschöpfen müssen die Dorfbewohner einige Kilometer außerhalb des Dorfes fahren. Heiz - und Brennmaterial ist das nächste Problem. Über weite Strecken müssen verdorrte Büsche und Wurzeln herangekarrt werden. Mit Hilfe der Kamele versucht man hier zu überleben. Gegorene Kamelmilch, Schubat, wurde als neue Einkommensquelle entdeckt. Fischer werden so zu Kamelbauern. Während der Sowjet Ära befahl die Regierung den Fischern zunächst, ihre Boote zum tausend Kilometer entfernten Balkasch-See zu bringen und dort zu fischen. "Es war völlig absurd und sehr teuer für den Staat, aber man überlebte. Als Kasachstan 1991 unabhängig wurde, konnte die neue Regierung diese Lösung nicht länger finanzieren, also lief sie aus". Arbeit ist in der Region kaum zu finden. So versucht man irgendwie durchzukommen.
Wobei auch die klimatischen Bedingungen die Menschen hier auf eine harte Probe stellen. Im Sommer herrschen hier Temperaturen bis zu 40°C, dagegen kann im Winter die Quecksilbersäule unter - 40°C fallen. Mit meinem Teleobjektiv kann ich das Seeufer vom Dorfrand erkennen. Es sind noch an die zehn Kilometer um das Ufer des traurigen Überrestes des einst viertgrößten Binnensees der Welt zu erreichen. Still liegen die sterblichen Überreste des Aral Sees vor mir.
Über hunderte Kilometer ist die Straße hier total kaputt. Die LKW Fahrer haben sich ihre Trasse durch die Steppe selbst platt gefahren. Zum Glück blieb es trocken, ansonsten wäre es hier für mich zu einer endlosen Rutschpartie geworden. Endlich erreiche ich vor Aktöbe wieder den Asphalt
Ich übernachte in einer Caycana einem einfachen Teehaus in der Steppe. Am nächsten Morgen kommen zwei Männer mit einem Geländewagen und setzen sich zu mir, um auch Tee zu trinken. Das übliche woher - wohin, ah mit dem Motorrad. Bei dieser Gelegenheit frage ich nach einer Werkstätte, denn eine Strebe am Gepäckträger ist gebrochen. In ihrer Fa. in Aktöbe gibt es eine Werkstätte. Marat gibt mir seine Visitenkarte und möchte mir sogar sein Handy mitgeben um in Aktöbe seinen Chef anzurufen damit er mir ein Zimmer besorgen kann. Wie soll ich mich mit dem wohl verständigen? Denn die beiden haben hier noch einige Zeit zu tun. Wir einigen uns dass ich langsam vorfahre und wir uns an der Stadteinfahrt treffen.
In Aktöbe stelle ich meine BMW in ihre Werkstätte, morgen kommt der Schweißer. Mein Gepäck wird in den Geländewagen umgeladen, denn ich werde gleich zum übernachten eingeladen. Von der Rückbank holt Marat eine Tasche und zieht eine Kalaschnikov mit Laser Zielfernrohr heraus, die er den umstehenden zeigt. Wo bin ich da gelandet ? Jetzt gibt es aber kein zurück mehr, das Gepäck ist im Auto. Wir fahren durch die Stadt, da meint Marat ob ich Lust hätte auf Sauna, ja warum nicht es war ja nicht gerade warm in der Steppe. Im Höllentempo, eine Hand am Lenkrad - in der anderen das Handy so sucht er eine Sauna. Vor einem Privathaus stoppen wir, der Beifahrer geht hinein kommt nickend zurück, die Sauna ist frei. Wir fahren noch nach Hause denn Marat muss sich noch Handtücher holen. Ein unscheinbarer alter Bau im Russen Barock, der Sohn etwa zehn Jahre alt öffnet mit dem Handy am Ohr. Die Wohnung bestens ausgestattet, SAT TV, Video DVD… Zurück in die Sauna, zwar etwas einfach ausgestattet aber angenehm zum Auftauen. Die Männer bestellen Schaschlik Spieße und Bier. Nach der Sauna geht es durch die Stadt zu einem finsteren Parkplatz, wo sich ein anderes Auto durch Aufblinken bemerkbar macht, wir steigen um. Irgendwie mache ich mir schon Gedanken wie geht das weiter, aber jetzt bin ich dabei, wo anders kann ich eh nicht hin. Durch dunkle Gassen erreichen wir ein einsam stehendes Haus und hier geht es richtig zur Sache. Ein Restaurant und da essen wir richtige Schaschlik, über einen halben Meter lange Spieße werden serviert und mit einigem an Bier runtergespült. Nach Mitternacht kommen wir nach Hause, dort erwartet uns Galina, Marats sehr nette Frau. Es gibt Tee und Süßigkeiten. Galina spricht gebrochen Deutsch, denn ihre Mutter war deutschstämmig und hieß Schneider. Marat nimmt mich mit ins Schlafzimmer, holt aus einer Kommode einen Schlüssel und öffnet einen Blechschrank und zeigt mir noch 2 Kalaschnikovs und meint er habe die Lizenz für 3 Kalaschnikovs. Es sei aber trotzdem nicht gefährlich bei ihnen!!
Nach dem Frühstück richtet mir Galina noch ein Jausenpaket mit Eiern, kasachischem Speck und Gurken(übrigens Speck heißt auch auf kasachisch Speck). Ich bitte Marat mir noch die Stadtausfahrt zu zeigen, man findet zwar leicht in die Städte hinein nur die Ausfahrt zu finden ist schwer und eine Tankstelle brauche ich auch. Nach dem tanken, will ich bezahlen. Marat winkt ab, das kommt nicht in Frage und bezahlt für mich, er besteht darauf!



RUSSLAND

Bei Atyrau überquere ich den Ural und bin somit wieder in Europa angelangt. Der russische Grenzübertritt ist etwas zeitaufwendig, ich muss diverse Formulare ausfüllen und unterschreiben. Die Formulare sind in Kyrillisch, ich weiß zwar nicht was ich hier unterschreibe, aber ohne Unterschrift gibt es keine Einreise. Hier bei Astrachan mündet die Wolga ins Kaspische Meer. Die Wolga ist mit über 3600 Kilometern auch der längste Fluss Europas. Das Wolgadelta erstreckt sich über eine Breite von 180 Kilometer.
Bei starkem Seitenwind und Regen geht es entlang der Wolga, die ich im Regen kaum ausmachen kann nach Wolgograd.
Kaum bin ich im Zimmer des Fernfahrer Cafes eingeschlafen werde ich durch die Wirtin geweckt. Ob ich nicht noch Platz für einen Reisenden hätte. Mit schlotternden Knien steht in kurzen Hosen ein Radfahrer vor mit. Claude, ein pensionierter Lehrer aus Frankreich ist mit seinem Gefährt nach China unterwegs. Ich traue meinen Augen kaum Claude führt einen riesigen Anhänger mit sich, vom Volumen her hat er mehr Gepäck als ich.
Wolgograd, das ehemalige Stalingrad ist untrennbar mit der Geschichte Österreichs verbunden. Hier fand eine der schlimmsten Schlachten des zweiten Weltkrieges statt. Am neunten Mai findet dazu jährlich eine Parade statt. In diesem Jahr wurde das 60 jährige Ende des Krieges gefeiert. Auf riesigen Transparenten wurden die Helden gefeiert. Bei strömenden Regen wurde die Parade geprobt, die ich von meinem Hotelfenster aus verfolgen konnte. An der Wolga werden Propagandareden wie in alten Zeiten geschwungen.
Mamaev Kurgan, im Krieg hieß er Hügel 102. Über ihn wacht heute Mutter Russland die 72 Meter hohe Statue in Gedenken der Kriegsopfer. Beklemmung kommt auf wenn ich anschließend begleitet von schwerer Musik durchs Pantheon marschiere. An der Wand die Namen von 7200 gefallenen die die 600 000 getöteten Russen repräsentieren. Diese Eindrücke begleiten mich noch lange auf der weiterfahrt und tauchen immer wieder in meinen Gedanken auf.
Immer wieder überquere ich Kanäle, die mit dem Don verbunden sind und so eine Schifffahrt bis ins Schwarze Meer ermöglichen
Am nächsten Tag erreiche ich Novorassysjk an der Schwarzmeerküste. Dort lerne ich die Mitglieder des Motorradclubs der Sharks von Novorassysjk kennen und wieder einmal zeigt sich die große russische Seele. Ich werde eingeladen, ein paar Tage bei ihnen zu verbringen. Am Abend wollen Sie mir im Hafen ein Kriegsschiff aus dem Zweiten Weltkrieg zeigen, leider ist die Besichtigungszeit schon vorbei, aber wie überall ist mit den richtigen Kontakten alles möglich, Wassily greift nach seinem Handy und nach einem kurzen Telefonat dürfen wir das Museumsschiff doch noch besichtigen. Mein Quartiergeber Piotrej ist ein Motorradfreak durch und durch. Zwischen Küche und Wohnzimmer stapeln sich die Motorradteile, die Krönung aber ist sein Schlafzimmer. Aufgereiht stehen die auf Chopper umgebauten und restaurierten Ural. Piotrej vertraut mir ein bis dato im Westen unbekanntes Staatsgeheimnis an. Genosse Lenin war in Wirklichkeit ein Rocker. Ein Bild im Schlafzimmer zeigt Lenin im Rocker Outfit!
Der 9. Mai ist in Russland ein bedeutender Feiertag, es wird der Sieg über Hitler gefeiert. Zu diesem Anlass treffen sich die Mitglieder des Motorradclubs am Kriegerdenkmal. Auch ich werde eingeladen daran teilzunehmen und Wassily gibt mir einen Blumenstrauß, den ich gemeinsam mit den Clubmitgliedern am Mahnmal niederlege. Anschließend geht es 70 km ins Nachbardorf, dort treffen wir uns mit dem Motorradclub von Krasnodar um auch beim dortigen Kriegerdenkmal Blumen niederzulegen und eine Gedenkminute abzuhalten. Nach dem gemeinsamen Mittagessen geht es zurück nach Novorassysjsk. Die russische Motorradszene ist eine illustre Gesellschaft. Wer es sich leisten kann, der fährt eine europäische oder japanische Maschine. Die weniger begüterten basteln aus der russischen Ural ihre Traummaschine.

Astrachan Hotel Lotus
N 46°20.932 EO 48°01.273
ÜN RB 1060,-
Garage Motorrad: RB 100,-

Wolgograd Hotel Volgograd
ÜN RB 1700,-
Garage Motorrad: RB 60,-

Fähre nach Kerch (Ukraine) RB 261,-

 



UKRAINE

Name: Ukraine
Hauptstadt: Kiew, 2,65 Mio. EW
Fläche: 603.700 Km²
Staatsoberhaupt:
Regierungsform:
Bevölkerungszahl: 46,71 Mio. EW
Landessprache: Ukrainisch
Währung: Griwna (UAH) = 100 Kopeken, 1€ = 6,40 UAH

1 Liter Benzin 92 Oktan =

Mit der Fähre gelange ich von Russland in die Ukraine, auf die Halbinsel Krim. Hier werde ich das erste Mal an der Grenze mit Korruption konfrontiert. Nachdem ich als Letzter abgefertigt werde, gibt mir der Zöllner zu verstehen, dass er von mir ein Geschenk haben möchte. Obwohl ich weiß worum es geht, stelle ich mich erst einmal unwissend und setzte mich ganz ruhig und gelassen an seinen Schreibtisch und warte was passiert. Er möchte Geld von mir für Wodka, ich erkläre ihm mit meinen spärlichen Russischkenntnissen, dass Wodka nicht gesund sei.
Er widerspricht mir und erklärt mir, dass der Wodka für ihn schon gesund sei. Er blättert ganz lässig in meinem Reisepass und ich lehne mich ganz lässig im Sessel zurück und warte ganz gespannt wie das Spiel weitergeht. Wohl wissend, dass die nächste Fähre erst in vier Stunden kommt und er schon zu seinen Kollegen ins nächste Wirtshaus gehen möchte, bewahre ich weiter Ruhe. Und tatsächlich gibt er mir nach fünf Minuten den Pass mit dem Wort "dawai" zurück.
Auf der Krim treffe ich zwei deutsche Pärchen, ( www.2aufweltreise.de ) die mit ihren Motorrädern auf Weltreise sind. Es sollte aber nicht das einzige Globetrottertreffen an diesem Tag sein. Seit einigen Tagen hatte ich schon Emailkontakt zu Martin und Birgit aus St. Valentin, die beiden sind schon seit März 2005 mit den Fahrrädern unterwegs in die Mongolei und weiter nach China. Dieses Wiedersehen musste natürlich zünftig gefeiert werden, mit meinem kasachischen Speck bereite ich ihnen eine große Freude, nur den dazupassenden Most hatte keiner von uns dabei.

Jalta, einst der Modekurort der Zarenaristokratie und dem aufstrebenden Bürgertum, ist heute der touristische Mittelpunkt der Südküste. Noch immer kommen im Sommer viele Russen in "ihr" Jalta auf Urlaub. Bis heute können sie es schwer verkraften dass Jalta, wie überhaupt die Krim nicht mehr zu Russland gehört. Das Angebot in den Boutiquen ist erlesen, so bleibt es beim Normaltouristen beim bummeln. Denn die Preise haben hier ein Niveau wie an der Cote Azur.
In Livadija ließ sich die Zarenfamilie eine der größten Sommerresidenzen erbauen. Im Februar 1945 geriet die Krim in den Blickpunkt der Weltöffentlichkeit, als sich Churchill, Roosevelt und Stalin dort zur Konferenz von Jalta trafen, um über das besiegte Deutschland zu beraten.
Einen Besuch wert ist das Schwalbennest, ein auf einem Felsvorsprung erbautes Schlösschen.
Als sich im vorigen Jahrhundert Jalta zum beliebten Kurort entwickelte, baute sich eine reiche Moskauer Dame ein kleines Schlösschen auf den Felsen. Der spätere Besitzer ein Ölmagnat aus Baku, baute es für seine Geliebte komplett um und so entstand dieses zierliche Märchenschloss.

1237 drangen die Mongolen ein, sie gaben der Halbinsel ihren Namen. "Krim" das bedeutet auf mongolisch soviel wie Festung.

Wir verlassen die Schwarz Meerküste und durchqueren die Halbinsel Krim. Im Bergland zwischen Bachcisaraj und Sevastopol, bei Eski - Kermen und Mangup - Kale liegen auf mehreren Hochplateaus geheimnisvolle Höhlenstädte.
Hierbei handelt es sich um Überreste mittelalterlicher Städte, Festungen und Klöster. Die Bewohner der Städte lebten nicht, wie man vermuten könnte, in den Höhlen, sondern in Häusern, die auf den Felsplateaus, also oberhalb der Höhlen erbaut waren. Die Höhlen hingegen wurden als Vorratskammern, Kirchen, Kapellen und Gruften genutzt.
Die Bachcisaraj ist die ehemalige Hauptstadt der Krim Tataren. Noch heute erinnert die Stadt mit dem Khanpalast, den Moscheen und den typischen türkischen Bauten an die Märchen aus 1001 Nacht.
Immer wieder dieselben Bilder, in den von der ehemaligen Sowjetunion in die Unabhängigkeit entlassenen Ländern. Überall verfallene Fabriken im Land. Nach der Unabhängigkeit war der Neubeginn sehr schwierig. Denn der Hauptabnehmer in der Planwirtschaft, die Russen stützten die Produktion nicht mehr.
In den endlosen weiten der Ukraine, mit ihren Wiesen und Feldern deren damalige Bezeichnung Kornkammer der Sowjetunion zutreffend war. Wiederum zwei einsame Radfahrer, Beat und Michi aus der Schweiz. Sie sind unterwegs nach Peking und haben über vier Monate Zeit.
Der Eurovisons Songcontest beschert mir eine Visa freie Einreise in die Ukraine. Wir erreichen nun Odessa. Odessa erhielt 1795 den an die Irrfahrten des Odysseus erinnernden Namen. Das Wahrzeichen Odessas ist schlechthin die Potemkinsche Treppe.

Sehenswertes hat die Altstadt von Odessa zu bieten, wo sofort heimatliche Gefühle aufkommen wenn ich vorm Hotel Mozart stehe.

Der westliche Teil der Ukraine, im Gebiet der Karpaten bis 100 Km nördlich von Lemberg wurde während der k. u. k. Monarchie als das Kronland Galizien und Lodomerien bezeichnet. Diese Region war schon immer umkämpft, sie gehörte auch zu Ungarn, später zu Polen und zur Sowjetunion. Galizien war auch der am weitesten von Wien entfernte Teil der Monarchie. Galizien erstreckte sich damals von Krakau bis nach Ivano -Frankivs'k dem damaligen Stanislau. Während der k. u. k. Monarchie wurden die Ukrainer auch als Ruthenen bezeichnet. In Cernovic kann ich im Foyer des Hotels meine BMW unterstellen. Nur das ein - und ausparken ist nicht einfach, denn dazu muss ich erst einige Stufen überwinden. Cernovic das heutige Cernivci erinnert durch seinen Baustil noch sehr an die österreichische k. u. k. Vergangenheit zu dieser Zeit hieß die Region Bukowina. Auch ein Wiener Kaffee mit hervorragenden Mehlspeisen darf nicht fehlen. Nur die wenigsten können sich in der Ukraine einen Traktor leisten, daher werden Pferde in der Landwirtschaft noch häufig eingesetzt. Und wer sich nicht einmal ein Pferd leisten kann, der zieht mühsam selbst seinen Pflug.
Fahrzeuge müssen sich die Straßen immer noch mit Tieren teilen. So ist es auch normal überall Pferdefuhrwerke anzutreffen. Entweder um Futter für die Tiere nach Hause zu karren, oder auch für den Personentransport. Auch auf vierspurigen Schnellstraßen sind die Pferdefuhrwerke unterwegs. Was mitunter zu gefährlichen Situationen führen kann. Nach den endlosen Ebenen erreiche ich das Bergland der Transkarpaten.
Bei Dilove stehe ich am geographischen Mittelpunkt Europas. Für viele Mitteleuropäer ist es eigentlich unvorstellbar dass der "Mittelpunkt" Europas soweit im Osten liegt. Dieser nicht unumstrittene Punkt wurde damals in der Monarchie, 1887 von der k. u. k. Geographischen Gesellschaft ermittelt. Immer wieder trifft man in dieser Region auf solche Spuren der ehem. österreichisch - ungarischen Monarchie. Im Synevyr Nationalpark gibt es heute noch Zeugnisse von den Ursprüngen der Holzwirtschaft. Leider wurde das Museum beim letzten Hochwasser sehr stark beschädigt, der Großteil der Klause die zum Holzflößen diente wurde dadurch weggerissen. Nur im Museum erinnern noch vergilbte Fotos und die verschiedensten Werkzeuge, Kleider und Gebrauchsgegenstände an die Flößerei. Die Forstwirtschaft ist großteils heute noch Schwerstarbeit, denn Maschinen können nur begrenzt, wenn überhaupt vorhanden - eingesetzt werden. Abtransportiert werden die schweren Stämme zwar mit LKWs, da es aber kaum Forststraßen gibt, müssen die Stämme heute noch aus den steilen Hängen unter äußerst gefährlichen Bedingungen mit Pferden zur Straße gebracht werden.
In den ukrainischen Karpaten gibt es kaum Seen, deshalb erfreut sich der See von Synevyr besonderer Anziehungskraft und Beliebtheit. Die geologischen Fakten sind wenig spektakulär, durch eine Geröllbarriere wurde der in fast 1000 Metern Höhe gelegene Bergsee aufgestaut. Laut einer Legende erhielt der See seinen Namen von Syn und Vyr, die auf Holzplastiken dargestellt sind. Vyr, ein Schäfer ertrank im See und Syn, seine Frau war darüber so traurig, dass ihre Tränen den See füllten.
Bei Brautpaaren ist dieser sagenumwobene Ort ein sehr beliebtes Ausflugsziel, sie lassen sich auf einem Floß über den See rudern.
Wenn man in den Karpaten mit der Enduro unterwegs ist, nimmt man nicht immer die Hauptstraßen um sein Ziel zu erreichen. Auf solchen Nebenstraßen sind auch die Brücken noch etwas rustikaler ausgeführt. So manch kleine Straße die auf unserer Karte verzeichnet ist, führt uns in abgelegene Täler. Anfangs noch eine passable Schotterstraße entwickelt sich so manche Straße in Wirklichkeit zu einem Traktorweg. Der zu allem Überfluss noch teilweise unter Wasser steht. Die Furchen werden immer tiefer und so verlangt dieser selektive Weg alle unsere Fahrkünste um die Fuhre hier durchzubringen. Laut Karte war dieser Feldweg als Straßenverbindung, zwischen zwei Orten eingezeichnet.
Ein interessanter Ort in den Waldkarpaten ist Ust Corna das ehem. Königsfeld, es steht auch in einem besonderen Zusammenhang mit Oberösterreich. Maria Theresia brachte damals 90 Holzknechtfamilien aus dem Raum Bad Ischl und Ebensee in dieses Gebiet zum Holzschlagen. Dieses Holz wurde dringend benötigt, zur Befeuerung der Sudpfannen bei der Salzgewinnung an der Theiss. So steht heute noch das Genossenschaftshaus Ebensee und Wels. Auch ein Kaufhaus Bad Ischl gibt es noch im Ort. Hier lernen wir einen interessanten Mann kennen, den Franz Kais. Franz ist einer der noch lebenden Deutsch sprechenden Nachfahren der damaligen Auswanderer aus Bad Ischl. Nur noch etwa 20 Familien sprechen hier den Salzkammergütler Dialekt. Denn in Mischehen wird großteils nur mehr ukrainisch gesprochen.

Nach dieser interessanten Begegnung verlassen wir die Karpaten Richtung Ushgorod. Über die Slowakei vorbei an der Zipser Burg, die übrigens die größte Ruine Europas ist wieder nach Österreich. In Steyr erwartet meine BMW nach über vier Jahren wieder die heimatliche Garage. Wo sie einer intensiven Genralüberholung unterzogen wird.

 

Sudak ÜN (Privatpension)
N 44°50.626 EO 34°.58.665
Sehr nette Besitzer, Zi. mit Dusche USD 20,- Dusche am Gang USD 10,-

Bikers Post
ÜN: 50,- UAH
N 44°.42.380 EO 34°.21.975
Ca. 4 Km nördlich von Alushta

Odessa Hotel Tschornoje More
ÜN 65,- USD
N 64° 50.071 EO 30° 01.028

Eintritte:
Massandra Palast 15,- UAH
Livadia Palast 15,- UAH, Fotoerlaubnis 5,- UAH
Bakhchisarai Palast 14,- UAH Fotoerlaubnis 5,- UAH
Schiff Schwalbennest - Yalta 15,- UAH


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