Äfrika 1990

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Tunesien
Algerien
Niger
Nigeria
Kamerun




 

AFRIKA
Tunesien - Algerien - Niger - Nigeria - Kamerun

Da ist dir schon ein bisschen mulmig. Der Zwei-Zylinder-Boxer der BMW R 80 G/S tukkert gleichmäßig über den tunesischen Asphalt, während ich zum x-ten Mal geistig mein Gepäck, meine Ausweise durchchecke.
"Habe ich auch wirklich alles dabei?" Die gedankliche Kontrolle meiner Ausrüstung und Papiere hätte - später - zur Überlebensfrage werden können. Denn vor mir, der ich im Dezember 1991 aufbrach um abseits des mitteleuropäischen Weihnachtstrubels, fremde Länder und Kulturen kennen zu lernen, liegen neuntausend strapaziöse Kilometer.
Mit meiner großvolumigen Enduro bin ich nun unterwegs von Tunesien quer durch Westafrika nach Kamerun. Alleine!
Die geistige Überprüfung ergab: Alles Notwendige an Bord. An die 60 Kilogramm Gepäck habe ich meiner 50 PS starken Enduro zugemutet. Die sich lediglich in drei Details von der Serienausführung unterscheidet (40-Liter-Tank, Öhlins Federbein, und Michelin Dessert). Trotzdem macht sich in mir ein mulmiges Gefühl breit, als ich das Hafengebiet Tunis (La Goulette) verlasse. "Das war aber nach wenigen Kilometern weg". Am Schiff der "Habib" waren zwar weitere zehn Motorräder, deren Fahrer hatten aber über ein halbes Jahr und länger Zeit. Mir stehen für diese Tour sechs Wochen zur Verfügung.

TUNESIEN



Der erste Abschnitt liegt hinter mir und die tunesische Grenze, die ich schon von mehreren Algerien Reisen kenne vor mir. Beim tunesischen Zöllner stellt sich heraus, dass mir ein kleines rosa Papier, das ich angeblich bei der Einreise bekommen hätte fehlt. Dass mir, wo ich auf jedes noch so kleine Zollpapier aufpasse als wäre es mein Reisepass.. Der Zöllner meint lapidar, ich solle einfach zurück in den Hafen nach La Goulette fahren um das Papier zu suchen! Sch…. was soll ich nun tun? Mein letzter Ausweg um nicht jeden Kilometer Asphalt, Richtung Tunis nach dem rosa Papier abzusuchen. Krame ich meine geringen französisch Kenntnisse zusammen, um mich zu entschuldigen - und versinke förmlich vor dem Zöllner. Der merkt - und spielt die Staatsmacht aus, hält mir eine Moralpredigt. Dessen Inhalt ich erahne, schließlich habe ich ein sehr "wichtiges" Papier verloren. Am Höhepunkt seiner Predigt greift er unter sein Pult und hält mir eines dieser so wichtigen rosa Papiere unter die Nase. Erleichtert fülle ich das Papier mit meinen Daten, um dann von ihm ungelesen - mit einer lässigen Geste in den Papierkorb geworfen zu werden! Freundlich lächelnd und mit vielen merci, merci….. überschütte ich ihn, in Gedanken mit einer Fülle von Schimpfwörtern.

ALGERIEN



Nach wenigen Kilometern der algerische Zollposten, ein einziges Auto mit zwei Algeriern. Denke das kann ja nicht so lange dauern, da sollte ich mich täuschen. Stundenlanges warten, denn die Zöllner haben keine Eile. Schon gar nicht wegen nur einem Motorradfahrer, wo kommen wir denn da hin. So setze ich mich in die Sonne und harre der Dinge die da kommen. Endlich am späten Nachmittag bequemt man sich die Mittagspause zu beenden. Die Formalitäten sind schnell erledigt, seit neuestem kann ich auch schon an der Grenze die obligate Versicherung abschließen. Inzwischen taucht ein Tiroler Pärchen mit ihren XT auf.
Wir beschließen gemeinsam in den Ausläufern des östlichen Ergs uns ein Nachtquartier zu suchen.
Zwischen El Oued und Touggourt werden wir in den Dünen fündig. Wir entdecken eine verlassene Palmstrohhütte, in der wir unsere Schlafsäcke für die Nacht ausrollen. Die beiden bleiben am nächsten Tag noch in Touggourt, so mache ich mich wieder alleine auf den Weg. Die Landschaft ist mir noch von meinen letzten Touren bekannt, aber trotzdem immer wieder interessant. Immer wieder begegnen mir riesige Mack Trucks die aus den Erdölgebieten um Hassi Messauoud kommen. Es scheint zwar die Sonne, aber die Temperatur sinkt so gegen fünf Grad Celsius. Krame aus meinen Alu Kisten sämtliche warme Bekleidung heraus - frieren in Afrika ist doch irgendwie pervers! Wüste bedeutet nicht nur erbarmungslose Hitze sondern auch manchmal das Gegenteil.

Ein unbedingtes Muss auf dieser Strecke sind die Mozabiten Städte mit ihrer "Hauptstadt" Ghardaia.
Die Mozabiten sind eine strenggläubige Splittergruppe des Islam und äußerst geschäftstüchtig. Schon von ferne merke ich den Unterschied, der bei den Häusern beginnt. Die Fassaden strahlen in blau - weiß Tönen, ein abwechslungsreicher Farbtupfer im grau - braun der Wüste. Da der Sahara Tourismus zu blühen beginnt, hat sich auch die Infrastruktur verbessert. In einem Dattelhain hat ein Mann einen gemütlichen Campingplatz errichtet, wo ich einige Tage verbringe. Die Schwesterstadt von Ghardaia, Beni Issguen darf ich nur mit Führer betreten und muss nach Sonnenuntergang die Stadt bevor die Tore geschlossen werden wieder verlassen. Ein interessantes Schauspiel, der Versteigerungsmarkt von Beni Issguen. In einem großen Kreis sitzen am Marktplatz Käufer und Interessenten. Einige "Steigerer" laufen mit den Artikeln zwischen den Männern hin - und her. Sobald von der anderen Seite ein besseres Angebot kommt, läuft der Mann zu diesem Interessenten. Um sogleich von der anderen Marktecke ein neuerliches Angebot zu bekommen. Das geht so lange bis der Höchstbieter den Zuschlag bekommt.

Der Süden ruft ich breche auf Richtung El Golea, die Straße ist seit meiner letzten Tour in relativ guten Zustand. Auf vierhundert Kilometern eine öde Strecke ohne Abwechslung, das Tademait Plateau, genannt auch der "Garten des Satans". Im Windschatten eins kleinen "Cafes" stelle ich für die Nacht mein Zelt auf. Es gibt wie sooft den traditionellen Cous Cous mit Baguette. Am Morgen stecke ich meine Nase aus dem warmen Schlafsack, das reicht - ich warte bis die Sonne sich über den Horizont schiebt. Denn es ist bitterkalt, das Zelt ist mit einer Eisschicht überzogen. Eine Kanne mit schmackhaftem algerischen Minztee, wärmt mich nur langsam. Nachdem ich das Tademait Plateau hinter mich gebracht habe, steigt endlich in
In Salah die Quecksilbersäule auf Motorrad freundliches Niveau.
Landschaftliche Abwechslung bietet die Arak Schlucht, mit ihren fast senkrechten Wänden. Die Winter Regenfälle, haben sich wie fast immer an der vom Algerischen Militär gebauten Straße ausgetobt.
Auf langen Strecken, sind nur noch Fragmente vom Asphalt vorhanden. Ein unbedingter Halt südlich von Arak, etwas abseits der Hauptpiste der Marabout des "Sidi Moulay Lahsene". Die Legende erzählt, jeder Reisende soll das Grabmahl des Heiligen, dreimal - gegen den Uhrzeigersinn umrunden. Um so Glück - auf der weiteren Reise zu haben. Da mir noch einige tausend Kilometer bevor stehen, ziehe auch ich die obligaten drei Runden. Der Weg ist tief ausgefahren, regelrechte Steilkurven sind schon entstanden.
Des Rätsels Lösung, LKW Fahrer drehen auch ihre "Glücksrunden". Sie haben es mit ihren Vehikeln, wenn ich mir so den technischen Zustand ansehe, auch bitter Notwendig.

Endlich nach Tagen ist die südlichste Oase Algeriens Tamanrasset - unter Sahara fahren schlicht nur
"Tam " genannt.
Hier am Campingplatz trifft sich alles was in die Wüste fährt, oder weiter nach Schwarzafrika - wie ich, oder von dort kommt. Der Platz ist auch eine Info Börse über Pisten Zustand, Benzinversorgung, Grenz-abfertigung u.s.w. Hier kursieren auch so manche G'schichterln. Der eine erzählt er komme gerade von Djanet, auf dieser Strecke gäbe es ein Sandmeer, knietiefer Sand und, und….
Hier höre ich auch wieder diese Geschichten, von Überfällen im Grenzgebiet. Hauptsächlich seien die Aufständischen Tuareg an Allrad Autos interessiert. Einige Autofahrer sagen sie fahren zurück, wollen ihr Auto nicht opfern. Wir denken mit den Motorrädern ist es kein Problem, denn damit können die Tuareg nichts anfangen. Wir, mittlerweile sind wir zu dritt ein Tiroler - Markus und der Schweizer Ewald. Gemeinsam mit den beiden möchte ich das Grenzgebiet passieren, alleine ist es mir zu riskant. Alleine im Sand zu stürzen und sich zu verletzen, das könnte das Ende bedeuten. Schon so mancher leichtsinnige Sahara Fahrer ist für immer in der Wüste geblieben. Denn die Wüste verzeiht keinen Fehler!
Am Campingplatz werden die Michelin Dessert aufgezogen und die ganze Maschine durchgecheckt.
An die sechshundert Kilometer liegen vor uns in die erste Stadt, Arlit im Niger. Der algerische Grenzposten - In Guezzam liegt vierhundert Kilometer entfernt und die Benzinversorgung ist dort ungewiss. So kaufen wir uns noch billige Plastikkanister am Markt, um genug Benzin bis Arlit zu haben. Siebzig Kilometer südlich von Tamanrasset verlassen wir die letzen Fragmente der Asphaltstraße, ab nun gibt es nur noch Piste. Die Hauptpiste ist geprägt vom Material - mordenden Wellblech, für unsere Bikes kein Problem. Wir fahren querfeldein, natürlich immer die Hauptpiste im Augenwinkel um uns nicht zu verfahren. Überhaupt habe ich es mir mit der Orientierung etwas schwieriger vorgestellt. Zur Orientierung stehen so alle zehn, zwanzig Kilometer Eisenstangen und auch so manches Steinmännchen ist sehr hilfreich. Im Sand heißt es auch mich voll zu konzentrieren, denn die heiße Luft flimmert vor meinen Augen. Meine Angst gilt den Löchern die für mich in der erhitzen Luft erst relativ spät zu erkennen sind. Denn allzu langsam fahren strengt noch mehr an: Unter 50 Km/h schlingert die Maschine im Weichsand, erst über dieser Tempo - Marke zieht die Boxer ruhig und geradlinig ihre Spuren durch den Sahara Sand.
Stundenlang kein Fahrzeug, mit Ausnahme einiger Wracks die mitten in der Wüste den Geist aufgaben. Solche Wracks dienen auch ganz gut zur Orientierung, denn eine Vielzahl von Spuren führt durch die Wüste.
Am späten Nachmittag rollen wir im Schutz von einigen Felsen unsere Schlafsäcke und Matten aus.
Der Benzin Kocher blubbert vor sich hin und wir warten bis die Spaghetti Al Dente sind. Statt einem guten Roten, muss es diesmal auch eine Tasse Tee tun! Das nächtliche Firmament ist - für Europäer ungewohnt - massenhaft mit Sternen übersät. Der Grund für diese freie Sicht: "Hier gibt es keine Luftverschmutzung." Unheimlich auch die totale Stille. Kein Mucks, keine Regung, nur Stille. " Da hörst' dein Herz pumpern."
Bevor wir in die Schlafsäcke kriechen, blödeln wir herum - wer übernimmt die erste Wache? Zu diesem Zeitpunkt ist uns noch nicht bewusst, wie schnell daraus Ernst werden kann. Irgendwie sind wir doch froh als die ersten Sonnenstrahlen die Wüste erleuchten, kein Überfall, alles nur Geschichten! Unser morgendlicher Aufbruch verzögert sich. Chevy (Ewald) hat sich einen Dorn eingefahren. Eisiger Wind weht um die Felsen u. mit klammen Fingern wird der Schlauch geflickt. Einige Stunden später hat uns die Realität eingeholt.
Wir treffen einige Holländer, die einen Reisebus in den Niger überstellen wollen.
Sie wurden in der letzten Nacht überfallen! Die Räuberbande nahm ihnen einige hundert Dollar ab, für den Bus hatten sie keine Verwendung. Also doch nicht nur Geschichten!! Die Geröllwüste auch Hammada genannt, ist relativ problemlos zu befahren. Nur einige markante Streckenabschnitte, wie die Dünen von Laouni machen speziell den Autos zu schaffen. Am späten Nachmittag erreichen wir die algerische Grenzstadt In Guezzam. Die Grenzformalitäten sind schnell erledigt, wir beeilen uns noch den
Grenzposten im Niger vor Einbruch der Dunkelheit zu erreichen. Die zehn Kilometer im Niemandsland brettern wir im Paris Dakar Stil, es macht richtig Spaß, ich erreiche kurzzeitig bis zu 120 Km/h.

NIGER



Den Grenzort Assamakka erreichen wir noch vor Einbruch der Dämmerung. An die zwanzig Leute stehen beim Zöllner zur Abfertigung an. So die letzte Gruppe, ein Englischer Overlander Truck nun sind wir an der Reihe. Wir wollen unsere Pässe den in der Hütte sitzenden Beamten reichen, da meint er, er sehe nichts mehr. Kein Wunder die Fensterläden sind geschlossen und außerdem ist er müde. " Vielleicht ein Omen." So ein Schmarren, also heißt es zeitig aufstehen und am nächsten Morgen die Prozedur noch mal von vorne. Am Rande des Grenzpostens schlagen wir unser Lager neben den Overlandern - Australiern und Neuseeländern auf. Es wird ein lustiger Abend mit der Truppe. Steve und seine Maori Frau sind mit einem Landrover unterwegs von London nach Johannesburg, um dort seine Eltern zu besuchen.
Nach dem gemeinsamen Frühstück brechen die Overlander auf, wir auch aber vorerst nur zum Zollposten. Die Jungs kommen allerdings nur langsam in Fahrt, so wird es früher Vormittag bis alle Formalitäten erledigt sind. Nun nehmen auch wir die letzten zweihundert Kilometer nach Arlit unter unsere Stollenreifen. Am Nachmittag, endlich in Arlit, wir freuen uns die Sahara ohne Probleme durchquert zu haben.
Diese Freude währt nur kurz. An der Polizeistation bei der obligaten Anmeldung treffen wir die Neuseeländer und Australier wieder. Alle wirken verstört und niedergeschlagen, was ist passiert?
Die Truppe wurde etwa achtzig Kilometer - als sie dachten es geschafft zu haben, vor Arlit überfallen. Die Räuber entdecken zuerst den Landrover, so konnte der LKW abdrehen und flüchten. Steve erzählt - plötzlich kommt ein Geländewagen in höllischem Tempo auf uns zu. Die Männer beginnen zu schießen, die Kugeln schlagen neben uns Sandfonteinen aufwirbelnd ein. Es ist aussichtslos unser Auto ist zu schwer, eine Flucht zu riskant. Schnell noch die Traveller Schecks aus dem Versteck und schon stehen die Männer mit ihren Gewehren im Anschlag neben dem Wagen. Alles geht blitzartig, wir werden aus dem Wagen geworfen, die Banditen steigen ein und brausen davon. Aus der Traum von einer halbjährigen Afrika Durchquerung, aber mit dem Leben davongekommen! Nach Stunden wagen sich die LKW Fahrer wieder in ihre Richtung und nehmen die völlig verstörten auf.
Nun sitzen sie hier und wissen nicht wie es weiter geht. Denn auch die beiden Pässe sind weg.
Markus dolmetscht am Polizeiposten, damit sie eine Bestätigung für die Botschaft in Niamey bekommen um einen Ersatzpass zu beantragen. Die Anzeige wird gemächlich aufgenommen, angeblich ist ein LKW mit Militär aufgebrochen um die Räuber zu verfolgen, angeblich?
Schlagartig wird uns klar, hätten wir am Vorabend die Abfertigung noch geschafft. Wären wir wahrscheinlich in diesen Überfall mit verwickelt worden. Das Schicksal meinte es gut mit uns, so können wir der Verzögerung an der Grenze auch etwas Positives abgewinnen!

Der Grund des Tuareg Aufstandes reicht zurück bis in die Kolonialzeit. Die Tuareg leben über fünf Staaten - Algerien, Niger, Libyen, Mali und Burkina Faso verteilt. Das Nomadenvolk hat aber Grenzen nie respektiert, Konflikte mit der Regierung waren und sind die Folge. Sie haben schon ein paar Mal erfolglos versucht, sich gegen den Lauf der Dinge zu stemmen. Als die Franzosen um die Jahrhundertwende begannen, die Sahara zu kolonialisieren, kämpften die Tuareg in blutigen Aufständen gegen ihre Unterwerfung.
Sie verloren und bezahlten für die Rebellion, der Handel mit Schwarzafrikanern wurde ihnen verboten. Sie wehren sich auch gegen das Unrecht in den Schulen: Tuareg Kinder wird die Chancengleichheit verwehrt.
Rund 600 Tuareg wurden im Mai 1990 massakriert. Westlich von Agadez siedelte die Regierung nach Dürrezeiten Nomaden an. Anlass war eine Lebensmittellieferung der EG die den Hungernden am Markt angeboten wurde. Die Regierungs Soldateska metzelte die protestierenden Tuareg nieder.
Die angrenzenden Länder versuchen mit aller Brutalität das übergreifen der Rebellion auf ihre Gebiete zu verhindern. In Mali werden Tuareg Dörfer von Hubschraubern aus beschossen, Frauen und Kinder nieder-gemetzelt. Die Männer sehen nur eine Chance sich dagegen zu wehren, indem sie im Algerisch - Nigrischen Grenzgebiet Touristen überfällt um deren Allrad Fahrzeugen habhaft zu werden. So können sie schnell in eine Kaserne eindringen, sich gegen die staatliche Gräuel rächen und umgehend in den weiten der Sahara zu verschwinden.

Rebellenchef Rissa, wir fordern nichts Unmögliches. Nicht die Unabhängigkeit, sondern nur einen Föderalismus und eine echte Autonomie für das Air Gebirge und den Azawak. (Die trockene Azawak Ebene erstreckt sich bis nach Nord - Mali.)

Im Niger erleben wir ein anderes Afrika, ein fröhlicheres - bunteres Afrika, Schwarzafrika lässt grüßen.
Mit dem Meldestempel (der vor - und nach jeder Stadt kontrolliert wird), brechen wir auf nach Agadez. Am Weg etwas abseits der Straße einige markante Felsen, mit Gravuren - diese zählen zu den schönsten Felsbildern der Sahara. Faszinierend in Stein gemeißelte Gazellen, Strauße, Rinder Antilopen, Jagdszenen….. am imposantesten aber die über fünf Meter große Giraffe. Es handelt sich hier um unschätzbare Werte und unwiederbringliche Zeugnisse einer über 4 000 Jahre alten längst vergangenen Kultur.
Wir rollen weiter, welch ein Genuss endlich wieder auf Asphalt. Je weiter wir nach Süden kommen desto mehr nimmt die Wüste ab - und die Vegetation zu, die Wadis sind gesäumt von zartem Grün. Wir erreichen die Stadt Agadez, bekannt auch durch die Architektur des Minarettes seiner Moschee. Hier hat man cleverer weise das Baugerüst mit eingebaut für ev. spätere Reparaturarbeiten. Wir schlafen diesmal ganz komfortabel, wir dürfen auf dem Dach des Hotel Air unsere Zelte aufschlagen. Von hier oben haben wir einen guten Ausblick auf die Straßenszenerie. Wir können in aller Ruhe die Leute beobachten wie sie ihre
Waren zum Markt bringen. Hier gönnen wir uns nach der anstrengenden Wüsten Etappe ein paar Ruhetage.
Neben dem Hotel entsteht plötzlich ein Menschenauflauf. Denn hier steht die Moschee. Die Männer finden sich ein zum traditionellen Freitagsgebet.

Am Stadtrand liegt der Tuaregmarkt. Schwer beladen ziehen die Karawanen auf den Marktplatz.
Sie bringen sehr wertvolle Ware nähmlich Salz. Das Salz wird östlich von Agadez in der Wüste Tenere bei den Salinen von Bilma und Fachi gewonnen. Die Karawanen sind mit ihrer wertvollen Fracht 11 Tage unterwegs. Von 6 Uhr morgens bis Mitternacht, ohne Rastpause, gegessen wird im Reiten. Fällt ein Kamel um oder ein Reiter fällt aus dem Sattel, die Karawane zieht weiter, denn bei einem Stopp in der prallen Sonne sind die Kamele nach einigen Tagen nicht mehr weiterzubewegen. Wasser wird auf diesen Karawanenzügen in Ziegenhäuten den Girbas mitgenommen. Innen sind die Girbas mit Fett bestrichen das Wasser schmeckt dann zwar etwas ranzig, aber es bleibt frisch. Der Tagesschnitt einer Karawane liegt bei etwa 40 Km.
Der Markt wird von verschiedenen Volksstämmen wie Tuareg, Bororo und Haussa besucht. Äußerst stolz sind die Bororos auf ihre Rinder mit den langen Hörnern. Ganz gleich ob Tuareg, Bororo od. Haussa ein Mann geht niemals ohne sein Schwert außer Haus. Ich lerne einen jungen Bororo kennen. Er lädt mich zu sich in seine Hütte zum Tee ein. Hier lebt er mit seiner Frau dem Sohn und seiner kleinen Schwester.
Die Teezubereitung ist eine langwierige Zeremonie. Die frischen Minze Blätter werden mit einem großen Brocken Zucker aufgekocht. Mehrmals vom Teekessel ins Glas u. zurück gegossen und wieder aufgekocht u. nachgesüßt. Irgendwann habe ich mein erstes, meist klebrige Glas in der Hand. Das erste Glas "bitter wie der Tod", das zweite "stark wie die Liebe", das dritte "süß wie der Tod"!
Drei Gläser sind obligatorisch, das zweite o. das dritte Glas abzulehnen wäre eine grobe Unhöflichkeit u. würde gegen die Gastfreundschaft verstoßen. In früheren Jahren wurden solche Verstöße mit dem Tod geahndet!
Am Fetischmarkt schlägt das Herz eines jeden Homöopathen höher. Hier werden die tollsten Naturheilmittel angeboten. Zu Pulver zerriebene Hörner, getrocknete Echsen, Stachelschweinborsten, Echsenköpfe, Schlangenhäute, Gürteltierschuppen, Vogelkrallen und vieles mehr. Diese Dinge sollen vor Krankheit u. bösem Zauber schützen.
Ich traue meinen Augen kaum. Die Sportabteilung auf dem Markt hat alles was das Herz begehrt. Vom Snowboard bis zum Markenschi aus Oberösterreich, alles zum Düneschilauf.
Bekannt in der Sahara die Schmiede von Agadez, denen ich auch einen Besuch abstatte um das eine oder andere Souvenir zu erstehen. Hier werden die Oasen Kreuze, darunter das bekannte Agadez Kreuz hergestellt.

Wir verlassen Agadez in südlicher Richtung und somit auch den Komfort der Asphaltstrasse. Durch Zentral Niger geht es nur noch über Pisten, die teilweise stark versandet sind. Aber das größere Übel ist das Wellblech. Diese Wellen lassen sich entweder im Schritttempo oder um die 80 Km/h am besten bewältigen. Bei falscher Geschwindigkeit ein Materialmordender Wellentanz. Nach solchen Pisten ist ein Check
sämtlicher Schrauben äußerst wichtig. Die einheimischen Lkw Fahrer kümmern sich wenig um die Ver-hältnisse mit Bleifuß geht es übers Wellblech. Die Lkw's in Afrika werden bis zum auseinander brechen beladen u. obendrauf noch eine Menge Leute, Schüttelmassage gratis!
Wir verlassen langsam die Ausläufer der Sahara u. kommen in den Sahel. Die ersten Rinderherden tauchen auf. Alles wird fruchtbarer, Maisfelder auf beiden Seiten der Strasse. Ein Projekt der Italienischen Entwicklungshilfe. In den Feldern stehen Maisspeicher auf Stelzen um die Ernte vor Ungezieferbefall zu schützen.Bei Pausen in Dörfern sind wir sofort von einer Kinderschar umlagert, denn alle wollen aufs Foto. Unsere Mahlzeiten nehmen wir in einfachen Straßenrestaurants ein. Eine Spezialität in diesen Ländern sind kleine Spieße genannt Suja. Das Fleisch mit einer Panade aus verschiedenen Gewürzen u. feinen Erdnuss Splittern schmeckt höllisch scharf. Welches Fleisch es ist wissen wir natürlich nie, geschmeckt hat es immer. Ungewohnt am Anfang auch die Menschenmenge, die uns immer beim Essen beobachtet. Da schmeckt das Essen zuerst gar nicht so richtig, wenn einem die Leute bis in den Magen hinunterschauen. Sie schauen nicht aus Hunger, sondern aus Neugierde und jede Bewegung des Weißen Mannes wird kommentiert. Denn wir sind hier die Attraktion!
Bei der Ausreise aus dem Niger möchte der Zöllner für das abstempeln der Carnets der Motorräder Geld sehen. Zuerst 4000 CFA, wir sagen dafür haben wir noch nie bezahlen müssen. Er zeigt uns ein Buch mit Eintragungen anderer Touristenfahrzeuge, die alle bezahlt haben. Nach zähem Handeln drücken wir den Preis auf 2000 CFA ca. 40,- Schilling. Und alles scheinbar offiziell sogar mit Rechnung, so bessert sich mancher Beamte sein karges Gehalt auf.

NIGERIA



Die Einreise nach Nigeria klappt wieder Erwarten ohne Probleme, die Formalitäten sind schnell erledigt.
Dagegen tut sich ein anderes Problem auf, an Nigerias Tankstellen gibt es zeitweise kein Benzin und dass im Land mit dem größten Erdölvorkommen Afrikas. Wir hören die Raffinerien hätten angeblich gerade Service, andere erzählen das Benzin wird gehortet um den Preis zu treiben was letztendlich stimmt erfahren wir nicht. So sind wir auf Buschtankstellen angewiesen, wo Benzin schwarz verkauft wird. Den Tipp für die erste "Tankstelle" gibt uns der Zöllner am Grenzposten. So eine Buschtankstelle das bedeutet am Straßenrand stehen einige Männer und bieten Benzin in Kanistern an. Der mit mehr oder weniger Geschick in unseren Tanks landet, "Tankwäsche" inklusiv! Am Schwarzmarkt kostet der Liter 4,- Schilling bei offizieller Tankstelle 70 Groschen.Das Fahren ist wieder ein Genuss, denn Nigeria besitzt ein sehr gutes Asphaltstrassennetz. Die ersten Tage in Nigeria verbringen wir in Kano. Nigeria ist das bevölkerungs-
reichste Land Afrikas mit über 115 Millionen Einwohnern . Die Amtssprache ist Englisch neben Haussa, Yoruba, Ibo und eine Menge verschiedener Dialekte. Die Engländer entließen Nigeria 1960 in die Unabhängigkeit. Zu Beginn des Erdölbooms in den 70er Jahren kamen viele Devisen ins Land. Die Machthaber verfielen in einen wahren Investitionsrausch. Mit den Petrodollars wurde versucht Nigeria zu Industrialisieren. Die Nigerianer waren überfordert mit den vielen Gütern die ins Land kamen, denn jedes
Ministerium bestellte nach eigenem gut dünken. In der Hafenstadt Lagos stauten sich die Frachtschiffe. Da verrotteten ganze Schiffsladungen Zement weil die Transportmittel fehlten. Viele dieser Gelder versickerten in dunklen Kanälen. Es wurden ganze Fabriken aufgebaut voll installiert ohne jemals in Betrieb gegangen zu sein. Ein finanzielles Desaster für das Land war auch der Bau der neuen Hauptstadt Abuja mitten im
Dschungel. Die Randbezirke werden schon langsam wieder vom Urwald überwuchert und in den leeren Häusern siedeln sich wieder die Affen an.

Nachdem ich mir in Kano eine Versicherungspolizze für Kamerun besorgen kann, denn unsere Kfz Versicherung ist in Afrika ungültig. Die Stadt mit ihrem hektischen Treiben verlasse ich Richtung Süden zum Jos Plateau. Ein auf meiner Karte nicht verzeichneter Stausee versperrt mir den Weg, das bedeutet einen Umweg von über 120 Km. Mit solchen Überraschungen muss man in Afrika immer rechnen.
Die Großtierhaltung wirft Probleme auf wie fast überall in Afrika. Die Herden der Zebu Rinder sind immer wieder von der Tsetse Fliege bedroht. In den Ebenen ist es Ende Dezember schon sehr heiß. Angenehmere Temperaturen herrschen auf dem Jos Plateau. Wo die hier arbeitenden Europäer gerne ihre freien Tage verbringen. Bei der Einfahrt in Jos erlebe ich eine unliebsame Überraschung, eine Reifenpanne. Ausgerechnet heute es ist nämlich ein besonderer Tag und zwar Hl. Abend. Also nichts mit den Weihnachtskeksen von zu Hause, zuerst heißt es den Schlauch flicken. Zum Glück habe ich die Panne neben einer dieser Werkstätten unter freiem Himmel. Ich bin sofort umringt von einer neugierigen Menschenmenge. Für die ist das unverständlich das der weiße Mann diese Arbeit selbst verrichtet. Denn somit habe ich ihnen eine Einkommensquelle entzogen. In Jos erlebe ich ein turbulentes Weihnachten. Gleich neben dem Hotel spielt in einem Hof eine Reaggie Band die ganze Nacht heiße Rhythmen.
Die Afrikanischen Brücken sind manchmal in Leichtbauweise ausgeführt. Da hilft nur eins zuerst einmal zu Fuß testen ob sie hält. Dann die ganze Maschine abladen, und hoffen dass nichts passiert. Denn hier bin ich für einige Tage alleine unterwegs. Nach diesem Nervenkitzel geht es wieder runter vom Jos Plateau in die heißen Ebenen, in die nächste Stadt. Charakteristisch sind diese Tore Teile der alten Stadtmauer in
den Städten dieser Region. Größere Städte haben heute noch einen Emir, an dessen Palast ich vorbeikomme. Speziell in Norden Nigerias hat der Emir noch eine sehr große Macht über den dort
regierenden Gouverneur. In dieser idyllischen Stadt fühle ich mich sofort heimisch, fast wie in Steyr. Es ist die Stadt Bauchi, die in besonderer Beziehung zu Steyr steht. Irgendwie eigenartig wenn in Schwarzafrika überall diese Steyr Schilder stehen. Die Steyrer Werke erbauten hier ein Montagewerk das 1979 eröffnet wurde. Zur Glanzzeit waren dort ca. 600 Mitarbeiter tätig. Hier wurden Lkw u. Traktoren montiert. Die Teile
hiefür wurden aus Steyr angeliefert. Aufgrund des wirtschaftlichen Chaos in Nigeria fällt die Produktion immer mehr und früher oder später wird es wohl geschlossen werden. In einem großen Camp lebten hier auch viele Familien aus Steyr zur Einschulung von Einheimischen. Im Dezember ist nur noch eine Familie in Bauchi, bei denen ich einige erholsame Tage verbringen kann. Frisch gestärkt verabschiede ich mich von meinen Landsleuten und fahre nach Westen.

Das Yankari Tierreservat in der Nähe von Bauchi ist ein beliebtes Ausflugsziel. Ich bin natürlich schon sehr gespannt die Tierwelt Afrikas zu erleben. Auf der Zufahrt die bizarren Bauwerke der Termiten, von 30 cm - bis 3m Höhe. Die Attraktionen im Yankari sind die warmen Quellen von Wikki. Hier sprudelt glasklares Wasser mit einer Temperatur von über 30° C aus der Felswand. Baden in Afrikas Flüsse oder Seen ist
nicht ungefährlich wegen der Wurmkrankheit Billharziose. Wegen der Strömung und gemauerter Ufer droht hier keine Gefahr.
Die zweite Attraktion die manchmal etwas lästig ist, sind die vielen Paviane. Die sich im laufe der Zeit an die Touristen gewöhnten und immer frecher näher kamen. Da muss man sehr gut auf seine Sachen aufpassen. Die Leute erzählen mir das diese Paviane sofort den Dreh heraus hatten und die komplizierten Kühlboxenverschlüsse öffneten und daraus die Kekse stehlen. Auch in versperrten Bungalows ist nichts vor ihnen sicher. Wenn die einmal etwas in den Fingern haben lässt man es ihnen am besten. Denn mit
ihren Eckzähnen können sie ganz schön gefährlich werden. Am frühen morgen werden wir auf einem Lkw zusammengepfercht und für umgerechnet S 15,- durch den Park gefahren. Das befahren der Tierparks mit Motorrädern ist verboten. Denn da wäre ich für die Löwen so eine Art Essen auf Rädern. Hier gibt es eine
Menge Perlhühner, Wasserböcke, Gazellen Krokodile und dann endlich einen Elefanten. Ein Erlebnis so 20 Meter neben diesem grauen Riesen.

Vorbei an Dörfern und über Flüsse geht es zur Grenze nach Kamerun. Kurz vor der Grenze nehme ich mir ein Zimmer für S 30,-. In der Nacht werde ich geweckt von vielen kleinen Mitbewohnern. Und so bin ich gezwungen auf das Bett mein Zelt zu stellen um eine ruhige Nacht zu verbringen. An einer Buschtankstelle werden noch die Benzinvorräte aufgefüllt. Denn in Kamerun kostet das Benzin über das doppelte als am Nigerianischen Schwarzmarkt. Ohne Pumpe nur mit dem Mund wird aus den Fässern gesaugt. Das bedeutet immer einen herzhaften Schluck Super für den Tankwart.

KAMERUN



Zur Jahreswende treffe ich in Waza ein, und besuche den gleichnamigen Nationalpark. In der Silvesternacht bricht über Nordkamerun der Harmattan herein.
Den Eingang zum Park bilden die traditionelle Bienenwabenartigen Häuser der "Musgum" eines Stammes in Nordkamerun. Hier warte ich auf eine Mitfahrgelegenheit mit einem Auto. Ein Französisches Paar das in Kamerun arbeitet nimmt mich auf der Ladefläche ihres Geländewagens mit. Neben einigen Giraffen, Gazellen u. Pferdeantilopen gibt es eine Menge Elefanten zu sehen. Die größte Herde besteht aus über 30 Tieren. Die Sicht ist nicht berauschend denn die Nacht zuvor ist ja der Harmattan hereingebrochen.
Dieser Staubsturm baut sich in der Trockenzeit in der Sahara auf. An manchen Tagen glaube ich es ist ein nebeliger Tag wie bei uns im November. Das kann tagelang Sicht nur einige Meter bedeuten und im Handumdrehen wieder blauer Himmel. Als das Ökologische Gleichgewicht noch in Ordnung war trat der Harmattan nur im Norden für einige Tage im Dezember und Jänner auf. Aufgrund Ökologischer Störungen
kommt und geht der Harmattan mehrmals pro Jahr. Und tritt bis in die Küstenregion auf.

Entlang der Grenze zu Nigeria komme ich hinauf ins Mandara Gebirge. Mit der Verständigung in Kamerun wird es für mich etwas schwieriger denn über 80% von Kamerun spricht französisch. Ich komme in ein Dorf Trommeln und Gesänge machen mich Neugierig. Die Leute aus dem Dorf und der Umgebung feiern die Inthronisation des neuen Dorfchefs. Ich betrachte das Treiben vom Rande aus. Ein alter Mann mit einem ca. 2,5 m langen Blasinstrument geht zum neuen Chef und den anderen Honoratioren. Er bläst ein paar quietschende Töne in Richtung jeden Mannes. Plötzlich kommt er auf mich zu und die gleiche Zeremonie ergeht auch über mich. Er wünscht mir, wie allen anderen ein Gutes Neues Jahr. Jeder sowie auch ich
geben dafür ein Trinkgeld. Anschließend werde ich dem neuen Chef vorgestellt, auch wünsche ihm ein Gutes Neues Jahr. Ich möchte gehen da nimmt mich ein Mann bei der Hand und führt mich in eine Hütte dort werden Süßigkeiten und Getränke gereicht.
Das Mandara Gebirge bei Kap Siki ist die Heimat des Volkes der Kirdi - Kirdi heißt soviel wie Gottlose. Um in den Innenhof eines solchen Kirdi Gehöftes zu kommen muss man durch das Haus des Familien-oberhauptes. Dadurch hat er immer die Kontrolle über jene die kommen und gehen. Kaum bleibe ich in den Bergen einmal stehen zum Fotografieren. Bin ich sofort von einer Schar Kinder umringt die mir lärmend selbst gebasteltes Holzspielzeug verkaufen wollen.
Der bekannteste Ort in diesem Bergland ist Rhumsiki ein großes Dorf mit etwa 900 Familien. Das Gebirge um Rhumsiki ist sehr stark zerklüftet und birgt viele Höhlen. Darin versteckten sich die Kirdi wenn die Fulbe aus dem Tiefland auf Sklavenjagd gingen. Die Fulbe konnten nie die Bergdörfer einnehmen und sich mit Sklaven versorgen.
Auf primitiven Webstühlen wird noch die Traditionelle Art des Baumwollwebens demonstriert.
Am Dorfrand beklagen u. besingen Frauen eine Verstorbene.

Das Kapsiki Gebiet ist eine vulkanische Zone, ich glaube mich in eine Mondlandschaft versetzt.
So schnell kann aus einer Abenteuertour bitterer Ernst werden. Mittlerweile sind wir zu viert. In einem Dorf ist dem Volker ein Esel ins Motorrad gesprungen, er schlägt einen gewaltigen Salto. Erst da wird mir erst so richtig bewusst was da alles passieren kann wenn man sich schwer verletzt. Denn hier gibt es keinen
Arzt geschweige denn ein Krankenhaus, sondern nur den Medizinmann! Gott sei Dank geht es mit einigen blauen Flecken und Prellungen recht glimpflich aus. Den ganzen Nachmittag haben wir sämtliche verbogenen Teile wieder ausgerichtet. Der Tank hat auch zwei Löcher die wir mit Metall Kit wieder kleben. Es tut ihm zwar rundherum noch alles weh aber ein bisschen lachen kann er schon wieder. Die Tages-leistung ist diesmal sehr bescheiden nur 25 Kilometer. Unser letztes gemeinsames Essen. Ich muss mich von den dreien verabschieden sie schwenken jetzt hinüber nach Zentralafrika.
Afrika ist groß und klein zugleich, eine Familie mit ihrem Geländewagen hatte ich in Algerien kennen gelernt. Und ohne uns etwas auszumachen haben wir uns jede Woche irgendwo auf der Strasse wieder getroffen.
Am Ende der Trockenzeit wird mit Buschfeuern das trockene Elefantengras abgebrannt. Um so nach der Regenzeit dem neuen Gras frischen Nährboden zu geben.

Eines worüber in Europa schon seit Jahren diskutiert wird und in nächster Zeit kaum realisiert wird, ist die gemeinsame Währung. Die meisten Westafrikanischen Länder haben als gemeinsame Währung den CFA. Die Währung der Afrikanischen Finanzgemeinschaft.
Bei Ngaoundere verlasse ich die Asphaltstrasse, dann liegen über 600 Km Latterit Piste vor mir. Bei Lkw Gegenverkehr gibt es nur eins, die Luft anhalten und durch die rote Wolke im Blindflug. Ich kann auch seitlich nirgendwo ausweichen denn überall ist dichter Dschungel. Abends bin ich mit einer roten Staubschicht überzogen. Der rote Staub dringt in jede Ritze des Fahrzeuges und der Ausrüstung. Von den abgelegenen Hütten müssen die Frauen oft lange Märsche in kauf nehmen, um die Wasserstelle oder den Fluss zu erreichen. Foumban ist die Hauptstadt des Graslandes, hier lebt das Volk der Bamoun. Kamerun
war 30 Jahre lang Deutsche Kolonie die mit 1916 endete. Der Sultanspalast ist nach Deutschem Vorbild erbaut. Ein Teil des Palastes ist heute Museum wo der Sultan Masken, Waffen u. Gegenstände seiner Würde und Macht zur Schau stellt.
Nach Foumban verlasse ich den Französisch sprechenden Teil Kameruns und komme in den Englisch - sprachigen. Es gibt große Differenzen zwischen den beiden Sprachgruppen. Die Strasse die durch das Gebiet führt die so genannte Ring Road, sollte 1986 Asphaltiert werden, durch ein Englisches Hilfsprojekt.
Die Baumaschinen u. die Spezialisten waren schon im Hafen von Douala eingelangt. Als dann die Engländer das Geld in die Hauptstadt Yaounde die im Französisch sprachigen Teil Kameruns liegt überwiesen, war die ganze Summe noch vor Baubeginn in dunklen Kanälen verschwunden. Ein junger Mann erzählt mir er wolle Medizin studieren. Die Prüfungen hätte er alle geschafft, aber weil er Englisch spricht werden ihm politische Prügel vor die Füße geworfen.

In den Bergen begegnet mir ein Feder geschmückter Mann. Es handelt sich um einen Ju Ju - einen Toten Tänzer. Wenn in der Umgebung jemand stirbt kommt der Ju Ju um für ihn zu tanzen. Um dem verstorbenen den Weg hinüber in die andere Welt zu erleichtern. Denn ein Sterben in unserem Sinne gibt es nach ihren Glauben nicht. Die Leute hier sind Animisten Anhänger von Naturreligionen. Frauen weichen
dem Ju Ju großräumig aus, denn jede Frau, sagt man die dem Ju Ju begegnet würde unfruchtbar werden.

Die Piste führt mich immer höher ins Bergland hinauf. Saftige Wiesen tauchen auf, ein 3000 er angenehme frische Luft wie bei uns zu Hause sieht es hier aus, wenn nicht die Bananenplantagen wären. Ich bin im ehemaligen Königreich Oku. In der Missionsstation versuche ich Unterkunft zu bekommen. Mir wird ein herzlicher Empfang zu teil. Es stellt sich heraus, der Pater ist aus Südtirol aus Meran. Von Pater Oswald erfahre ich auch einige Geschichten über dieses Gebiet. Als Weißer wurde er am Anfang Misstrauisch von der Bevölkerung aufgenommen, noch dazu weil er Priester war. Und heute noch kämpft er gegen Geschichten über ihn.
So erzählen die Kinder in der Schule er würde nichts essen. Diese Geschichte hat einen lustigen Ursprung. Der Pater wurde noch nie gesehen wenn er zur Toilette geht. Denn einer der nicht auf die Toilette geht braucht auch nichts essen. Das man im Haus auf die Toilette geht ist den Leuten unbekannt. Denn Männer und Frauen sobald sie einen Drang spüren setzen sich zu einer Bananenstaude oder die Männer stellen sich neben die Strasse. Und die anderen Dorfbewohner gehen an ihnen vorbei, für sie ist das die natürlichste Sache der Welt. Es sollte hier auch schon seit einigen Jahren eine Wasserleitung geben, aber wie sooft das Geld ist in korrupter Behördenhand verschwunden. Deshalb bringen die Kinder der nahe gelegenen Schule mit Kübeln und Töpfen aus der ein Kilometer entfernten Quelle dem Pater das Wasser. Jedes Kind hat eine Nummer und die Lehrer kontrollieren mit einer Liste ob jedes Kind ihr
Quantum bringt. Zehn Kilometer weiter in den Bergen liegt der Kratersee Oku. Um diesen heiligen See
besuchen zu dürfen muss man sich bei der Schefferie des Fons, Schefferien sind alte Häuptlingshäuser eine Genehmigung holen. Die Genehmigung ist eine reine Formsache, um die Götter für meine Ankunft gnädig zu stimmen. Sie wird vom Gehilfen des Paters
besorgt. Dicht vom Dschungel umwuchert liegt dieser geheimnisvolle See vor mir.

Die Piste Richtung Norden wird immer schlimmer. Kurz vor Mbot tauchen Teeplantagen auf. Neben diesen Plantagen gibt es noch größere im Süden an der Küste um den Mt. Kamerun. Das Teepflücken ist eine äußerst mühselige Arbeit, denn es dürfen immer nur die frischen Blätter oben am Strauch gepflückt werden. Jeder volle Korb wird abgewogen und danach erfolgt die Bezahlung. Vom Feldrand aus sehe ich den Männern beim pflücken zu und unterhalte mich mit ihnen. Plötzlich fragt mich einer ob ich denn keine Kamera hätte. Ich völlig überrascht über diese Frage, sage ja. Sagt er warum fotografierst du uns nicht? Scheinbar ungewohnt für die Leute dass ein Tourist kommt und mit ihnen plaudert ohne gleich die Kamera zu zücken. Denn aus religiösen Gründen wollen manche nicht fotografiert werden, dass soll man auf alle Fälle respektieren.
Die Leute arbeiten sehr fleißig auf ihren Feldern. Jeder Meter fruchtbarer Boden wird genützt. Mühsam werden die Terrassen von Hand angelegt. Wenn ich abends in den Dörfern mein Zelt aufbaue errege das Allgemein Interesse. Jeder Handgriff wird genauestens beobachtet.

Das Grasland im Westen hat immer genug Feuchtigkeit. Aufgrund der Vulkanischen Böden gedeihen Gemüse, Früchte, Kaffee, Maniok, Tabak und Reis reichlich. Desswegen auch genannt der Gemüsegarten Kameruns. Hier wird auch intensiv Viehzucht betrieben. Das Grasland ist auch das am dichtesten besiedelte Gebiet Kameruns. Faszinierend wie graziös die Afrikanerinnen ihre schweren Körbe auf dem
Kopf, über Stock und Stein balancieren. Sie nehmen oft stundenlange Fußmärsche in kauf um zum nächsten Markt zu gelangen. Bei uns werden manchmal Bilder von Afrikanischen Märkten falsch interpretiert. Wenn eine Frau mit einigen Tomaten am Markt sitzt, glaubt man die Frau verkaufe ihre wenigen Tomaten um überleben zu können. Aber der Markt ist auch ein Ort der Kommunikation. Hier setzen sich auch viele Frauen zu den Marktfrauen auch wenn sie selbst nichts verkaufen wollen. Denn sie wollen
sich unterhalten u. Neuigkeiten austauschen, als Alibi werden einige Früchte mitgenommen. So gut wie unsere Frauen haben es die Afrikanerinnen nicht, das sie nach dem Einkauf ins Kaffeehaus gehen können.
Zum Frühstück eine Vitaminbombe, Bauern bieten neben der Strasse frische Papayas
für ca. S 2.- das Stück an. In diesem Gebiet gibt es einige Kraterseen, deren Vulkanische Tätigkeit noch heute bemerkbar ist. Im Jahr 1986 sind aus dem Kratersee des Lake Nyos in der Nähe des Ortes Wum giftige Gase ausgetreten. Bei dieser Katastrophe sind über 1000 Menschen umgekommen und auch das ganze Vieh verendete. Amerikanische Forscher Beobachteten den Krater längere Zeit und warnten die Regierung vor einem eventuellen Ausbruch, aber die Behörden ignorierten die Warnung. Nach der
Katastrophe schob die Regierung den Amerikanern die Schuld zu. Sie hätten irgendwelche Sprengversuche gemacht. Um so vor der Bevölkerung mit weißer Weste dazustehen. Wenn man durch das Gebiet um den Lake Nyos fährt sieht es immer noch gespenstig aus. Überall verfallene Häuser und kaum eine Menschenseele, man fürchtet sich noch immer vor den bösen Geistern im Krater. Nach Wum wird die Strasse Gott sei Dank wieder etwas besser, nur hin und wieder ein Schlagloch!
Die Piste fordert natürlich ihren Tribut. Auch beste Qualität muss hier Federn lassen. Die Fahrweise der Einheimischen ist natürlich auch nicht gerade Material schonend. Kaputte Lkw's stehen oft tagelang mitten auf der Piste, die anderen müssen schauen wie sie vorbeikommen.
Bafut ist die Hauptstadt des gleichnamigen Volkes. Das Gästehaus des Fons (Häuptling) wurde nach Deutschem Vorbild erbaut. Am Vorplatz des Palastes steht das Tam Tam Haus. Auf einer großen Holz Trommel wurden die Männer gerufen wenn es galt in den Krieg zu ziehen. Eine der Frauen des Fon führt mich durch die verschiedenen Höfe. Einige der Kinder des Fon sind gerade beim Wäschewaschen. Zum trocknen wird die Wäsche nicht wie bei uns aufgehängt, sondern ins warme Gras gelegt. Der Fon hat das ist keine Seltenheit, oft bis zu 180 Frauen. Eine so stattliche Anzahl rührt daher, wenn der alte Fon stirbt muss der Sohn Gewissermaßen mit dem Erbe auch die Frauen mit Übernehmen. Die Frauen haben für den Fon eigentlich mehr wirtschaftlichen Charakter. Sie Arbeiten auf den Feldern sehr fleißig und garantieren mit ihrem Verdienst dem Fon ein sorgloses Leben. Bei feierlichen Anlässen wird auf einem Stein Rotholz zerrieben. Und für jeden
den der Fon dieses Rotholz auf die Arme streicht gilt das als besondere Ehre.
Der alte Palast gilt für Fremde und niedrig gestellte als Tabu. Daneben hat er sich einen komfortableren Palast erbauen lassen.

Im ehemaligen Königreich Bandjoun geht es durch die Allee der Frauenhäuser zur Schefferie mit den kunstvoll mit Ornamenten verzierten Stützsäulen. Neben dem Palast ist ein Museum eingerichtet, ein Sohn des Fon führt mich. Der Krönungs Hut ist über 20 Kilogramm schwer, er trägt ihn am Tage seiner Inthronisation von frühmorgens bis spätabends ohne Pause. Die Legende sagt bricht er dabei zusammen ist er nicht würdig die Last der Regentschaft zu tragen. Je weiter ich ins Tiefland nach Douala komme desto schwüler wird es. Kurz vor Douala tauchen riesige Bananenplantagen auf. In Douala halte ich mich nur auf um den Rücktransport des Motorrades zu organisieren. Douala ist ein heißes Pflaster, am sichersten komme ich in der Missionsstation die von einer hohen Mauer umgeben ist unter. Auf der ganzen Tour wird mir nur ein einziges mal etwas gestohlen. Gott sei Dank nichts wertvolles, nur die Wäsche von der Leine.
Ich bin nur deswegen sauer weil ich mich am Vorabend über eine Stunde abmühte um das ganze wieder etwas sauber zu bekommen. So bleibt mir nur mehr das was ich am Körper trage.
Douala hat chaotische Verkehrsverhältnisse. An allen Ecken wird gebastelt nach dem Motto aus zwei mach eins. Kamerun hat seinen Namen von Portugiesischen Seefahrern. Sie fuhren den Fluss Wouri an dem Douala liegt hinauf. Und entdeckten dabei so viele Krabben das sie ihn Rio de Los Camaroues tauften. Nach der späteren Modifizierung durch die Spanier entstand der heutige Name Kamerun.

Auf der Strasse nach Kribi hatte ich wieder eine Reifenpanne. Weit und breit kein Haus zu sehen nur Dschungel, plötzlich tauchen aus dem nichts einige Zuschauer auf. Bei einer Luftfeuchtigkeit von etwa 90 % eine schweißtreibende Arbeit und dann noch von Hand aufpumpen. Die Leute neben der Strasse versuchen mit dem Verkauf von Frischfleisch etwas Geld dazuzuverdienen. Das Angebot ist vielfältig und reicht über eine so genannte Buschratte, die eigentlich zur Familie der Schweine gehört, bis zu richtigen Ratten.
Selbst Affen werden feilgeboten. Affen besonders wenn sie längere Zeit in der Sonne hängen sind
für Europäer nicht empfehlenswert, denn ihr Fleisch birgt viele Parasiten.

Auf einem Hügel über Kribi ein letztes Zeichen aus Deutscher Kolonialzeit, die Kirche. Dann endlich nach über 9000 Km durch Wüste, Sahel und Dschungel erreiche ich bei Kribi den Atlantik. An diesen endlosen Stränden gönne ich mir einige Tage Erholung von den Strapazen. Am frühen morgen kommen die Fischer mit ihren Einbäumen den Pirogen vom Meer zurück. Am Strand helfen dann alle Familien beim ausladen der Beute. Nach der Schule kommen die Kinder zu mir, und fragen mich ob ich gerne Fisch hätte sie würden in mir zubereiten. Ein Junge fährt mit auf dem Markt, mit Fisch und Zutaten kehren wir zurück. Inzwischen haben die Kinder aus der Elterlichen Küche schon Pfannen und Töpfe geholt. Mit Feuereifer gehen sie daran den Fisch zuzubereiten. Die Zutaten werden auf einer Steinplatte mit einem Reibestein
püriert. Gemeinsam verspeisen wir dann den besten Fisch, denn ich je gegessen habe.

Leider gehen diese schönen Tage zu schnell vorbei, ich muss zurück nach Douala. Mit der Fluglinie ist schon alles abgesprochen, ich brauche nur noch die BMW zum Flughafen bringen. Alles gepackt, nur die Maschine springt nicht an. Dass wo ich doch nur mehr hundertsechzig Kilometer zu fahren habe. Also Fehlersuche, Benzin ist genug im Tank, Funken auch auf beiden Kerzen. Vergasermembrane ist auch in Ordnung, Schwimmerkammern leeren, noch immer kein Ton. Es hat den Anschein dass ich mir einen
LKW chartern muss nach Douala. Ein letzter Versuch, ich hab ja noch eine Zündspule mit vielleicht hilft das? Die ist natürlich ganz unten in den Aluboxen, also alles auspacken.Zündspule umgesteckt, Starter gedrückt - sie läuft ! Bin ich froh, zu Hause stellt sich heraus dass die Zündspule einen Haarriss hatte. Sie gab zwar einen Funken, der war aber so gering dass er vom Benzingemisch ausgeblasen wurde sagte mein Mechaniker.

Bin glücklich auch die letzen Kilometer mit eigener Kraft nach Douala geschafft zu haben. Am Flughafen nehme ich mir einen "Schlepper". Einer dieser Dienstbaren Geister ohne die es für einen Europäer etwas problematisch ist den Bürokraten Dschungel zu bewältigen. Ein fixer Bursche, wir schaffen alle nötigen Papiere am Vormittag. Zwar wieder um einige CFA erleichtert, nur alleine hätte ich vielleicht ein - zwei Tage gebraucht.
Die BMW wird nicht verpackt, sie wird einfach auf einer Flugpalette verzurrt und mit Kisten und Erdnusssäcken und allerlei anderem Zeugs verkeilt. Hoffentlich geht das gut, so wie die Jungs sonst überall mit der Technik umgehen und sie kommt heil in Linz/Hörsching an.

Im Flugzeug lasse ich die 9000 Kilometer noch mal Revue passieren.

 

Mein Entschluss steht fest, Afrika ich komme wieder!



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